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Grelle Farben für die Formel 1? iSport-Pilot Karun Chandhok beim GP2-Rennen in Monaco © imago

Im Streit um den Enstieg kleinerer Teams in die Formel 1 nimmt iSport-Boss Paul Jackson Stellung und wehrt sich gegen Attacken.

Von Marc Ellerich

München - Der Machtkampf um die neue Budget-Obergrenze in der Formel 1 wird zwischen den protestierenden Teams um die Scuderia Ferrari und dem Weltverband FIA und seinem Präsidenten Max Mosley öffentlich immer härter geführt.

Machtlose Zuschauer des Gezerres zwischen den großen Rennställen und der FIA sind jene kleineren Rennställe aus anderen Serien, die ihr Interesse an einem Einstieg in eine finanziell limitierte Königsklasse erklärt hatten.

Diese Bewerber mussten sich zuletzt bösen Spott der etablierten Platzhirsche gefallen lassen.

"Bei allem Respekt"

So fragten die Ferrari-Verantwortlichen in einer Erklärung auf der eigenen Homepage: "Bei allem Respekt: Kann ein Formel-1-Weltmeisterschaft mit solchen Teams den gleichen Wert haben wie die derzeitige Königsklasse mit Ferrari, den großen Herstellern und den Teams, die für die Formel-1-Geschichte stehen."

Die Antwort lieferten die Roten gleich mit: Natürlich nicht. "Wäre es nicht besser, man würde eine solche Meisterschaft dann Formel GP 3 nennen?", lautete geringschätzig die nächste Frage. ("An einer Formel 3 nehmen wir nicht teil")

Mehrfache Ausstiegsdrohungen

Mehrfach hatten Ferrari, aber auch andere Rennställe mit einem Ausstieg aus der höchsten PS-Liga gedroht, sollte den in ihren Augen unwürdigen Bewerbern tatsächlich der Zutritt zum Elitezirkel gewährt werden. Ferrari wollte wegen der finanziellen Limitierung vor Gericht sogar eine Einstweilige Verfügung erwirken, war in Paris allerdings abgeblitzt (Ferrari blitzt vor Gericht ab).

Die Italiener ernteten in ihrem harten Ablehnungskurs den Zuspruch anderer Teams. So sagte BMW-Saubers Motorsportdirektor Mario Theissen, Ferrari vertrete die Interessen der Teamvereinigung FOTA (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand).

Und Mercedes-Sportdirektor Norbert Haug formulierte Kriterien für eine mögliche Zulassungsbeschränkung für Neulinge. "Ich unterstütze es, wenn neue Teams in die Formel 1 einsteigen wollen. Aber sie müssen ein bestimmtes Niveau haben", sagte er: "Die Zuschauer wollen in der Formel 1 die besten Fahrer in den besten Teams sehen. Überrundungsmanöver möchte niemand sehen."

Jackson verteidigt Pläne

Nun hat sich erstmals einer der derart verbal abgestraften kleinen Formel-1-Bewerber in den Zoff eingeschaltet: Paul Jackson, Betreiber des GP-2-Teams iSport nahm in einem Interview mit dem britischen Portal "Autosport.com" Stellung.

Jackson verteidigte in dem Gespräch seine Pläne: Die Formel 1 habe immer schon aus kleinen Teams bestanden, seine Bewerbung sei durchaus seriös. "Es gibt ernsthafte Bewerber und weniger ernsthafte. Die werden dann halt nicht genommen."

"Es wird viel Mist geredet"

Auch gegen die Attacken von der Ferrari-Seite wehrte sich der Brite.

"Es wird zurzeit viel Mist geredet", retournierte Jackson die Angriffe der Roten: "Ferrari leidet ganz offensichtlich, weil sie vor dem französischen Gericht verloren haben. Jetzt stehen sie vor einer schweren Entscheidung."

Allgemein sieht er die von großen Autokonzernen betriebenen Rennställe in großer Not. Früher hätten die Autobauer nur die Motoren für die Formel-1-Teams geliefert. "Seit sie selbst Rennställe betreiben, machen sie teilweise schlechte Erfahrungen."

Großkonzerne deplatziert

Jackson hält Großkonzerne wie Ferrari, Mercedes oder BMW offenbar ohnehin für deplatziert in der Königsklasse: "Einen Formel-1-Rennstall zu betreiben oder ein Team aus einer anderen Serie passt nicht zu den Strukturen eines großen Unternehmens."

Entscheidungen müssten in der Formel 1 schnell getroffen werden, und man müsse sich an Veränderungen schnell anpassen können. "Das hat in der Vergangenheit nicht funktioniert. Und jetzt ist der Punkt gekommen, an dem es auch nicht funktioniert."

Ohnehin widerspreche ein Formel-1-Engagement den wahren Interessen der großen Autokonzerne, behauptete der Manager.

"Sehr große Unternehmen müssen sich um ihr Kerngeschäft kümmern, und das ist Autos zu bauen. Sie haben 400 oder 500 Leute, die in der Formel 1 arbeiten und geben dafür 200 oder 300 Millionen aus. Aber sie haben auf der anderen Seite Hunderttausende, die in ihrem Kerngeschäft arbeiten. Und darum müssen sie sich kümmern."

Warten auf FOTA-Meeting

Dass die Angriffe der etablierten Rennställe nicht ohne Wirkung bei ihm blieben, gab der Rennstall-Macher zu.

"Man fragt sich schon, wo man sich da hineinbegibt", sagte Jackson: "Politisch ist die Formel 1 im Moment ein Alptraum."

Was seinen möglichen Einstieg in die Königsklasse angeht, will Jackson, das Treffen der Teams am Rande des Grand Prix von Monaco abwarten, dem er entscheidende Bedeutung beimisst.

"Ich denke, dort müssen sie sich entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Dann bist du eben drin oder draußen. So einfach ist das."

Die Bewerbungsfrist für die Neulinge beginnt ohnehin erst am 22. Mai und endet eine Woche später. iSport hat deshalb noch keine Einschreibe-Unterlagen eingereicht.

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