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Timo Glock, hier beim Spanien-Grand-Prix, liegt in der WM auf Platz sechs © imago

Toyota ist nach starkem Saisonauftakt in Monaco chancenlos und erlebt ein Quali-Debakel. Der Einbruch begann schon in Spanien.

Von Julian Meißner

München - Die Quintessenz des Großen Preises von Monaco war für Timo Glock schnell gefunden: "Wir haben uns im Kreis gedreht."

Was bei einem Autorennen selbstverständlich erscheint, steht symbolhaft für die Performance von Glocks Toyota-Team. Seit dem Europa-Auftakt in Spanien kommen die Japaner nicht vom Fleck (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Dabei hatte man - auch aufgrund des ominösen Doppel-Diffusors - einen bärenstarken Saisonstart hingelegt.

Glock verpasste beim Auftakt in Melbourne nur haarscharf das Podium, in Malaysia erklomm er dessen unterste Stufe. Es folgte zwei siebte Plätze in China und Bahrain.

Wende in Spanien

Toyota fuhr als einziges Team neben WM-Spitzenreiter Brawn GP in den ersten vier Rennen in die Punkte, Jarno Trulli schaffte es dabei zweimal aufs Treppchen.

Doch mit der Ankunft des Formel-1-Trosses auf dem europäischen Festland war es mit der Herrlichkeit schnell vorbei. Die erste Toyota-Nullnummer beim Spanien-Grand-Prix markierte die Wende zum Negativen.

Punkte in weiter Ferne

Und auch in Monaco war schnell klar, dass es nicht für die Punkteränge reichen würde: Glock und sein Teamkollege Trulli fuhren im Qualifying die Startpositionen 19 und 20 heraus. Noch nie war das Team so schlecht im Versuch, auf den Punkt eine schnelle Runde hinzulegen 109917(Die Bilder des Rennens).

"Die Top Ten zu erreichen, war mehr als ich erwartet hatte, wenn man sieht, wie das Wochenende bis dahin gelaufen war", sagte Glock, der am Ende noch Zehnter wurde: "Wenn du in Monaco aus der Boxengasse startest, kannst du nicht erwarten, in die Punkte zu kommen."

Ohnehin am Ende des Feldes hatten die Renningenieure nach dem letzten Strohhalm gegriffen und das Auto erneut umgebaut, weshalb Glock zu Rennstart nicht auf dem Grid stand.

"Das Setup nicht hinbekommen"

Toyotas technischer Direktor Noritoshi Arai musste zerknirscht zugeben: "Wir haben ganz offensichtlich das Setup für dieses Rennen nicht hinbekommen. Es war uns einfach nicht möglich, eine gute Rundenzeit hinzulegen."

Auf dem engen Straßenkurs war das Schicksal Glocks und Trullis nach der verpatzten Quali besiegelt.

Glocks Erklärungsversuch: "Wir haben die Reifen nicht zum Arbeiten gebracht. Es ist schwierig, das zu verstehen."

Trulli, der als 13. und damit Vorletzter ins Ziel kam, wollte nur noch eines: "Wir müssen dieses schwierige Wochenende schnell vergessen."

Anders gedachte Teamchef Tadashi Yamashina mit der Schlappe umzugehen: "Wir müssen sehr sorgfältig analysieren, was falsch gelaufen ist."

Kontakt zur Spitze abgerissen

Toyota liegt in der WM als Dritter zwar immer noch vor McLaren-Mercedes und Ferrari, der Kontakt zur Spitze mit Brawn und Red Bull aber ist abgerissen (Brawn verbietet das W-Wort).

Trulli setzt nun große Hoffnungen auf den modernen Kurs in der Türkei, wo der nächste Große Preis über die Bühne geht: "Ich bin sicher, wir werden beim nächsten Rennen viel konkurrenzfähiger sein."

Ausstiegsgerüchte halten sich

Unabhängig von der Performance am Bosporus hegt man in der Führungsetage des größten Automobilherstellers der Welt offensichtlich weiter Zweifel am teuren Engagement in der Königsklasse.

Dass der Ausstieg nach Vorbild des Erzrivalen Honda schon beschlossene Sache sei, dementierte Toyotas Motorsport-Präsident John Howett in Monaco zwar.

Doch sollte sich der sportliche Abwärtstrend des Teams fortsetzen, hätten die Kritiker ein Argument mehr.

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