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Max Mosley ist seit 1993 Präsident des Automobil-Verbands FIA © imago

Wenige Tage vor der Einschreibefrist für die neue Saison setzt FIA-Boss Max Mosley die Teams mit einem Schreiben unter Druck.

Von Marc Ellerich

München - Der Tag der Entscheidung naht. Am Freitag will der Automobil-Weltverband FIA die Liste mit jenen Teams veröffentlichen, die im kommenden Jahr in der Formel 1 starten dürfen.

Doch bisher trennt die FIA um ihren Präsidenten Max Mosley und die etablierten Rennställe, die in der Teamvereinigung FOTA organisiert sind, ein tiefer Graben (Mosley: "Werden sehen, wer sich durchsetzt").

Zwar schrieben sich alle FOTA-Teams rechtzeitig innerhalb der FIA-Frist für die neue Saison ein. Doch knüpften sie gravierende Bedingungen an ihre Anmeldung: Sie forderten die rasche Verabschiedung eines neuen Concorde-Agreements bis zum 11. Juni und machten zur Bedingungen, dass der Regelkatalog dieses Jahres auch in der kommenden Saison zur Anwendung kommen soll - und nur von den Teams geändert werden darf.

Brief an acht FOTA-Teams

In einem Brief an acht Rennställe - das Williams-Team und Force India wurden von der FOTA ausgeschlossen, nachdem sie sich bedingungslos für 2010 eingeschrieben hatten - hat Mosley nun reagiert (Atempause im Machtkampf mit Mosley).

Wie "Motorsport-Total.com" und "autosport.com" übereinstimmend berichten, hat der FIA-Präsident die Rennställe darin aufgefordert, sich ohne Bedingungen für die neue Saison anzumelden.

Der Brite setzte den Teams dafür eine Frist bis Dienstagabend. Die Teams reagierten am späten Dienstagabend.

Schriftliche Reaktion der FOTA

In einem Schreiben habe die FOTA auf Mosleys Brief geantwortet, hieß es, ein Treffen der Teams wird es aber erst am Mittwoch geben.

Ein FIA-Sprecher bestätigte den Eingang des Briefs, "dessen Inhalt nicht ausschließlich negativ ist".

Ob es zu der geforderten bedingungslosen Einschreibung kommt, bleibt dennoch fraglich. (FOTA-Meeting: Machtkampf auf der Luxus-Yacht)

Artikel 66 des Sporting Codes

Mosley verwies zuvor in seinem Schreiben auf Artikel 66 des Internationalen Sporting Codes: "Wir können die verabschiedeten Regeln für 2010 ohne die Zustimmung der eingeschriebenen Wettbewerber nicht ändern."

Der oberste FIA-Funktionär spielte damit auf die für die kommende Saison bereits verabschiedete Budget-Obergrenze von 45 Millionen Euro an, gegen die sich diverse Rennställe, allen voran das Ferrari-Team, zur Wehr gesetzt haben (Teams: Widerstand gegen Sparzwang).

"Sie haben die Wahl"

Mosley stellte in seinem Brief die Rennställe vor die Entscheidung: "Sie haben also die Wahl, an diesem Prozess als eingeschriebenes Mitglied teilzunehmen oder nicht", heißt es in dem Schreiben, aus dem "autosport.com" zitiert: "Um teilzunehmen, sollten sie uns nun bestätigen, dass ihre Anmeldung bedingungslos erfolgt."

Zudem schlug der Auto-Präsident seinen Gegnern ein weiteres gemeinsames Vorgehen vor: "Wir planen ein Treffen aller eingeschriebenen Teams unmittelbar nach dem 12. Juni, um die Einsparpläne der FOTA-Teams zu diskutieren."

Streitpunkt Concorde Agreement

Einer Unterzeichnung eines neuen Concorde-Agreements, das die Arbeitsgrundlage der Königsklasse darstellt, bis zum Donnerstag erteilte Mosley eine Absage.

Zwar sei die FIA bereit, die Diskussionen über das neue Regelwerk zügig zu beginnen. Es gebe allerdings "keine Möglichkeit, dieses zu verabschieden, ehe die Meldeliste für 2010" beschlossen sei.

Der Weltverband müsse wissen, mit welchen Ansprechpartnern er über den Entwurf mit einem Umfang von mehreren hundert Seiten zu diskutieren habe. "Im Moment sieht es nicht danach aus, als würden alle Rennställe des Jahres 2009 auch im kommenden Jahr an der Formel 1 teilnehmen."

Absprache der Hersteller

Eine bedingungslose Zustimmung zu Mosleys Forderungen könnte allerdings für eines der fünf großen Hersteller-Teams McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Renault, Ferrari und Toyota drastische Folgen haben.

Angeblich soll ein Abkommen der fünf Rennställe existieren, wonach Abweichler zu einer Strafzahlung von 50 Millionen Euro an die vier Mitunterzeichner verdonnert werden kann.

Allerdings soll dieses Dokument, das am Rande des Monaco-GP verabschiedet worden sein soll, gegen EU-Recht verstoßen. Toyota-Teamchef John Howett dementierte dies. Die Absprache beinhalte keinerlei kommerzielle Themen.

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