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Zwei, die die Formel 1 groß gemacht haben: Niki Lauda, Bernie Ecclestone (r.) © getty

Niki Lauda übt in einem Interview Kritik an den Streitparteien in der Formel 1 und wirft Teams und FIA Wichtigtuerei vor.

Von Marc Ellerich

München - Der frühere Formel-1-Weltmeister Niki Lauda hat die streitenden Parteien im derzeitigen Machtkampf der Königsklasse scharf angegriffen.

Im Zwist zwischen den revoltierenden Teams und dem Automobil-Weltverband FIA um die Budget-Obergrenze gehe es nur um "persönliche Fehden zwischen dem FIA-Boss Max Mosley, dem Ferrari-Präsidenten Luca di Montezemolo und wie sie alle heißen", behauptete der Österreicher.

"Geht eh alles bergab"

"Mir geht das ganze wahnsinnig auf die Nerven", zürnte Lauda: "Ich habe noch nie so ein Missmanagement gesehen. Es geht eh alles bergab und funktioniert nicht mehr, weil es kein Geld mehr gibt für die ganzen Geschichten. Und dazu macht man noch so ein Theater. Kein Wunder, dass keiner mehr zuschaut."

"Doch das Fürchterlichste an der Geschichte ist die Wichtigtuerei", so Lauda weiter: "Statt sich in Ruhe hinzusetzen und eine Lösung zu finden, wird alles über die Medien ausgetragen. Jeder glaubt sein Gesicht zu verlieren. Daran könnte alles scheitern - und das wäre der größte Witz."

Lauda gegen radikale Lösung

Im Prinzip seien sich die gegnerischen Parteien ohnehin längst einig, glaubt der frühere dreimalige Champion: "Es geht jetzt nur darum, ob man die Budget-Obergrenze radikal im nächsten Jahr einführt oder ein Jahr später."

Lauda sprach sich in der Frage der Budget-Limitierung gegen eine radikale Variante aus (Teamliste draußen: Riesenwirbel um Ferrari): "Die Lösung wäre: nächstes Jahr der Kompromiss (ca. 80 Millionen Euro, wie von den Teams gefordert; d. Red.) und schon 2011 die besagten 45 Millionen Euro (d. FIA-Beschluss; d. Red.)."

Parallelserie ein Hirngespinst

Zugleich ging der Österreicher mit den Rennställen hart ins Gericht (FOTA will Mosley umgehen).

Eine Parallelserie zur Formel 1 hält er für ein Hirngespinst (DATENCENTER: Formel-1-Ergebnisse) . "Das als Druckmittel zu verwenden, ist lachhaft, weil es absolut unrealistisch ist."

Lauda weiter: "Die Rennwagenhersteller oder die Fahrer können nie im Leben eine Sportbehörde stürzen. Das kann man beim Olympischen Komitee nicht, und das kann man bei der FIA nicht. Über jeden Sport gehört eine Behörde."

Attacke gegen Ferrari

Besonders das Ferrari-Team, für das er einst selbst fuhr und welches in seiner Ablehnung der FIA-Pläne am radikalsten ist, kritisierte Lauda mit deutlichen Worten: "Was Ferrari da herumpalavert, verstehe ich nicht."

Ferrari sei von der FIA in der Vergangenheit - auch finanziell- bevorzugt behandelt worden, so der heutige TV-Experte: "Doch die, die am meisten Wirbel machen, sind die Italiener. Ich glaube, dass diese Wahnsinnigen irgendwann mal zur Vernunft kommen und einen Kompromiss finden müssen - im eigenen Interesse."

Lob für Mosley

Für Weltverbands-Präsident Mosley, den er von seiner Kritik nicht ausgenommen hatte, fand Lauda allerdings auch freundlich Worte.

Der Brite sei der Erste gewesen, "der verstanden hat, worum es geht. Die Teams wären von allein auf diese Idee (zu Sparen, d. Red.) gar nicht gekommen. Die Behörde FIA hat erkannt, wo die Weltreise hingeht. Und dass die Behörde immer radikal etwas will, um einen Kompromiss zu erzielen, das ist seit Jahrzehnten bekannt."

FIA: "Sehr konstruktives Treffen"

Unterdessen ging der Zwist zwischen FIA und FOTA in die nächste Runde.

In einer Presseerklärung gab sich der Weltverband "erstaunt" davon, dass einige FOTA-Mitglieder, die am vergangenen Donnerstag bei einem Schlichtungstreffen beider Parteien gefehlt hatten, anschließend verbreitet hatten, dieses sei ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

Anders als behauptet, sei dieses Treffen "sehr konstruktiv" verlaufen.

Die Ziele der FOTA und der FIA in Bezug auf eine Kostenreduzierung würden inzwischen "sehr nah zusammenliegen". Details darüber sollten in Kürze geklärt werden.

Zudem habe der Verband vorgeschlagen, um sich langwierige neue Verhandlungen zu ersparen, das Concorde Agreement, die "Verfassung" der Formel 1, in der inzwischen ausgelaufenen Version von 1998 bis 2014 zu verlängern.

Einigkeit bestehe nach Meinung der FIA auch über die technische Unterstützung für neue Teams.

Attacke gegen Ferrari

"Es gibt eindeutig ein Element in der FOTA, das entschlossen ist, jegliche Einigung zu verhindern, ohne Rücksicht auf den Schaden, den das auf den Sport haben könnte", hieß es in der Erklärung weiter, ohne die Scuderia Ferrari explizit zu erwähnen.

Am Wochenende hatte Ferrari-Chef di Montezemolo die Ausstiegsdrohung seines Rennstalls erneut bekräftigt (Ferrari: Waren ja nicht besoffen).

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