vergrößernverkleinern
Stürmische Zeiten für Max Mosley und die FIA. Zerbricht die Formel 1? © getty

FIA-Boss Max Mosley kündigt eine Millionenklage gegen die FOTA an und gibt sich dennoch gelassen. Schumi stärkt die Rebellen.

Silverstone/München - Der Automobil-Weltverband FIA will Ferrari und die abtrünnigen übrigen FOTA-Teams verklagen (Teams planen Konkurrenzserie).

Die Pläne der Teamvereinigung und von Ferrari im speziellen seien schwerwiegende Rechtsverletzungen, willkürliche Eingriffe in bestehende Verträge und von Ferrari-Seite der Bruch vertraglicher Pflichten.

Das erklärte die FIA am Freitagnachmittag in einer Pressemitteilung (Piratenserie: Sport1.de klärt die wichtigsten Fragen).

Neben der sofortigen Einleitung rechtlicher Schritte kündigte die FIA an, die Veröffentlichung der endgültigen Teilnehmerliste für 2010, die ursprünglich für Samstag vorgesehen war, auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Mosley: "Nehme das nicht ernst"

Vorher müsse der Verband seine Rechte wahren, hieß es im Vorfeld des Großbritannien-Grand- Prix (Quali, Sa., 13.45 Uhr LIVE).

Mosley selbst gab sich in seinen öffentlichen Äußerungen gelassen.

"Ich nehme das nicht so ernst wie manche andere, denn ich weiß, dass hier nur posiert wird", sagte der FIA-Präsident der "British Broadcasting Corporation" (BBC): Das alles wird zwischen jetzt und dem ersten Rennen der nächsten Saison im März 2010 aufhören. In den nächsten neun Monaten wird ja nichts passieren, da kann man leicht große Sprüche klopfen. Aber alle wissen, dass in Melbourne 2010 alle Teilnehmer der Formel-1-Weltmeisterschaft der FIA sein werden."

Der Brite weiter: "In diesen Angelegenheiten stand am Ende immer ein Kompromiss. Sie können es sich nicht leisten, nicht in der Formel 1 zu starten und wir wären nicht begeistert eine Weltmeisterschaft ohne sie zu haben."

"Tür ein wenig offenlassen"

Der Funktionär wiederholte seine Ansicht, er gehe davon aus, dass einige Hersteller-Teams sich über den Winter aus der höchsten PS-Liga zurückziehen könnten - früher hatte er BMW, Renault und Toyota als mögliche Kandidaten genannt.

Mosley weiter: "Die großen Traditionsrennställe, und da schließe ich Ferrari ein, müssen dabei sein, und sie werden dabei sein. Sie können den Rückhalt, den sie brauchen, um eine Konkurrenzserie zu betreiben, nicht bekommen. Also werden sie womöglich zurückkommen. Wir müssen deshalb die Tür ein wenig offen lassen."

Derzeit seien Verhandlungen nicht möglich, "weil alles, was wir anbieten zurückgewiesen wird".

Sitzung des Weltrats

Die Teams versuchten den kommerziellen Rechteinhaber Bernie Ecclestone zu entmachten und die Macht in der Formel 1 zu übernehmen.

"Das kann nicht passieren und das wird nicht passieren. Und vielleicht werden sie das erkennen und wir werden zusammenkommen." Dies sei im übrigen unabhängig von seiner Person.

"Wer immer mich ersetzen wird, wird die Interessen der FIA verteidigen, weil die Formel 1 ihr gehört", sagte Mosley. Möglicher Hintergrund dieser Aussage: Am kommenden Mittwoch steht ein Sitzung des FIA-Weltrats an, auf der auch über Mosleys Posten debattiert werden könnte.

"Patt" zwischen FIA und FOTA

Red-Bull-Teamchef bezeichnete die derzeitige Lage in dem Streit als "Pattsituation" zwischen dem Weltverband und den Rebellen.

Am Freitag hatte Ferrari gelassen auf die Klageankündigung der FIA regiert. "Ferrari will die Pressemitteilung der FIA nicht kommentieren", hieß es.

Die Scuderia stellte klar, dass sie selbst am 15. Juni bereits ein Schiedsgericht angerufen hätte, um ihre vertraglichen Rechte bezüglich der Einführung neuer Regeln und ihres Veto-Rechts prüfen zu lassen.

Schumi: "Echte Alternative"

Rückendeckung erfuhren die rebellierenden Rennställe von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher.

Zwar empfindet der Ferrari-Berater (!) die derzeitige Situation als "extrem schade" und hofft, dass "jetzt mal bald Schluss ist mit den politischen Spielchen".

Dennoch hält der Deutsche eine Konkurrenzserie zur Formel 1 nicht mehr für ausgeschlossen.

Diese möge zwar "erst einmal unvorstellbar" sein, da aber alle großen Rennställe hinter diesem Vorhaben stünden, "wird eine neue Meisterschaft schon deutlich realistischer. Für mich ist das inzwischen eine echte Alternative".

Theissen und Haug machen Mosley verantwortlich

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen und Mercedes-Sportchef Norbert Haug hatten am Freitag die spektakuläre Entscheidung der Teamvereinigung FOTA dagegen verteidigt und als einzig richtigen Weg bezeichnet.

Beide machten den Automobil-Weltverband FIA mit Präsident Max Mosley an der Spitze für die verfahrene Situation verantwortlich.

"Die FOTA hat sich bis zum Schluss um eine Einigung bemüht. Leider ist die FIA von ihrer starren Haltung nicht abgerückt und hat darauf bestanden, dass sich die Teams zuerst einschreiben müssen und erst anschließend über die Regeln verhandelt wird. Das war für uns nicht akzeptabel", sagte Theissen.

"Es geht nicht um Macht"

Haug betonte, dass man diesen Weg gehen und seinen Prinzipien treu bleiben müsse. "Es geht nicht um Machtübernahme, Geld oder Dikitieren, sondern um eine saubere Balance und ein positives Miteinander. Es müssen gleiche Voraussetzungen herrschen. Wir waren kooperativ und sind es noch", sagt der Mercedes-Sportchef.

Theissen: "Die FOTA sieht sich gezwungen, die Vorbereitungen für eine alternative Meisterschaft voranzutreiben."

Keine Sorgen um Niveau und Organisation

Sorgen über das Niveau der "Piratenserie" macht sich Theissen nicht. "In der von der FOTA organisierten Serie werden die besten Fahrer und die besten Teams gegeneinander antreten. Das geschieht nach einem stabilen Reglement und in einer transparenten Führungsstruktur", sagt der BMW-Motorsportdirektor.

Theissen betont, dass man die Wünsche der Fans berücksichtigen werde, von denen man insbesondere in den vergangenen Wochen sehr viel Unterstützung erhalten habe.

Die FOTA habe sich seit ihrer Gründung im September vergangenen Jahres dafür eingesetzt, die Kosten in der Formel 1 zu senken, die Attraktivität zu steigern und unabhängige Teams zu unterstützen, sagte Theissen weiter: "In dieser kurzen Zeit wurde so viel erreicht wie nie zuvor in der Geschichte der Formel 1."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel