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Max Mosley hatte noch am Tag zuvor erklärt, eine Wiederwahl anzustreben © getty

Der Machtkampf hat ein plötzliches Ende: FIA und Teamvereinigung FOTA verständigen sich, Max Mosley zieht seine Konsequenzen.

Paris/Neuss - Die Spaltung der Formel 1 ist vom Tisch, FIA-Chef Max Mosley dankt ab: Die rebellierenden Teams haben den Streit um die Zukunft der Königsklasse auf ganzer Linie gewonnen.

2010 wird es nur eine Formel 1 geben, ohne die umstrittene Budget-Obergrenze und ohne ein Zwei-Klassen-Reglement, dafür aber mit den von der Teamvereinigung FOTA vorgeschlagenen Kostensenkungen.

Mosley wird im Herbst nicht wieder für den Präsidenten-Posten im Automobil-Weltverband kandidieren und sich bis dahin komplett aus der Formel 1 raushalten.

Rebellische Teams bis 2012 dabei

"Es wird keine Spaltung geben. Wir haben uns auf eine Kostenreduzierung geeinigt. Es wird eine Formel-1-Weltmeisterschaft geben, aber das Ziel ist, innerhalb von zwei Jahren zu Ausgaben auf dem Niveau der frühen neunziger Jahre zu kommen. Jetzt herrscht Frieden", sagte Mosley in einer seiner letzten Aussagen zur Formel 1 nach der Sitzung des World Motor Sport Council am Vormittag. (Mosley: "Nehme das nicht so ernst")

Davor hatte es offenbar bis tief in die Nacht und erneut am frühen Morgen Gespräche zwischen Mosley, Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo als FOTA-Chef gegeben.

Dabei hat sich die FOTA mit ihren Forderungen komplett durchgesetzt, im Gegenzug haben die FOTA-Teams BMW-Sauber, Brawn, Ferrari, McLaren-Mercedes, Red Bull, Renault, Toro Rosso und Toyota ihre Teilnahme an der Formel 1 bis 2012 garantiert.

Montezemolo froh über Mosleys Schritt

Damit ist die Androhung einer eigenen Rennserie (Teams planen Konkurrenzserie) zum entscheidenden Schritt im Machtpoker geworden.

"Ich bin sehr glücklich, dass man einen gemeinsamen Nenner gefunden hat", sagte Ecclestone.

Auch Rekord-Weltmeister Michael Schumacher begrüßte die Einigung. "Das ist sicherlich die beste Lösung für alle", schreibt Schumacher auf seiner Internetseite: "Nun kann endlich wieder über den Sport geredet werden."

Gleiches betonte auch Montezemolo: "Ich hoffe, dass ich irgendwann das Gleiche tun kann wie Max Mosley und ein bisschen mehr Erholung haben werde."

Für das Verhalten von Mosley fand er Lob: "Er hat gut zur Lösung beigetragen. Wenn man eine Einigung erreicht hat, muss jeder in gleichem Maße helfen."

Ob der Nachfolger besser gefällt?

Trotz des Triumphes verzichtete der Italiener auf Schadenfreude. "Polemik ist nicht gut für die Formel 1, besonders nicht in der Öffentlichkeit. Die Formel 1 ist ein fantastischer Sport, der komplett erneuert und nicht nur geschützt werden muss", sagte er.

"Sie haben die Regeln, die sie haben wollten, und wir die neuen Teams", sagte Mosley. "Die Teams werden mich im Oktober los, und sie werden dann noch da sein. Ob die Person, die mir nachfolgen wird, ihnen besser gefällt, werden wir dann sehen", sagte der 69-Jährige, der noch am Dienstag angekündigt hatte, noch einmal zur Wiederwahl antreten zu wollen.

Stattdessen wird der wegen zahlreicher Alleingänge in den letzten Jahren umstrittene Mosley bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt in Formel-1-Fragen von FIA-Senatspräsident Michel Boeri vertreten.

Offizielle Entry List publik

"Das ist ein großartiger Erfolg für die Formel 1, die Zuschauer, die Medien, die Teams und alle Aktiven. Ohne die Konfrontationen der letzten Monate wird unser Sport noch viel besser werden", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Jetzt passiert, was sich alle Zuschauer so sehr wünschen wie wir - nur der Wettbewerb auf der Strecke steht im Mittelpunkt."

Am Nachmittag bestätigte die FIA offiziell die Einigung und gab die endgültige Starterliste für 2010, bestehend aus den aktuellen zehn Teams sowie den drei Neulingen Campos, Manor und USF1, bekannt.

"Es wird keine alternative Serie oder Meisterschaft geben und die Regeln für 2010 werden die von 2009 sein", schrieb der Weltverband.

Starthilfe für die Neuen

Die geplanten Kostensenkungen gehen zurück auf die Vorschläge, die die FOTA am 5. März in Genf vorgestellt hatte. Mit Beschränkungen unter anderem von Motoren und weiteren Bauteilen würden damit gegenüber 2008 Einsparungen von 50 Prozent erreicht. Außerdem haben die aktuellen Teams den drei Neueinsteigern technische Unterstützung zugesagt.

Über die kommerziellen Rahmenbedingungen bis 2012 wurde ebenfalls Einigung erzielt mit einer Vereinbarung, vor Ablauf dieser Zeit über eine Verlängerung zu verhandeln.

Zudem wird es eine Neuauflage des Concorde Agreements von 1998 geben, in dem die FOTA die FIA als Aufsichtsbehörde akzeptiert. Im Gegenzug wird die FOTA vom Verband als gleichberechtigter Verhandlungspartner anerkannt.

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