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Das vorerst letzte Rennen am Hockenheimring ging im Juli 2008 über die Bühne © imago

Der Gemeinderat zieht sich wegen der wachsenden Verluste aus der Formel 1 zurück. Eine letzte Hoffnung schimmert noch.

Hockenheim/Neuss - Die Stadt Hockenheim zieht sich aus der Formel 1 zurück, lässt den Fans aber noch ein Fünkchen Hoffnung auf eine Rettung des Rennens 2010.

Allerdings könnte wohl nur noch Bernie Ecclestone persönlich dem Hockenheimring die Königsklasse erhalten, wenn er selbst als Vermarkter einspringt. Die Stadt will diese Rolle auf jeden Fall abgeben.

"Unser Kontakt zu Bernie Ecclestone ist recht eng, ungeachtet der aktuellen Situation in der Formel 1", sagte Oberbürgermeister Dieter Gummer mit Blick auf die wochenlangen Diskussionen um eine drohende Spaltung der Königsklasse, die erst am Mittwochmorgen durch eine Einigung zwischen der Teamvereinigung FOTA und dem Automobil-Weltverband FIA abgewendet wurde. (Spaltung vom Tisch - Mosley hat genug)

"Einen Tag zum Durchatmen"

Wegen dieses Streits hatte Ecclestone am Mittwoch an der Sitzung des World Motor Sport Council der FIA in Paris teilgenommen.

Danach will Hockenheim dem 78 Jahre alten Briten mal "einen Tag zum Durchatmen" lassen, betonte Gummer. "Wir werden unsere Gespräche aber in Kürze fortführen, das ist auch im Sinne von Bernie Ecclestone", sagte Gummer.

Auch Hockenheimring-Geschäftsführer Georg Seiler hofft noch auf den Formel-1-Macher. "Ob Ecclestone selbst, ein anderer Vermarkter oder vielleicht auch wir selbst - alles ist denkbar", sagte Seiler.

Einstimmiger Beschluss zum Ausstieg

"Wichtig ist allerdings, dass weder die Stadt noch die Hockenheimring GmbH wirtschaftliche Risiken eingehen. Bernie Ecclestone ist allerdings schon daran interessiert, aufgrund der langjährigen Freundschaft gemeinsam eine Basis zu finden", ergänzte Seiler.

Der Gemeinderat der Stadt Hockenheim, die zu 94 Prozent an der Hockenheimring GmbH und damit auch allen auftretenden Verlusten beteiligt ist, beschloss am späten Dienstagabend einstimmig, den "Ausstieg aus dem Vertrag zur Formel 1 auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg zu vereinbaren".

"Die Stadt Hockenheim wollte aus der Promoter-Rolle raus, die Formel 1 kann aber dennoch erhalten bleiben, weil gemeinsam mit Bernie Ecclestone versucht wird, eine Lösung zu finden", sagte Gummer und stellte in Aussicht, zumindest die Strecke zur Verfügung zu stellen.

Kritik an Oettinger

Die 20.000-Einwohner-Stadt befürchtete mit der vertragsgemäßen Austragung des Rennens 2010 einen Verlust von mindestens sechs Millionen Euro.

"Wir mussten die Stadt aus dem Risiko rausnehmen, weil es eher noch mehr als sechs Millionen werden könnten. Wir hätten diese Summe komplett mit Krediten finanzieren müssen", sagte Gummer.

Aus bislang 15 Millionen Euro Schulden der Stadt würden so "mehr als 20 Millionen", rechnete der OB vor: "Das würde uns in eine wesentlich stärkere Verschuldung treiben, dabei streben wir eigentlich eine Entschuldung an."

Kritik gab es an Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger. (Oettinger macht Hockenheim Hoffnung) Ein am 20. Mai bei einem Spitzentreffen im Staatsministerium in Stuttgart vereinbartes Treffen von Oettinger mit Ecclestone ist laut Gummer "bislang nicht zustandegekommen". "Deshalb ist uns die Zeit davongelaufen", sagte er. (Entscheidendes Treffen für Hockenheim)

Auch Seiler ist enttäuscht

Seiler zeigte sich "enttäuscht, dass dieses Gespräch bislang nicht stattgefunden hat", hat Unterstützung aus Stuttgart aber noch nicht abgeschrieben:

"Ich hoffe, dass sich die Landesregierung für den Verbleib des Rennens interessiert. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber erstmal sind wir selbst gefordert, unabhängig vom Land die Gespräche mit Ecclestone fortzusetzen."

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