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Auf Kollisionskurs: BMW und Toyota sind beide FOTA-Mitglieder © getty

Der Burgfrieden bröckelt. Angeblich geht es der FOTA nur um die Entmachtung Mosleys. Die FIA spielt auf Zeit, um eine Konkurrenzserie zu torpedieren.

Von Julian Meißner

München - Der Streit um die Zukunft der Formel 1 steht nach dem Eklat vom Nürburgring vor einer erneuten Eskalation (Neuer Formel-1-Krieg droht).

Bei einem Treffen der Arbeitsgruppe Sport am Mittwochabend, an dem erstmals auch die drei neuen Rennställe Campos, Manor und USF1 teilnahmen, war es zu neuerlichen Unstimmigkeiten zwischen dem Automobil-Weltverband FIA und den Mitgliedern der Teamvereinigung FOTA gekommen.

Die FOTA-Vertreter verließen aufgebracht den Saal.

Zuvor hatte FIA-Rennleiter Charlie Whiting den acht Teamchefs erklärt, dass sie "entgegen vorheriger Vereinbarungen momentan nicht für die Formel-1-WM 2010 eingeschrieben seien und daher kein Stimmrecht bezüglich technischer und sportlicher Regularien hätten", wie es in einer FOTA-Pressemitteilung heißt.

FIA wehrt sich

Am Donnerstag reagierte der Weltverband.

In einer Pressemitteilung betonte die FIA noch einmal, dass ihr Präsident Max Mosley sich vor dem Treffen in mehreren Schreiben an die Teams gewandt habe, um deutlich zu machen, dass Regeländerungen nur dann möglich seien, wenn sich alle Teams über die Details einig wären.

Dass die FOTA hiervon nicht gewusst haben soll, sei "schlicht unwahr".

Rosberg: "Ein Scherbenhaufen"

Die Gegenseite erhob einmal mehr Vorwürfe gegen Mosley. "Auszusprechen, dass die neuen Teams über die neuen Regeln bestimmen, war extrem provokativ", zitiert der britische "Guardian" einen Team-Insider: "Die meisten von uns denken, sie sollten dabei nicht mitreden."

"Es ist ungeheuerlich, dass die neuen Teams, die noch nie in der Formel 1 gefahren sind, das Reglement machen sollen, und die acht wichtigsten Teams nicht. Ich verstehe vollkommen, dass sie aus der Sitzung rausgegangen sind. Ich weiß nicht, was die FIA damit erreichen will. Für mich liegt da jetzt ein Scherbenhaufen", sagte der ehemalige Weltmeister Keke Rosberg.

Erst Ende Juni hatte man sich nach zähem Ringen und der immer wieder erneuerten Drohkulisse einer Konkurrenzserie auf einen Kompromiss geeinigt, dessen Details nun hätten ausgehandelt werden sollen.

Mosley der Streitpunkt

Immer deutlicher wird, dass den in der FOTA vereinigten Teams vor allem der mächtige Mosley ein Dorn im Auge ist (Mosley: Fehler, auf meinem Grab zu tanzen).

"Hier geht es nicht um Reglements. Die FOTA will Mosley loswerden", zitiert die "Auto, Motor und Sport" einen FIA-Vertreter: "Deshalb suchen sie jede Gelegenheit für ein Störmanöver."

Nach Informationen des Fachblattes soll am Freitag die Frist ablaufen, bis zu der eine Konkurrenzserie ins Rollen kommen müsste.

Danach werde die Zeit für die Organisation zu knapp 120774(DIASHOW: Hier will die New Formula starten). Während am Nürburgring der Deutschand-GP vor der Tür steht, finden nun weitere Gespräche statt.

FIA spielt auf Zeit

Der Weltverband spielt seinerseits auf Zeit, wohl wissend, wie knapp bemessen der Spielraum der FOTA für ihre Piratenliga ist.

Den von der FOTA vorgelegten 350-seitigen Vertragsentwurf haben die FIA-Anwälte mittlerweile geprüft. Dadurch könnte die endgültige Version bald zur Unterschrift freigegeben werden.

Laut FIA sei das Concorde Agreement die Voraussetzung dafür, dass unter anderem der im Kompromiss vereinbarte Verzicht auf die Budget-Obergrenze von 45 Millionen Euro verabschiedet werden könne.

Endlich Eintracht?

Die neue "Verfassung" soll den Machtkampf endgültig beenden. Laut FIA könnte das neue Concorde Agreement in "den nächsten Tagen" verabschiedet werden.

"Sobald es unterschrieben ist, können die Teams aufgrund der vertraglichen Bindung nicht mehr mit einer eigenen Serie drohen", heißt es in dem FIA-Statement vom Donnerstag.

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