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Motorsportdirektor Mario Theissen (2.v.r.) mit seinen Kollegen am Kommandostand © imago

Die Blau-Weißen sorgen mit ihrem überraschenden Rückzug für einen Paukenschlag. Die schwache Saison ist nicht ausschlaggebend.

München - Für BMW schalten die Ampeln in der Formel 1 am Saisonende auf Rot: Der Münchner Automobilhersteller BMW steigt Ende 2009 überraschend aus der "Königsklasse" aus (SERVICE: Rennkalender und Kurse).

"Natürlich ist uns dieser Entschluss schwer gefallen. Aber es ist ein konsequenter Schritt vor dem Hintergrund der strategischen Neuausrichtung unseres Unternehmens", sagte Vorstandschef Norbert Reithofer auf einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz: "Wir werden aber weiter aktiv Motorsport betreiben."

Der Entschluss war erst am Dienstagabend im BMW-Vorstand gefallen.

Schwachen Leistungen spielen keine Rolle

In diesen Bereichen "bündeln wir unsere fachlichen und finanziellen Ressourcen", sagte Reithofer: "Premium wird immer stärker auch über Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit definiert. Wir wollen hier eine Vorbildrolle einnehmen. Unser Engagement in der Formel 1 entspricht dabei nicht mehr unserer Hauptzielrichtung."

Laut Aussage des BMW-Chefs hätten "die wirtschaftliche Entwicklung der letzten 12 Monate keine Rolle gespielt, ebenso wenig die Performance in dieser Saison".

"Es ist völlig klar, dass wir beweisen wollen, dass dieses Jahr nur ein Ausrutscher ist. Natürlich bin ich persönlich sehr enttäuscht, wie alle Mitarbeiter auch", sagte Motorsportdirektor Mario Theissen, der dieses "ambitionierte Projekt gerne weitergeführt" hätte: "Aus Sicht des Unternehmens kann ich diese Entscheidung aber nachvollziehen."

Concorde Agreement steht an

Dass die Entscheidung in dieser Woche fiel, ist nicht überraschend, da die Unterschrift unter ein neues Concorde Agreement für die Formel 1 bis 2012 unmittelbar bevorsteht. `Wir wollten uns aber nicht für drei Jahre binden", sagte Reithofer.

Theissen erklärte, dass er nicht den Eindruck habe, "dass ähnliche Entscheidungen bei anderen Unternehmen anstehen".

Besonders bei Toyota war zuletzt über einen Ausstieg spekuliert worden, was die Japaner jedoch zurückweisen. `Durch die Kostensenkungen werden wir unser Formel-1-Engagement fortführen. Unsere Situation bleibt unverändert. Das wurde uns aus Japan mitgeteilt", sagte eine Toyota-Sprecherin.

Bedauern über BMW-Ausstieg

Ein Mercedes-Motorsport-Sprecher sagte: "Wir bedauern den Formel-1-Ausstieg von BMW. Diese Entscheidung hat keinerlei Einfluss auf unser Formel-1-Engagement."

Der Automobil-Weltverband FIA "bedauert die Ankündigung des Rückzuges, ist davon aber nicht überrascht. Es war schon seit einiger Zeit klar, dass der Motorsport die weltweite Wirtschaftskrise nicht ignorieren kann".

DTM noch nicht spruchreif

BMW will sich jetzt mit "erhobenem Haupt" (Entwicklungsvorstand Klaus Draeger) aus der Formel 1 verabschieden. Alle geplanten Weiterentwicklungen für diese Saison würden weiter umgesetzt, meinte Theissen, dessen Mannschaft sich danach auf andere Projekte konzentrieren muss.

Die Engagements in der Tourenwagen-WM, der Formel BMW, der American Le Mans Series und im Kundensport werden ebenso weitergeführt wie das Superbike-Programm der Motorrad-Abteilung.

Über eine mögliche Rückkehr in die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft meinte Theissen: "Wir können uns auch andere Engagements vorstellen, die im Moment nicht spruchreif sind."

Zukunft der Mitarbeiter ungewiss

In welchem Umfang es zu einem Stellenabbau in München (250 Mitarbeiter), Landshut (70) oder in der ehemaligen Sauber-Fabrik in Hinwil/Schweiz (420) kommt, steht noch nicht fest.

"Da wir diese Entscheidung erst gestern getroffen haben, können wir noch nichts Genaueres mitteilen. Wir werden verschiedene Szenarien erarbeiten und bewerten und uns bemühen, für die Mitarbeiter am Standort Hinwil und die in das Formel-1-Projekt eingebundenen Beschäftigten in München Lösungen zu finden", sagte Entwicklungsvorstand Klaus Draeger.

Heidfeld ist überrascht

Die Zukunft der beiden Piloten Nick Heidfeld (Mönchengladbach) und Robert Kubica (Polen) ist ebenfalls unklar.

"Die Entscheidung kommt für mich unerwartet und tut mir speziell für das Team und alle Mitarbeiter, mit denen ich über Jahre hinweg das Projekt aufbauen durfte, sehr leid", schrieb der "Quick Nick" auf seiner Homepage, der sich nun auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber machen muss. "Was meine persönliche Zukunft angeht, so werden wir die Gespräche unter den neuen Voraussetzungen weiter fortführen."

WM-Titel mit Piquet und Brabham

Erstmals war BMW in den 80er Jahren in der "Königsklasse" vertreten. In der Turbo-Ära waren die Münchner von 1982 bis 1987 als Motorenlieferant von Brabham, Arrows und Benetton tätig.

Neben insgesamt neun Siegen feierten die Münchner 1983 auch den ersten WM-Titel eines Turbo-Autos durch den Brasilianer Nelson Piquet.

Rückkehr mit Williams

2000 kehrte BMW als Motorenlieferant von Williams in die Formel 1 zurück und feierte mit den Briten insgesamt 10 Siege. Das große Ziel, den WM-Titel zu holen, blieb aber unerfüllt.

Nicht zuletzt wegen der Probleme bei der Zusammenarbeit zwischen München und England entschied man sich, dieses Ziel in eigener Regie anzugehen.

Hinter den Zielen zurück

2005 kaufte BMW für rund 80 Millionen Euro das Schweizer Sauber-Team und war ab 2006 als eigenständiges Team BMW-Sauber in der Formel 1 unterwegs. Nach ständigen Verbesserungen gelang im vorigen Jahr durch Kubica in Kanada der erste, bislang aber einzige Sieg.

In dieser Saison fahren die Weiß-Blauen, immerhin Dritter der Konstrukteurs-WM 2008, aber den eigenen Zielen hinterher. Mit lediglich acht Punkten belegt der Rennstall nur den drittletzten Platz der WM-Wertung anstatt wie geplant um den Titel zu fahren (DATENCENTER: WM-Stand Teams).

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