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Nick Heidfeld muss sich nach dem BMW-Ausstieg einen neuen © getty

Für BMW-Pilot Nick Heidfeld kommt der Rückzug seines Teams unerwartet. Die FIA kennt bereits einen Schuldigen.

München - Nick Heidfeld ist von der Ausstiegs-Ankündigung seines Teams BMW-Sauber überrascht worden. (BMW steigt aus)

"Die Entscheidung kommt für mich unerwartet und tut mir speziell für das Team und alle Mitarbeiter, mit denen ich über Jahre hinweg das Projekt aufbauen durfte, sehr leid", schrieb der Mönchengladbacher auf seiner Homepage.

"Was meine persönliche Zukunft angeht, so werden wir die Gespräche unter den neuen Voraussetzungen weiter fortführen", sagte Heidfeld zur bevorstehenden Suche nach einem neuen Arbeitgeber.

Heidfeld verspricht Einsatz bis zum Schluss

Der 32-Jährige versprach, bis zum Saisonende mit vollem Einsatz fahren zu wollen. "Ich werde weiterhin mein Ziel, das Maximum in der Formel 1 zu erreichen, nicht aus den Augen verlieren und die Mannschaft so gut ich kann unterstützen, um die Saison bestmöglich abzuschließen", so Heidfeld, der seit Teamgründung 2006 für BMW-Sauber fuhr.

Die Ausstiegsankündigung von BMW aus der Formel 1 hat den Automobil-Weltverband FIA nicht unerwartet getroffen.

"Die FIA bedauert die Ankündigung des Rückzuges, ist davon aber nicht überrascht", hieß es in einer offiziellen Mitteilung: "Es war schon seit einiger Zeit klar, dass der Motorsport die weltweite Wirtschaftskrise nicht ignorieren kann."

Schuldzuweisungen von der FIA

Zudem trat die FIA nach dem wochenlangen Machtkampf noch einmal gegen die Teamvereinigung FOTA nach. "Wenn die Regelungen zur Kostenreduzierungen von einigen Teamchefs nicht so stark bekämpft worden wären, hätten der Rückzug von BMW und weitere Ankündigungen dieser Art in der Zukunft verhindert werden können", hieß es in dem Schreiben.

"Es ist kein Geheimnis, dass die Maßnahmen nicht so weit gehen, wie die FIA es gewünscht hätte, doch ein Kompromiss war im Interesse der Harmonie des Sports wichtig. Hoffentlich wird er ausreichen, um weitere Ausstiege zu verhindern", so der Wunsch des Verbandes.

Toyota und Mercedes wollen bleiben

Toyota und Mercedes, um die sich ebenfalls Ausstiegsgerüchte gab, scheinen diesem Wunsch nachzukommen.

"Durch die Kostensenkungen werden wir unser Formel-1-Engagement fortführen. Unsere Situation bleibt unverändert. Das wurde uns aus Japan mitgeteilt", sagte eine Toyota-Sprecherin , nachdem es vor allem um den japanischen Hersteller zuletzt immer wieder Ausstiegsgerüchte gegeben hatte.

Ein Mercedes-Motorsport-Sprecher teilte mit: "Wir bedauern den Formel-1-Ausstieg von BMW. Diese Entscheidung hat keinerlei Einfluss auf unser Formel-1-Engagement."

Für Ende dieser Woche ist die Unterschrift unter ein neues Concorde Agreement für die Formel 1 vorgesehen. Unterschreibende Hersteller und Teams verpflichten sich darin, bis 2012 in der Königsklasse zu bleiben.

Surer: Strategiewechsel nur ein Vorwand

Für den früheren Formel-1-Piloten Marc Surer hat der BMW-Abschied dagegen einen "fahlen Beigeschmack". "Ich bin überrascht von der Entscheidung meines früheren Arbeitgebers", sagte der heutige TV-Experte bei Sky: "Dass man jetzt - nach so wenigen Jahren mit diesem Team - schon aufgibt, hinterlässt für mich einen fahlen Beigeschmack."

Anfang der 90er-Jahre war Surer als Fahrertrainer und Rennleiter für BMW in der DTM und der STW-Serie aktiv.(SERVICE: Rennkalender und Kurse)

Die offizielle Begründung - "ein Strategiewechsel innerhalb des Unternehmens, das künftig das Hauptaugenmerk auf neue Antriebstechnologien und Nachhaltigkeit legen will" - ist für Surer nur ein Vorwand.

"Auch wenn heute andere Gründe genannt wurden, habe ich den Eindruck, dass doch die aktuell schlechten Ergebnisse den Ausschlag für den Rückzug gegeben haben", sagte der Schweizer.

Danner: "Nicht besonders clever"

Auch der frühere Rennfahrer und heutige TV-Experte Christian Danner kritisiert den BMW-Ausstieg.

"Es ist auf jeden Fall blamabel. In einer Zeit der völligen Erfolglosigkeit den Schwanz einzuziehen, ist nicht besonders clever", sagte der RTL-Experte: "Das ist dann genau immer das Problem, das FIA-Präsident Max Mosley an die Wand gemalt hat. Hersteller sind halt so, es ist ihr gutes Recht zu sagen: Wir wollen nicht mehr."

Um die Piloten Nick Heidfeld oder Robert Kubica müsse man sich keine Sorgen machen. "Heidfeld wird eventuell was kriegen, eventuell auch nix", meinte Danner: "Da muss ich aber klar sagen: Das ist die geringste Sorge. Interessanter ist, dass das Team weiter bestehen muss, denn die Formel 1 kann sich den Verlust eines Teams nicht leisten."

Danner setzt auf Peter Sauber

Als große Hoffnung sieht Danner hier den als Berater fungierenden Peter Sauber.

"Das BMW-Formel-1-Team war ja mal das Sauber-Team aus der Schweiz. Und es wird sich zeigen, ob das vielleicht einfach wieder von BWM zurück zu Sauber geht", meinte er.

"Den Peter Sauber gibt es ja immer noch. Er ist nach wie vor 20-prozentiger Teilhaber. Mal schauen, wie sich das entwickelt. Ich gehe davon aus, dass man eine gute Lösung findet", zeigt sich Danner optimistisch.

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