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Giancarlo Fisichella holte in Spa an seinem 224. GP-Wochenende seine 4. Pole Position © imago

Force India ist die Sensation des Wochenendes. Sport1.de analysiert mit Experte Jacques Schulz den Erfolg Giancarlo Fisichellas.

Von Julian Meißner

München - Force India auf dem Podium. Zu Saisonbeginn hatte sich das Teamchef Vijay Mallya wohl in seinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt.

Giancarlo Fisichella hat mit seiner Pole Position und dann Platz zwei im Rennen von Spa für einen echten Paukenschlag in der Formel 1 gesorgt 146029(DIASHOW: Bilder des Rennens).

"Diese Überraschung hat natürlich alle vom Hocker gehauen", sagt auch Formel-1-Experte und "Sky"-Kommentator Jacques Schulz im Gespräch mit Sport1.de: "Das war ein Märchen, wie es die Formel 1 nur selten schreibt."

Fisichella, der heißer denn je für das zweite Ferrari-Cockpit des unterlegenen Luca Badoer gehandelt wird, trauerte nach einem furiosen Rennen sogar dem verpassten Sieg nach.

Nächster Angriff in Monza

Und die Crew um Fisichellas deutschen Teamkollegen Adrian Sutil will sich keineswegs auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern schon beim nächsten Rennen in Monza wieder eine gewichtige Rolle spielen.

"Warum nicht?", antwortete Mallya auf die Frage, ob sein Team beim nächsten Grand Prix erneut so stark sein würde: "Wir wissen, dass das Auto schnell ist, extrem schnell, würde ich sogar sagen."

Die Hoffnung des milliardenschweren Unternehmers fußt auf klaren Parametern: "Die Sektoren-Zeiten zeigen das. Außerdem denke ich, dass die Strecke in Monza uns entgegenkommt."

Mercedes-Power im Heck

Auf dem letzten verbliebenen Hochgeschwindigkeitskurs des Rennkalenders in der Lombardei profitieren die Boliden mehr als auf anderen Strecken von der Power des Mercedes-Motors im Heck.

Schulz erklärt: "Der Mercedes-Motor ist für mich unzweifelhaft der beste, was Verbrauch, Spitzenleistung und Fahrbarkeit angeht. Und Mercedes liefert schließlich auch das Getriebe mit - im Gegensatz zum Vorjahr, als Force India ein eigenes Getriebe für den Ferrari-Motor entwickeln musste."

"Mit Abstand das schnellste Auto"

In Spa hätte Fisichella den späteren Sieger, Kimi Räikkönen im Ferrari, überholen können, hätte dieser nicht die ca. 80 Zusatz-PS des KERS-Boosts zur Verfügung gehabt.

"Wir sahen Spitzenwerte um 327 km/h, damit war der Force India ohne Windschatten das mit Abstand schnellste Auto", bestätigt Schulz. In Monza erreichen die Renner, ebenfalls bei geringem Abtrieb, Spitzengeschwindigkeiten jenseits der 340 Stundenkilometer.

Kurswechsel hinter den Kulissen

Dafür muss selbstverständlich auch die Aerodynamik stimmen. "Sie haben ein Chassis gebaut, was vordergründig eine sehr gute Substanz hatte und jetzt unter Low-Downforce-Konfiguration, also auf einer Bahn, auf der es auf Top-Speed ankommt, hervorragend funktioniert", sagt Schulz. Er prophezeit: "Das dürfte in Monza nicht anders sein."

Auch wenn die Formkurve des Spyker-Midland-Jordan-Nachfolgeteams im Saisonverlauf konstant nach oben ging, ist der in Spa gezeigte Leistungssprung doch überraschend und nicht nur durch das dritte Update der Saison in Valencia zu erklären.

Ein langfristiger Kurswechsel hinter den Kulissen macht sich nun positiv bemerkbar.

Schulz: "Force India ist durch verschiedene Hände gegangen und hatte viele politische Wirren zu überstehen. Und mittlerweile hat man sich von einem zentralen, technischen Denken verabschiedet, das Mike Gascoyne eingeführt hatte."

Markige Worte des Teammanagers

Schulz sagt: "Hier haben findige Ingenieure mit einem nicht allzu großen Budget eine gute Entwicklung betrieben. Die Kompetenz dieser englischen Ingenieure zeigte sich nun in Spa."

Der Optimismus in der britisch geprägten Mannschaft ist jedenfalls riesig.

Teammanager Andy Stevenson sagte der "BBC": "Von nun an wird man uns bei jedem Rennen um die Spitze fahren sehen. Das war kein Glücksfall. Das war lediglich ein schnelles Rennfahrzeug mit schnellen Fahrern."

Sutil im Schatten

In die Karten spielt Force India, dass das Feld in der laufenden Saison extrem eng beieinander ist. Schulz: "2009 fahren teilweise 18 Autos innerhalb einer Sekunde. Wenn man dann den Nagel auf den Kopf trifft, zeigt sich das natürlich deutlich."

Vielleicht kann in Monza ja auch Adrian Sutil von der Aufbruchsstimmung profitieren. Dessen elfter Platz ging in Spa im allgemeinen Jubelrausch völlig unter.

Noch vor einem Jahr wäre er wohl wie ein Sieg, zumindest wie ein zweiter Platz gefeiert worden.

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