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Bernie Ecclestone war in den 70ern Manager des Deutschen Jochen Rindt © getty

Hat Renault 2008 in Singapur betrogen? Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone macht sich große Sorgen und befürchtet das Schlimmste.

Von Marc Ellerich

München - Der Vorwurf ist gravierend, und sollte er sich bewahrheiten, würde er der krisengeplagten Formel 1 den nächsten Skandal bescheren.

Der große Zampano Bernie Ecclestone ist jedenfalls tief besorgt über die jüngsten Gerüchte, wonach Renault im vergangenen Jahr beim Nachtrennen in Singapur den Crash seines damaligen Piloten Nelson Piquet provoziert haben soll, um so dem Vorzeigefahrer Fernando Alonso den Sieg zu ermöglichen (Manipulation? Renault droht Ärger).

Anonyme Quelle

Der brasilianische Sender "O Globo" berichtete unter Verweis auf eine anonyme Quelle, Piquet habe seinen Boliden seinerzeit absichtlich in die Leitplanke gelenkt.

Für Ecclestone sind derlei Anschuldigen, so unbewiesen sie derzeit sind, ein Horroszenario. "Das ist nicht gerade die Geschichte, die wir im Augenblick brauchen, das ist nicht gut für den Sport", wird der oberste Promoter der Königsklasse in der englischen Zeitung "The Times" zitiert: "Das wird Renault zunächst einmal ziemlich verärgern."

Renault-Ausstieg als Szenario

Ecclestone befürchtet, dass es bei den Franzosen nicht nur bei Unmut bleiben wird. Der Brite, der seit über 30 Jahren der obersten PS-Liga vorsteht, sieht die Gefahr, dass das Alonso-Team angesichts der Anschuldigungen endgültig die Reißleine ziehen und der Formel 1 den Rücken kehren könnte. Die Gerüchte um einen Ausstieg des französischen Autobauers reißen bereits seit längerem nicht mehr ab.

"Sicherlich steht die Gefahr im Raum, dass sie den Sport verlassen. Ich kann nur hoffen, dass es sich nicht so verhält", orakelte der mächtige Mann des ohnehin angeschlagenen Motorenzirkels: "Das ist gewiss eines der Szenarien, die eintreten könnten."

Machenschaften einer Wettmafia?

Der Automobil-Weltverband FIA will die Anschuldigungen, die bereits unmittelbar nach der Premiere des asiatischen Flutlicht-Rennens laut wurden, noch einmal detailliert untersuchen.

"Sie wollen die Wahrheit herausfinden", berichtete Ecclestone, der offenbar auch Machenschaften einer internationalen Wettmafia nicht ausschließen wollte und auf vergleichbare Ungereimtheiten im Fußball und Pferdesport verwies.

Die FIA wolle - angesichts solcher Szenarien - der Wahrheit auf den Grund gehen. "Sie wären wohl ziemlich aufgebracht, wenn sie herausfinden, dass es wahr ist, was die Leute spekulieren."

"Was kommt als nächstes?"

Dennoch kann sich das greise Oberhaupt der Königsklasse nur schwer vorstellen, wie sich die Anschuldigungen erhärten lassen sollen.

"Wenn nicht jemand über Funk durchgesagt hat: 'Bitte bau in der nächsten Runde einen Crash', dann weiß ich nicht, welche Beweise man finden kann", so Ecclestone. Renaults Rennstall-Boss Flavio Briatore habe ihm jedenfalls mitgeteilt, er wisse nichts von einem mutwilligen Unfall Piquets.

Derzeit bleibt Ecclestone also noch die Hoffnung, dass es sich nicht um handfesten Betrug sondern um üble Nachrede handelt, wie sie in der Formel 1 immer wieder vorkommt.

"Es könnte auch alles nur ein Gerücht sein und Nelson ist einfach nur beleidigt, weil er gefeuert wurde", mutmaßt der Brite und stellt im selben Atemzug die bange Frage: "Was kommt wohl als nächstes?".

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