Ferraris neuer Ersatzmann wird schon vor seinem ersten Einsatz im F60 gefeiert. Die Tickets für Monza finden reißenden Absatz.

Maranello - Ferrari, Monza und 150.000 Tifosi: Ganz Italien liegt Glückspilz Giancarlo Fisichella bereits zu Füßen und feiert den neuen Ersatz-Ersatzmann.

"Vorwärts Fisichella! Der Römer hat den Auftrag, die schwierige Saison von Ferrari zu retten. Mit 36 Jahren hat er die Chance seines Lebens", kommentierte der "Corriere dello Sport" den fliegenden Fahrerwechsel bei der ruhmreichen Scuderia vor dem Formel-1-Heimrennen am 13. September in Monza.

Nach dem ersten Saisonsieg durch Kimi Räikkönen in Spa und die italienische Variante für Monza reißen sich nun die rennverrückten Ferraristi um die Tickets.

Knapp 150.000 Zuschauer werden erwartet, so viel wie seit Jahren nicht mehr.

Auch Michael Schumacher wird kommen und vor Ort die Daumen drücken, obwohl sein "Fahrschüler" Luca Badoer den Test nicht bestanden hat.

Tifosi begeistert

Fisichella hat bei den Tifosi auch wesentlich mehr Kredit als der von Anfang an nicht sonderlich geliebte Badoer.

"Italienisches Rot für Ferrari", titelte die "Gazzetta dello Sport". "La Repubblica" urteilte ähnlich: "Fisichella im Ferrari, jetzt ist Maranello noch italienischer. Der Römer hat es geschafft, und er ist für Ferrari eine Garantie."

Teamchef Stefano Domenicali reagierte erleichtert: "Wir sind hinzu stolz, einen italienischen Piloten beim Heimrennen einsetzen zu können."

"Fast alle sind glücklich"

"La Stampa" brachte die Stimmung auf den Punkt: "Am Ende sind fast alle glücklich und zufrieden. Ferrari hat einen erfahrenen und schnellen Piloten, und Giancarlo Fisichella hat Ferrari."

Nun könne es in Monza sogar einen Zuschauerrekord geben, schrieb die Zeitung weiter. Der einzig Unzufriedene sei Luca Badoer, doch das habe er sich selbst zuzuschreiben: "Er ist zur Witzfigur geworden."

Ende einer aufregenden Woche

Als Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo seinen neuen Piloten anrief und grünes Licht für die Roten gab, ging für Fisichella eine aufregende Woche zu Ende. Erst der zweite Platz für Force India in Spa, dann die Beförderung in den Ferrari.

"Ich kann es noch nicht fassen, dass sich der Traum meines Lebens verwirklicht hat. Ich will Ferrari und Luca di Montezemolo danken. In den vergangenen Tagen sind mir unglaubliche Dinge passiert", sagte Fisichella.

Plan B in der Schublade

Fisichella wird die restlichen fünf Rennen für Ferrari fahren und nach dem WM-Finale in Abu Dhabi seine Karriere beenden. Danach soll er nur noch als Ersatzfahrer für den Traditionsrennstall aus Maranello arbeiten.

Das jedenfalls sieht Plan A vor, doch Plan B liegt ebenfalls in der Schublade. Sollte der verletzte Stammpilot Felipe Massa nicht mehr zurückkehren, müsste "Fisico" wohl als Notlösung noch ein Jahr dranhängen.

Alonso im Anmarsch

Fisichella würde dann wahrscheinlich in der kommenden Saison auf einen alten Bekannten treffen. Es gilt als sicher, dass der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso den Finnen Kimi Räikkönen ablöst. Mit dem Spanier hat der neue Ferrari-Pilot 2005 und 2006 bereits bei Renault erfolgreich ein Team gebildet.

Montezemolo hält viel von Fisichella. "Ich habe ihn gewählt, weil er es verdient. Giancarlo ist ein Experte und in guter Form. Ich wollte einen italienischen Piloten für Monza haben", sagte der Ferrari-Boss.

Fisichella will dieses Vertrauen zurückzahlen: "Ich werde das Beste leisten, um der Scuderia für die große Chance zu danken, die sie mir gegeben hat."

Mitgefühl für Badoer

Fisichella zeigte auch Mitgefühl mit dem degradierten Luca Badoer, der bei seinen beiden Einsätzen im Ferrari in Valencia und Spa jeweils nur als Letzter ins Ziel gekommen war: "Es tut mir für ihn sehr leid. Ich weiß, dass er großen Wert darauf legte, in Monza für Ferrari zu fahren. Für einen italienischen Piloten ist es das Höchste, einen Ferrari vor unseren Tifosi zu fahren."

Fisichella kennt zumindest das Gefühl, in der "Roten Göttin" zu sitzen. Im 27. September 1995 durfte er als einer von vier jungen Italienern in Fiorano einen 412 T2 testen. Die anderen Talente damals waren Badoer, Pierluigi Martini und Gianni Morbidelli.

Historische Chance

Der letzte Italiener, der das Heimrennen in Monza im Ferrari bestritten hat, war Ivan Capelli 1992. Er schied damals aber aus.

Der letzte Ferrari-Triumph eines Italieners in Monza liegt bereits 43 Jahre zurück: Am 4. September 1966 siegte ein gewisser Ludovico Scarfiotti. Zuvor war dieses Kunststück nur dem legendären Alberto Ascari 1951 und 1952 gelungen.

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