Flucht nach vorne? Englischen Medienberichten zufolge streben die Schwaben eine Teilübernahme des WM-Spitzenreiters an.

Von Julian Meißner

München - Während sich die krisengeschüttelte Automobilindustrie peu a peu aus der Königsklasse verabschiedet, tritt Mercedes-Benz die Flucht nach vorne an.

Der Konzern steht offenbar vor einer Teilübernahme des Teams Brawn GP. Das zumindest berichtet die britische Zeitung "Daily Telegraph" am Montag.

Demnach arbeitet der schwäbische Hersteller, der bereits 40 Prozent an McLaren hält, an einem weiteren starken Standbein in der Formel 1.

Nach Informationen des Fachmagazins "Autosport" sind die Verhandlungen weit fortgeschritten.

Totale Übernahme ausgeschlossen

Der "Telegraph" zitiert einen Mercedes-Sprecher: "Wir kommentieren keine Gerüchte und möchten darauf hinweisen, dass wir langfristige Verträge mit McLaren haben."

Eine totale Übernahme des Brawn-Teams schloss er laut "Telegraph" aus.

Mit einer Beteiligung an Brawn würde Mercedes klar gegen den Trend unter den großen Automobilherstellern agieren (SERVICE: Rennkalender und Kurse).

Abkehr von McLaren erwogen?

BMW verkündete im August seinen Ausstieg aus der Formel 1, Toyota landet wegen des gleichen Themas immer wieder in den Schlagzeilen. Zuletzt fürchtete Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone um die Zukunft des Renault-Teams, das unter Manipulationsverdacht steht.

Mercedes soll zwischenzeitlich sogar erwogen haben, den langjährigen Partner McLaren komplett zu Gunsten des WM-Spitzenreiters fallen zu lassen.

Doch nachdem das sportlich extrem schwierige erste Saisondrittel, das zudem durch Lewis Hamiltons Lügenaffäre geprägt war, ausgestanden ist, scheint dieses Thema vom Tisch zu sein.

Siege im Zeichen des Sterns

Mercedes würde Jenson Button und Rubens Barrichello wohl einfach gerne mit dem Stern auf dem Chassis siegen sehen (DATENCENTER: WM-Stand).

Schon jetzt rüstet man die Briten bereits mit Motoren aus, die Partnerschaft wurde gerade auch für 2010 besiegelt.

Vier Teams mit Mercedes-Motor?

Neben Brawn GP und McLaren sind momentan auch die Force-India-Boliden mit Mercedes-Motoren unterwegs. Zudem verhandelt die schwäbische Schmiede mit Sebastian Vettels Red-Bull-Team über einen Motoren-Deal. Zwar verbietet es das Concorde Agreement eigentlich, mehr als zwei Teams mit Motoren auszurüsten.

Doch Mercedes hat schon 2009 eine Sondererlaubnis bekommen, und es ist unwahrscheinlich, dass die FIA einen weiteren Hersteller vergraulen würde.

Fry voller Zuversicht

Brawn hatte jüngst durchblicken lassen, dass man für die kommende Saison einen neuen starken Partner an der Hand habe, nachdem Richard Bransons Virgin Group sich als Hauptsponsor zurückzieht.

"Wir machen uns null Sorgen über die Finanzen für dieses Jahr, nächstes Jahr und das übernächste Jahr", sagte Teamchef Nick Fry am Rande des Europa-GP in Valencia.

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