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Crashgate: Im September 2008 setzt Nelson Piquet seinen Renault beim Nacht-Grand-Prix in Singapur gegen die Wand. Ein Jahr später kommt heraus: Der Unfall geschah mit voller Absicht, um Alonso zum Sieg zu verhelfen. Im Zuge der Affäre feuert Renault seinen Teammmanager Flavio Briatore und Chefingenieur Pat Symonds, Briatore wird bis 2012 gesperrt
Nelson Piquet ist verdächtig, 2008 in Singapur absichtlich in die Mauer gefahren zu sein © imago

Dem Renault-Chefingenieur wird für seine Hilfe Straffreiheit zugesichert. Ein Ex-Weltmeister erhebt Vorwürfe gegen Alonso.

München - Im Unfall-Skandal der Formel 1 soll Renault-Chefingenieur Pat Symonds vom Automobil-Weltverband FIA für rückhaltlose Kooperation bei der Aufklärung Straffreiheit zugesichert worden sein.

Das berichtet die "Londoner Times" in ihrer Dienstag-Ausgabe.

Aus für Briatore?

Zudem soll Renault der FIA angeboten haben, Teamchef Flavio Briatore abzlösen und durch Frederic Vasseur zu ersetzen, wie die spanische Zeitung "AS" berichtet.

Bei den Ermittlungen zum Unfall des damaligen Renault-Piloten Nelson Piquet junior beim Singapur-Grand-Prix 2008 hatte Symonds im Rahmen einer ersten Vernehmung durch FIA-Inspektoren die Aussage mit dem Hinweis verweigert, nicht lügen zu wollen. (Star-Detektiv ermittelt gegen Renault)

Anhörung wird verschoben

Piquet jr. hatte gegenüber der FIA behauptet, dass er im Vorjahr in Singapur von Symonds und Teamchef Flavio Briatore angewiesen worden sei, einen Unfall zu provozieren und das Rennen dadurch zugunsten seines Teamkollegen Fernando Alonso zu beeinflussen.

Für seine Aussage ist dem Sohn des dreimaligen Formel-1-Weltmeisters Nelson Piquet senior durch FIA-Präsident Max Mosley ebenfalls Straffreiheit garantiert worden.

Unterdessen ist die Anhörung des Renault-Teams in der Affäre vor dem World Council der FIA in Paris um zwei Tage auf den 23. September (Mittwoch) verschoben worden. Mosley teilte die Verlegung ohne Angabe von Gründen mit.

Der Brite unterstrich allerdings nochmals, dass bislang lediglich die Anschuldigungen gegen Renault zu Protokoll genommen worden seien und deswegen weiter die Unschuldsvermutung zu gelten habe.

"Fernando wusste alles"

Derweil erhebt Nelson Piquet senior, der Vater des "Crashpiloten", schwere Vorwürfe gegen Fernando Alonso. "Fernando wusste alles", wird der frühere Weltmeister von "Sport" zitiert.

"Wenn du auf einem Stadtkurs vom 15. Platz aus losfährst, dann macht es überhaupt keinen Sinn, ohne Benzin an den Start zu gehen."

Und weiter: "Du kannst in diesem Fall maximal drei Autos überholen und nach deinem letzten Boxenstopp bleibst du einfach, wo du bist. Das ist eine sinnlose Strategie."

Folgt man dieser Logik, so müsste Alonso also über die "tatsächliche Strategie" informiert gewesen sein.

Noch kein detailliertes Statement

Der Weltmeister von 2006 streitet erwartungsgemäß alle Vorwürfe ab und hält sich auch sonst mit detaillierten Aussagen zurück.

Beim Rennen in Monza sagte er lediglich: "Ich kann mir das nicht vorstellen. Nach dem Hearing wird sich die Wahrheit herausstellen und dann können wir auch darüber reden."

Konkrete Erkenntnisse wird es wohl erst geben, wenn Renault vor dem World Council der FIA Stellung beziehen muss.

Piquet erneuert Vorwürfe

Piquet junior erneuerte unterdessen seine Vorwürfe. In einem Schreiben an den Automobil-Weltverband FIA belastete er neben Briatore vor allem Symonds.

Zunächst habe ihm Symonds in Anwesenheit von Briatore gefragt, "ob ich eine Safety-Car-Phase verursachen würde", schrieb Piquet in dem Brief.

Kurz darauf sei Symonds erneut auf ihn zugekommen und habe "mit Hilfe einer Streckenkarte angedeutet, wo und wann ich verunfallen sollte, um sicher zu stellen, dass das Safety Car zum Wohle von Herrn Alonso zum Einsatz kommt".

Piquet schwört, "dass die in dieser Aussage dargelegten Fakten wahr sind".

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