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Wegen des Skandal-Rennens in Singapur ist auch Pat Seymonds seinen Job los © getty

Ein vorsätzlicher Crash anno 2008 kostet zwei leitende Männer bei Renaults den Job. Von Mauerknall, Erpressung und Königssturz.

München - Jetzt ist raus: Das Formel-1-Team von Renault hat im Unfall-Skandal betrogen und seinen Fahrer Nelson Piquet junior absichtlich zur Falschaussage gezwungen.

Renault wird für zwei Jahre auf Bewährung gesperrt und Briatore darf gar nicht mehr in der Formel 1 tätig sein.

Doch wie kam es überhaupt dazu und was bezweckten Briatore und Co.? Sport1.de blickt zurück und nennt die Details.

28. September 2008:

Beim Singapur-Grand-Prix fährt Renault-Pilot Nelson Piquet junior in Runde 15 in Kurve 17 unmittelbar nach der Abfahrt seines am Ende siegreichen Renault-Teamkollegen Fernando Alonso von einem Tankstopp in die Mauer und löst damit eine Safety-Car-Phase aus.

03. August 2009:

Piquet junior gibt seine Entlassung durch das Team des Italieners Flavio Briatore wegen Erfolglosigkeit auf seiner Homepage bekannt und wirft seinem bisherigen Chef dabei die Ausübung massiven Drucks vor.

30. August 2009:

Nach dem Großen Preis von Belgien in Spa gibt die FIA bekannt, wegen möglicher Unregelmäßigkeiten bei einem früheren Grand Prix zu ermitteln.

In Brasilien kommen erste Gerüchte über Andeutungen von Piquet junior über die Inszenierung seines Unfalls beim Singapur-Grand-Prix 2008 zugunsten seines damaligen Renault-Teamkollegen Fernando Alonso auf. ("Es wäre dumm, so etwas zu machen")

31. August 2009:

In Brasilien berichtet der TV-Sender "Rede Globo" unter Berufung auf ein Gespräch mit Piquets brasilianischem Ferrari-Kollegen Felipe Massa, dass Piquets Unfall 2008 in Singapur vorsätzlich herbeigeführt worden sei.

01. September 2009:

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone fordert zur Abwendung von Milliardenverlusten für die Königsklasse und zur Verhinderung des Ausstiegs weiterer Teams eine lückenlose Aufklärung der im Raum stehenden Vorwürfe gegen Renault.

04. September 2009:

Die FIA lädt das Renault-Team für den 21. September im Zusammenhang mit dem Unfall-Skandal zu einer Anhörung vor ihren World Motor Sport Council.

Der Vorwurf lautet, das Team habe mit seinem Fahrer Nelson Piquet junior den Plan geschmiedet, einen absichtlichen Unfall herbeizuführen. Ziel sei es gewesen, das Safety Car zum Vorteil des zweiten Fahrers Fernando Alonso auf die Strecke zu holen.

10. September 2009:

Das englische Fachmagazin Autosport berichtet über einen Brief Piquets vom Tag seines letzten Rennens für Renault am 26. Juli an die FIA.

Darin präzisiere er seine Manipulations-Vorwürfe gegen Briatore und Renault-Chefingenieur Pat Symonds zur Planung des späteren Unfalls.

Briatore und Symonds bestätigen lediglich ein Treffen mit Piquet vor dem Singapur-Rennen und bezichtigen vielmehr ihrerseits den Sohn des dreimaligen Weltmeisters Nelson Piquet senior als Urheber des Unfall-Plans.

11. September 2009:

Renault und Briatore geben die Einleitung rechtlicher Schritte gegen Sohn und Vater Piquet in Frankreich wegen falscher Behauptungen und versuchter Erpressung bekannt.

FIA-Präsident Max Mosley sichert Nelson Piquet jr. am Rande des Großen Preises von Italien in Monza Straffreiheit für eine Kooperation mit dem Weltverband in Form von Aussagen mit der "vollen Wahrheit" in der Auseinandersetzung zu.

13. September 2009:

In Monza wird bekannt, dass Symonds bei seiner ersten Vernehmung durch FIA-Ermittler die Aussage mit dem Hinweis verweigert haben soll, "nicht lügen" zu wollen.

15. September:

Die Londoner Zeitung "The Times" berichtet über ein FIA-Angebot für Symonds über Straffreiheit für eine Kooperation mit dem Verband.

Aus Piquets Brief an die FIA werden Details mit Hinweisen auf die Planung der Unfall-Inszenierung bekannt.

16. September:

Renault teilt mit, dass der Rennstall die erhobenen Manipulationsvorwürfe bei der bevorstehenden Anhörung vor dem Automobil-Weltverband FIA "nicht bestreiten" wird und Teamchef Briatore sowie Symonds das Team verlassen haben.

21. September:

Renault wird vom World Council der FIA lebenslang gesperrt, allerdings wird die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Sollten sich die Franzosen in den kommenden beiden Jahren eines ähnlichen Vergehens schuldig machen, werden sie lebenslang aus der Formel 1 ausgeschlossen.

Dagegen wird Ex-Teamchef Flavio Briatore ab sofort lebenslang aus allen FIA-Rennserien verbannt. Der 59-Jährige darf auch nicht mehr als Manager für Formel-1-Fahrer auftreten.

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