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Fröhliche Betrüger: Ausgelassen feiert das Renault-Team den Sieg 2008 in Singapur © getty

Die Reaktionen nach dem Briatore-Rauswurf und Renaults Schuldeingeständnis in der Unfall-Affäre von Singapur sind verheerend.

München - Die Formel 1 hat mit Erleichterung auf den Abgang von Renault-Teamchef Flavio Briatore reagiert.

Gleichzeitig wurden Forderungen nach Reformen und neuen Strukturen laut, damit sich ein Horror-Szenario wie die Unfall-Affäre von Singapur im September 2008 nicht mehr wiederholen kann.

"Das einzig Richtige"

"Renault hat das einzig Richtige getan", sagte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Dennoch müsse sich Renault am kommenden Montag, 21. September, in einer Anhörung vor dem Automobil-Weltverband FIA in Paris verantworten: "Keine Ahnung, was da jetzt noch geschieht."

Der frühere deutsche Formel1-Pilot Hans-Joachim Stuck fordert eine drastische Geldstrafe für den französischen Autokonzern. "Wenn Mercedes für die Spionage-Affäre 100 Millionen zahlen musste, dann sind bei Renault nun 500 Millionen Euro fällig", sagte der heutige VW-Repräsentant in "Bild". Die Vorfälle kann er immer noch nicht richtig glauben: "Ich bin fassungslos."

Italien mutmaßt über Komplott

In Briatores Heimat Italien geht man allerdings davon aus, dass der 59-Jährige einem Komplott zum Opfer gefallen ist.

Der "Corriere della Sera" vermutet, dass FIA-Präsident Max Mosley im Hintergrund die Fäden gezogen hat. "Mosley rächt sich an Erzfeind Briatore", schreibt das Blatt und mutmaßt, dass Briatore auf der schwarzen Liste des FIA-Präsidenten gestanden hat.

"La Repubblica" berichtet ebenfalls von einer "gelungenen Racheaktion" und dem "Untergang einer Legende".

Briatore: "Meine Pflicht"

Am letzten Kapitel der Legendenbildung wollte Briatore 152665(Die Bilder seiner Karriere) allerdings wenigstens noch selbst mitwirken. "Ich habe mich für das Team geopfert und versucht, es zu retten", sagte er dem "Mirror": "Das ist meine Pflicht gewesen, und das ist der Grund, warum ich gegangen bin", sagte der gestürzte Teamchef ohne jegliche Anzeichen von Bedauern oder gar Reue in Märtyrer-Manier.

Die italienische Zeitung "Gazzetta dello Sport" geht denn auch davon aus, dass Renault ohne Briatore nicht bestraft wird.

Laut "As" in Spanien sollen die Franzosen sogar der FIA selbst den Kuhhandel angeboten und die Ablösung Briatores vorgeschlagen haben. Mit Briatore zog auch Technikchef Pat Symonds die Konsequenzen und verließ den Rennstall mit sofortiger Wirkung.

Was wird aus Renault?

Sollte Renault tatsächlich mit einem blauen Auge davonkommen, könnte das Team künftig mit dem viermaligen Weltmeister Alain Prost als neuem Rennleiter an den Start gehen - vielleicht sogar schon beim nächsten Rennen, das am 27. September ausgerechnet in Singapur stattfindet.

Niki Lauda übte schonungslose Kritik an Briatore, der seinem damaligen Fahrer Nelson Piquet junior in Singapur befohlen haben soll, absichtlich einen Unfall zu bauen, damit sein Teamkollege Fernando Alonso das Rennen gewinnt. Er habe immer gewusst, dass Briatore ein Grenzgänger sei, urteilt Lauda.

Es sei daher umso überraschender, dass Briatore sich bis jetzt so durchschlawienert habe, meint der dreimalige Weltmeister weiter: "Es ist Hammer, welche Falschaussagen er selbst am Wochenende in Monza noch ohne rot zu werden geäußert hat."

Stewart sieht Systemfehler

Der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart stellt bereits das ganze System der Königsklasse infrage. "Da ist etwas grundsätzlich faul im Herzen der Formel 1. Ich habe noch nie zuvor erlebt, dass die Formel 1 einen solchen Hang zur Selbstzerstörung hat", sagte der Schotte.

Die Fans sind laut Stewart inzwischen angewidert davon, dass ein Sport von einer Krise in die nächste schlittert. Er will bemerkt haben, dass innerhalb der Teams eine ungesunde Nervosität und Angst herrsche.

Stewart fordert daher einen kompletten Neuanfang nach der Wahl des FIA-Präsidenten im Oktober: "Die Strukturen der Führung und des Managements müssen grundlegend reformiert werden."

Solange es nicht innerhalb der Formel 1 in jedem Bereich eine richtige Führung gebe, würden die Sponsoren abwandern, sagt Stewart: "Dann wird der Sport in den kommenden Jahren ernsthaften Schaden nehmen."

Surer: "Die richtigen Opfer"

Der Ire Eddie Jordan, für dessen Team Michael Schumacher 1991 in Spa sein erstes Formel-1-Rennen fuhr, ist entsetzt: "Ich habe fast 30 Jahre lang ein Team geleitet und kann es überhaupt nicht begreifen, dass man so etwas tatsächlich vorhaben könnte. Keine Ahnung, wie verzweifelt die waren."

Für Ex-Rennfahrer Marc Surer ist Briatores Abgang ein klares Schuldeingeständnis. "In diesem Fall bedeutet das für mich auch, dass es die richtigen Opfer sind", sagte der Schweizer dem Internetportal "Motorsport-total.com".

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