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Eddie Irvine und Michael Schumacher feiern 1999 ihren Sieg in Monte Carlo © imago

Der frühere Rennfahrer Eddie Irvine findet die Renault-Affäre "aufgeblasen". Betrug sei seit jeher Teil der Formel 1 gewesen.

Von Marc Ellerich

München - Alles halb so wild? Der frühere Formel-1-Pilot Eddie Irvine jedenfalls kann die ganze Aufregung über den Renault-Skandal nicht nachvollziehen.

"Die Idee, dass das der größte Betrug der Sportgeschichte gewesen soll, ist lächerlich", sagte der Ire in einem Radio-Interview mit der "BBC".

"Die Formel 1 war schon immer Krieg", fuhr der frühere Ferrari-Kollege von Michael Schumacher fort: "Früher hat man Leute von der Strecke geschoben und alles getan, was nötig war. Jedes Team hat in der Vergangenheit betrogen."

"Kreuzzug der FIA"

Irvine führt die Aufregung über "Crashgate" auf eine "neue politische Korrektheit" zurück.

"Das ist doch nur ein Kreuzzug der FIA", meinte Irvine, er während seiner Karriere selbst in Affären verwickelt war: "Früher war das ganz normal. Die Größten der Formel 1 - zum Beispiel Colin Chapman - haben alles unternommen, um zu gewinnen. Sie haben auch betrogen."

Längst wolle die Formel1 niemand mehr sehen, "weil es so langweilig ist".

Die Empörung über mögliche Lebensgefahr für Piquet oder weitere Beteiligte teilt der viermalige Grand-Prix-Sieger nicht. "Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ums Leben kommt, war extrem gering. Ich finde, das wird gewaltig aufgeblasen."

Angeordneter Unfall

Der angeordnete Unfall des früheren Renault-Piloten Nelson Piquet jr. beim Nacht-Grand-Prix von Singapur 2008 hat die Königsklasse erschüttert und weltweit für Empörung gesorgt.

Um einer harten Bestrafung durch den Automobil-Weltverband FIA bei einer Anhörung des World Council am 21. September zu entgehen, zwang Renault seinen Teamchef Flavio Briatore und Chefingenieur Pat Symonds zum Rücktritt.

Bis zu seinem Aus hatte Briatore 152665(Die Bilder seiner Karriere) eine Absicht bei dem Unfall, von dem sein Topfahrer Fernando Alonso profitiert und den Sieg davon getragen hatte, geleugnet und von einer Erpressung durch Piquet gesprochen.

Wer wusste was?

Piquet, der Anfang August während der laufenden Saison bei Renault entlassen und durch Romain Grosjean ersetzt worden war, hatte die Affäre im Juli mit einer Anzeige bei der FIA ins Rollen gebracht.

Doch offenbar haben einige der Verantwortlichen in der Königsklasse wesentlich früher gewusst, dass im September 2008 in Singapur nicht alles sauber gelaufen war.

Formel-1-Chefpromoter Bernie Ecclestone hat bereits zugegeben, dass er bereits im Mai auf mögliche Ungereimtheiten angesprochen worden war.

Und nun behauptete Piquets Vater, der dreimalige Weltmeister Nelson Piquet, dass er den FIA-Rennleiter Charlie Whiting die Betrugsvorwürfe bereits beim Saisonfinale des Vorjahres in Sao Paulo mitgeteilt habe.

"Ich konnte es nicht glauben"

Nach dem Crash in Singapur sei er stutzig geworden, so Piquet sr. in einem offiziellen Untersuchungsprotokoll, das in Auszügen im "Daily Mirror" abgedruckt wurde: "Ich konnte es nicht glauben, also habe ich Nelson angerufen. Er sagte mir, sie hätten ihn gebeten, bei diesem und jenem zu helfen."

Sein Sohn habe den Fehler eingeräumt, woraufhin er Whiting in Kenntnis gesetzt habe.

Danach war acht Monate lang nichts geschehen. Beim vergangenen Grand Prix in Monza hatte FIA-Präsident Max Mosley eingeräumt, dass es gleich nach dem Crash Verdachtsmomente gegeben habe, jedoch keine Beweise.

Erst Piquets beeidete Aussage hatte die Untersuchungen der FIA ermöglicht.

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