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Der Italiener Flavio Briatore war von 2002 bis 2009 Teamchef bei Renault © getty

Die Folgen der Unfall-Affäre: Der Hauptsponsor und ein zweiter Geldgeber kehren dem Team den Rücken. ING geht sofort.

Singapur - Sponsoren flüchten, Star-Pilot Fernando Alonso ist auf dem Sprung zu Ferrari - Renault steht trotz der milden Bewährungsstrafe im Unfall-Skandal von Singapur 2008 vor einem Scherbenhaufen.

Zwar hatten die Franzosen dem Automobil-Weltverband FIA bei der Verhandlung in Paris versichert, in der Formel 1 bleiben zu wollen, möglicherweise muss das Team aber erst komplett in neue Hände übergehen, um in der Königsklasse noch eine Zukunft zu haben.

Das Vertrauen der Geldgeber in den Rennstall scheint trotz der noch vor der FIA-Sitzung erfolgten Trennung von Ex-Teamchef Flavio Briatore, der als Hauptverantwortlicher für den inszenierten Unfall ausgemacht wurde, zu schwinden.

Am Donnerstag zog sich zunächst ein spanischer Versicherungskonzern (Mutua Madrilena) mit sofortiger Wirkung zurück, lässt den persönlichen Vertrag mit dem zweimaligen Weltmeister Alonso aber weiterlaufen.

Kurz darauf beendete auch der Hauptsponsor, eine niederländische Bank (ING), sein ohnehin zum Saisonende auslaufendes Engagement vorzeitig.

"Zutiefst enttäuscht"

"Besonders vor dem Hintergrund einer ansonsten erfolgreichen Zusammenarbeit sind wir von den Ereignissen zutiefst enttäuscht", hieß es in einer Mitteilung der Bank.

Die Spanier wurden noch deutlicher. Das Verhalten relevanter Teammitglieder sei nicht nur außerordentlich gefährlich gewesen und habe gegen die Integrität des Sports verstoßen, sondern sei auch ein Risiko für die Sicherheit von Zuschauern, Fahrern und Streckenpersonal gewesen, teilte der Konzern mit: "Das könnte das Image, die Reputation und den guten Namen der Sponsoren des Teams beeinträchtigen."

Prost nicht Briatore-Nachfolger

Da vor diesem Hintergrund potenzielle neue Sponsoren einen Einstieg überdenken könnten, ist vielleicht ein kompletter Neuanfang nötig.

Bislang hat Renault die Nachfolge des lebenslang gesperrten Briatore und des für fünf Jahre aus dem Verkehr gezogenen Chefingenieurs Pat Symonds nur bis zum Saisonende intern geregelt.

Auf ein Engagement des in den Medien gehandelten viermaligen Weltmeisters Alain Prost verzichteten die Franzosen aber.

Richards heißer Kandidat

Bei der Frage nach einem neuen Teamchef ist auch der Name David Richards gefallen.

Der Brite, der vor seinem Engagement bei BAR bereits Teamchef beim Renault-Vorgängerteam Benetton war, könnte den Rennstall auch komplett übernehmen.

Treffen auf der IAA?

Richards hatte in den letzten zwei Jahren vergeblich versucht, mit seinem eigenen Prodrive-Team in die Formel 1 einzusteigen - trotz vieler Millionen aus Asien und dem prestigeträchtigen Namen Aston Martin im Rücken.

In der vorigen Woche wurde Richards bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt zur gleichen Zeit wie Renault-Boss Carlos Ghosn auf dem Messestand der Franzosen gesichtet. Auch die Renault-Fabrik im britischen Enstone soll er kürzlich besucht haben.

Keine Klage gegen Piquet

Renault hat die Anzeige gegen seinen früheren Fahrer Nelson Piquet junior zurückgezogen. Das teilte der neue Generaldirektor Jean-Francois Caubet am Donnerstag in Singapur mit.

Die Franzosen und Briatore hatten Piquet junior im Unfall-Skandal in Frankreich und Großbritannien "wegen falscher Behauptungen und versuchter Erpressung" angezeigt.

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