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Timo Glock liegt mit 24 Punkten auf Platz neun der Fahrer-WM © getty

Die Zukunft von Timo Glock und von Toyota ist offen: Verlässt das Team die Formel 1? Muss der Pilot einem Star Platz machen?

Von Marc Ellerich

München - Was wird aus Timo Glock Was wird aus Toyota?

Um den deutschen Piloten und seinen japanischen Formel-1-Rennstall herrscht seit Tagen einige Verwirrung.

Beinahe täglich gibt es widersprüchliche Meldungen über Verbleib oder Nicht-Verbleib Glocks und Toyotas in der Formel 1 zu lesen.

"Einfach nur Bullshit"

So folgte auf den sensationellen zweiten Platz des Hessen beim Nacht-Grand-Prix in Singapur nur wenige Tage später die Nachricht, ihm sei schon vor dem Rennen mitgeteilt worden, sein Vertrag werde nicht über die laufende Saison hinaus verlängert.

Sowohl Glock als auch sein Manager Hans-Bernd Kamps dementierten.

Er habe sich über "die Geschichten" amüsiert, teilte der Odenwälder via "Motorsport-Total.com" mit: "Das ich am Samstag nach dem Qualifying gefeuert worden sei, war einfach nur Bullshit. Das stimmt einfach nicht. Es gab am Singapur Wochenende keine Gespräche über meinen Vertrag."

Manager: Drei Teams interessiert

Einräumen musste der derzeitige Neunte der Fahrer-WM, dass sein Team die Option auf eine Vertragsverlängerung nicht gezogen habe: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, uns umzuschauen."

Kamps, sein Manager, sah Glock während der turbulenten letzten Woche "zu hundert Prozent" auch künftig in der Formel 1 und berichtete vom Interesse dreier Teams. Spekuliert wird über BMW-Sauber-Nachfolger Qadbak, den Neuling Lotus sowie Renault.

Toyota: Interesse an Kubica

Auch eine Verlängerung mit Toyota sei nicht vom Tisch, so Glocks Manager, der schon vor dem Japan-Rennen zu Verhandlungen mit dem Team angereist war. "Wir sind nicht in Panik", so Kamps.

Zumindest ein Toyota-Verbleib könnte fraglich werden, denn der Rennstall hat am Rande des Japan-Grand-Prix in Suzuka eingeräumt, Robert Kubica, derzeit BMW-Sauber, und womöglich Kimi Räikkönen verpflichten zu wollen.

"Wir haben unseren Fahrern offen gesagt, dass wir vielleicht keine Plätze für sie haben, sind aber mit beiden, besonders mit Timo, weiter in Kontakt", sagte Toyotas Motorsport-Präsident John Howard.

Trulli muss gehen

Der Rennstall müht sich seit dem Einstieg in die Formel 1 im Jahr 2002 mit verschiedenen Fahrerpaarungen, vergeblich, den ersten Sieg in der Königsklasse einzufahren, und offenbar ist man auch mit der Arbeit des derzeitigen Gespanns Glock/Trulli nicht vollends zufrieden.

Howett: "Wir mögen Timo, er hat fantastische Arbeit geleistet. Aber unser Auto ist gut genug, um regelmäßig auf dem Podium zu landen. Das haben wir nicht geschafft, und dafür gibt es Gründe jenseits des Teams und des Chassis selbst."

Der Abschied von Trulli gilt deshalb bereits als beschlossene Sache, Toyota brauche freie Cockpit-Plätze, so Howett: "Ich denke, es wird noch einige Wechsel geben, über die im Moment noch gar nicht spekuliert wird. Dafür wollen wir frei sein."

Werben um Räikkönen

An Kubica, der auch als heißer Kandidat für die Alonso-Nachfolge bei Renault gilt, sei man "definitiv interessiert". An Räikkönen habe man "immer schon" Interesse bekundet und dessen Management kontaktiert, erklärte der Brite. Der finnische "Iceman" jedoch wird derzeit vor allem mit seinem früheren McLaren-Team in Verbindung gebracht.

Ohnehin scheint fraglich, ob dem Rennstall vom Mutterkonzern überhaupt der Raum und das Geld für Investitionen in eine derart kostspielige Fahrerpaarung gelassen werden.

"Werden in der Formel 1 sein"

Offenbar ist der Ausstieg aus der Königsklasse für Toyota angesichts von Milliardenverlusten in der Auto- und Wirtschaftskrise weiterhin ein Thema, wenngleich Howett und auch Teamchef Tadashi Yamashina nach Kräften bemüht sind, die bösen Geister zu vertreiben.

"Wir werden 2010 in der Formel 1 sein", hatte Yamashina am Donnerstag auf einer Pressekonferenz vor dem japanischen Rennen gesagt.

Von Yamashina stammt aber ebenfalls der Satz, der einen endgültigen Verbleib des Teams in der Königsklasse wieder in Frage stellt. "Wenn man mich fragen würde, ob es einen Unterschied machen würde, wenn man das Geld, das wir in der Formel 1 ausgeben, an anderer Stelle für Umweltprojekte nutzen würde, dann müsste ich sagen: Ja, das würde es."

Stichtag 15. November

Howett äußerte sich ebenfalls nur vorsichtig optimistisch: "Wir gehen davon aus, im nächsten Jahr wieder hier in Suzuka zu sein."

Stichtag für den Rennstall ist offenbar der 15. November. Dann wird in der Konzernzentrale der Vorstand offiziell über das Budget des Teams für 2010 entschieden.

Womöglich geht es dann aber doch um ein viel grundsätzlicheres Thema. Das räumt auch Yamashina ein: "Angesichts des aktuellen Wirtschaftsklimas könnten wir vielleicht gezwungen sein, alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen."

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