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Seit 2006 ist BMW mit dem Sauber-Team in der höchsten Motorsportklasse vertreten © getty

Die Münchner verabschieden sich nach zehn Jahren wieder vom Formel-1-Zirkus. Dafür wartet womöglich eine andere Rennserie.

Abu Dhabi - In der Wüste fließen die Tränen. Die Premiere der Königsklasse am Sonntag in Abu Dhabi (Qualifying, Sa., ab 13.45 Uhr LIVE) ist für BMW nach zehn Jahren zugleich das Abschiedsrennen in der Formel 1.

"Es war eine fantastische Zeit - intensiv, lehrreich, spannend, herausfordernd und insgesamt doch sehr erfolgreich", sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen vor dem WM-Finale 2009.

Theissens Fazit fällt durchweg positiv aus. Während der Zeit mit Partner Williams habe man zehn Rennen gewonnen und 2003 bis zum Ende um den WM-Titel gekämpft. Mit dem BMW-Sauber-Team sei es die ersten drei Jahre steil und stetig bergauf gegangen. (DATENCENTER: Alle News zur Formel 1)

Mit dem Erreichten zufrieden

"Mit Ausnahme unserer vierten und leider letzten Saison bin ich mit dem, was wir seit 2006 erreicht haben, mehr als zufrieden. In den ersten drei Jahren haben wir unsere selbst gesteckten Ziele allesamt erreicht und sogar übertroffen", sagt der BMW-Motorsportdirektor.

Den Schock der Vollbremsung, die der Vorstand vor drei Monaten überraschend verordnete, hat Theissen inzwischen verdaut. Nach außen zeigt er jetzt sogar Verständnis für die Entscheidung.

"BMW hat sich für eine strategische Neuorientierung entschieden. Und mit dieser neuen unternehmerischen Ausrichtung war das Formel-1-Projekt nicht mehr vereinbar", sagt der Motorsport-Boss.

Abschied mit Wehmut

Das Wochenende in der Wüste ist allerdings auch für Theissen voller Emotionen.

"Es ist sicher für uns alle bei BMW-Sauber eine ganz besondere Premiere im Finale. Wir fahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Abu Dhabi", sagt der Sportchef. Man werde mit Wehmut aufbrechen.

Theissen: "Schließlich wird dies unser 70. und letztes Formel-1-Rennen mit dem BMW-Sauber-Team werden."

Zukunft offen - Einstieg in der DTM?

Während der Pole Robert Kubica zu Renault wechselt, ist die Zukunft des Mönchengladbachers Nick Heidfeld ebenso noch offen wie die von Theissen. 149801(DIASHOW: Die Formel-1-Wechselbörse)

Der 57-Jährige hat sich noch nicht entschieden, ob er bei BMW bleibt. Die Tourenwagen-WM ist im nächsten Jahr der Schwerpunkt der Münchner, 2011 steht Gerüchten zufolge der DTM-Einstieg ganz oben auf der Liste.

Vielleicht bleibt Theissen aber auch der Formel 1 erhalten und arbeitet dann in verantwortlicher Position für das Nachfolgeteam von Peter Sauber.

Eine Entscheidung über seine eigene Zukunft will Theissen erst nach der Saison treffen, doch vielsagend deutet er bereits jetzt an: "Ich hoffe, dass das Nachfolgeteam den erfolgreichen Weg in der Formel 1 konsequent weiter gehen wird."

Show soll besser werden

Theissen hält die Formel 1 trotz des Ausstiegs weiterhin für eine erstklassige Kommunikationsplattform. Es gäbe allerdings auch einigen Verbesserungsbedarf, vor allem im Bereich der Show.

"Wir müssen den Fans an der Rennstrecke mehr bieten als bisher. Auch hierzu gibt es bereits konkrete Ansätze", sagt Theissen.

Emotionale Momente

Zwei Situationen waren für Theissen in den zehn Jahren Formel 1 besonders emotional - und beide Male war Montreal der Schauplatz. "2007 hatte Robert Kubica dort seinen fürchterlichen Unfall, den er wie durch ein Wunder ohne ernsthafte Blessuren überstanden hat.

Ein Jahr später haben wir an gleicher Stelle mit dem Doppelsieg von Robert und Nick unseren größten Erfolg mit dem BMW-Sauber-Team errungen", sagt der Motorsportdirektor.

Rückkehr ausgschlossen

Auch wenn sich die Wirtschaftslage bessern sollte, kann sich Theissen eine Rückkehr von BMW in die Formel 1 auf absehbare Zeit absolut nicht vorstellen. Und warum?

"Wenn ein Unternehmen seine strategische Ausrichtung ändert, dann ist das von einer gewissen Dauer. Strategien ändert man nicht von einem Tag auf den anderen. Und ein komplexes Formel-1-Projekt kann man auch nicht nach Belieben an- und abschalten", sagt der möglicherweise bald scheidende Motorsportdirektor der Münchner.

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