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Toyota fährt seit 2002 in der Formel 1, konnte aber noch kein Rennen gewinnen © imago

Nun ist es offiziell: Die Japaner werden in der Saison 2010 nicht mehr in der Formel 1 an den Start gehen.

Tokio - Toyota sagt Sayonara und steigt nach acht Jahren ohne Sieg aus der Formel 1 aus.

Die bereits seit Monaten befürchtete Vollbremsung verkündete der größte Automobilkonzern der Welt am Mittwoch in Tokio.

Firmenchef Akio Toyoda begründete die Entscheidung mit der nötigen Reaktion auf die "momentan schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen".

"Es war eine schwierige, letztlich aber unvermeidbare Entscheidung. Seit dem letzten Jahr und angesichts des schlechten Wirtschaftsklimas hatten wir mit der Frage gekämpft, ob wir in der Formel 1 weitermachen sollten", sagte Toyoda.

"Wir ziehen uns komplett aus der Formel 1 zurück. Ich entschuldige mich zutiefst bei den vielen Toyota-Fans, dass wir nicht in der Lage waren, die Resultate zu erzielen, die wir angepeilt hatten."

Vor allem Köln betroffen

Betroffen vom Formel-1-Ausstieg der Japaner ist vor allem die Motorsport-Abteilung in Köln mit zurzeit 750 Mitarbeitern, die auch erst am Mittwochmorgen von der Entscheidung erfuhr.

Ein Verkauf der Fabrik sei derzeit nicht geplant, sagte Motorsport-Direktor John Howett dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters. Der bot die Hilfe der Stadt Köln bei einer möglichen Neustrukturierung an.

"Der Verbleib des Toyota Entwicklungszentrums in Marsdorf ist wichtig für den Automobil-Standort Köln", sagte Roters: "Die Stadt Köln wird alle ihr möglichen Rahmenbedingungen schaffen, damit der Standort effizient weiterentwickelt werden kann. Wir haben ein großes Interesse daran, dass Marsdorf Zentrum der automobilen Zukunftstechnologie bleibt."

Suche nach neuen Projekten

Neben der Konzentration auf einen neuen Straßensportwagen wird jetzt nach anderen Motorsport-Projekten gesucht, die aus Köln betreut werden können.

In Frage kommen könnten eine Rückkehr zu den 24 Stunden von Le Mans oder der Einstieg in die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft.

Auf per Option mögliche Vertragsverlängerungen mit den Fahrern Timo Glock (Wersau) und Jarno Trulli (Italien) hatte Toyota verzichtet, Glock steht vor einem Engagement bei Renault 149801(Bilder: Das Fahrerkarussell).

Erst kurz vor dem Saisonende hatte der bisherige Motoren-Kunde Williams seinen Vertrag vorzeitig gekündigt.

Nur noch drei Hersteller

In der Königsklasse sind 2010 als Hersteller jetzt nur noch Ferrari, Mercedes und Renault vertreten.

Profiteur des Toyota-Ausstiegs könnte dagegen das bisherige BMW-Sauber-Team sein.

Nach dem Ausstieg von BMW und dem Verkauf an die aus dem Mittleren Osten finanzierte Schweizer Stiftung Qadbak war der Rennstall aus Hinwil vom Automobil-Weltverband FIA nur als 14. Team und damit erster Nachrücker für die Saison 2010 geführt worden.

Ob dies allerdings tatsächlich so eintreten wird, ist noch fraglich, da auch ein Verkauf des Toyota-Rennstalls samt Nennung für 2010 im Bereich des Möglichen liegt.

Bedauern bei Theissen und Co.

"Die Entscheidung von Toyota zum Ausstieg aus der Formel 1 bedauere ich. Toyota hat als große Marke einen wertvollen Beitrag zur weltweiten Bedeutung der Formel 1 geleistet", teilte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen offiziell mit: "Natürlich hat die Entscheidung Auswirkung auf die Situation des BMW-Sauber-Teams. Hierüber werden wir mit der FIA sprechen."

Mercedes-Sportchef Norbert Haug bedauert die Entscheidung, besonders angesichts der Tatsache, dass die "Formel 1 künftig mit deutlich geringeren Budgets als in der Vergangenheit" auskomme.

Der frühere Toyota-Pilot Ralf Schumacher meinte: "Mir tut diese Entscheidung sehr leid für die vielen großartigen Mitarbeiter in Köln-Marsdorf. Sie hätten wahrlich einen anderen Beschluss verdient gehabt. Toyota hat in der Formel 1 in acht Jahren die gesteckten Ziele nicht erreicht - und das wird ein Grund für diese Negativ-Entscheidung gewesen sein."

Kein Formel-1-Sieg

Toyota war 2002 in die Formel 1 eingestiegen und mit rund 300 Millionen Euro Budget pro Saison seitdem der Krösus in der Königsklasse.

Erfolge blieben dennoch aus. In 140 Rennen fuhren Toyota-Piloten lediglich dreimal auf die Pole Position (Trulli 2005 beim Skandal-Rennen in den USA 2005 und 2009 in Bahrain, Ralf Schumacher 2005 in Japan).

Im Rennen gab es fünfmal Platz zwei: durch Trulli 2005 in Malaysia und Bahrain sowie 2009 in Japan und durch Glock 2008 in Ungarn und 2009 in Singapur.

Toyota droht Konventionalstrafe

Durch den Rückzug droht Toyota jetzt allerdings eine Konventionalstrafe. Im Sommer hatte der Konzern noch das neue Concorde Agreement unterschrieben und sich damit eigentlich bis 2012 zur Teilnahme an der Formel 1 verpflichtet.

Aus finanziellen Gründen hatte das Unternehmen, das in der Wirtschaftskrise erstmals in der Firmengeschichte Verluste einfuhr, bereits zuvor die Austragung des Japan-GP 2010 auf der konzerneigenen Rennstrecke in Fuji zurückgegeben.

Das Rennen findet jetzt wie in diesem Jahr in Suzuka statt, auf einer Piste des japanischen Rivalen Honda.

Nächster Schlag für Japans Motorsportszene

Honda war Ende 2008 aus der Königsklasse ausgestiegen, das Nachfolgeteam Brawn holte in dieser Saison die Konstrukteurs-WM und durch den Briten Jenson Button auch den Fahrertitel.

Im Sommer hatte dann BMW den Ausstieg zum Jahresende verkündet und sein Team verkauft.

Für die japanische Motorsportszene bedeutet der Toyota-Ausstieg einen weiteren Schlag.

Erst am Montag hatte Bridgestone überraschend bekannt gegeben, sich nach Ende des laufenden Vertrages Ende 2010 als Reifen-Lieferant aus der Formel 1 zurückzuziehen.

2008 hatte sich bereits Subaru und Suzuki aus der Rallye-WM sowie Kawasaki aus der MotoGP zurückgezogen.

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