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Ab sofort Kollegen: Daimler-Boss Dieter Zetsche und sein neuer Teamchef Ross Brawn (l.) © imago

Einen Tag nach dem spektakulären Mercedes-Brawn-Deal wird über den Kaufpreis spekuliert. In England freut man sich auf ein Duell.

München - Die Übernahme des Weltmeisterteams Brawn durch Mercedes und Daimler-Großaktionär Aabar aus Abu Dhabi kostet die beiden Partner angeblich rund 123,65 Millionen Euro.

Diese Summe nannte laut des auf Wirtschaftsnachrichten spezialisierten TV-Senders "Bloomberg" Aabar-Chef Scheich Khadem Abdulla Al-Qubaisi.

Eigenes Silberpfeil-Werksteam

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte am Montag bekannt gegeben, dass Mercedes die Mehrheit am Rennstall von Ross Brawn übernimmt und 2010 mit einem eigenen Silberpfeil-Werksteam in der Formel 1 an den Start gehen wird (KOMMENTAR: Runter vom Beifahrersitz).

45,1 Prozent der Anteile übernimmt Mercedes selbst, 30 Prozent Abu Dhabis börsennotierter Staatsfonds Aabar, der seit März 2009 mit 9,1 Prozent (Kaufpreis: 1,95 Milliarden Euro) größter Anteilseigner von Daimler ist. Zudem bestätigte Al-Qubaisi am Montag Gespräche über eine Aufstockung der Anteile auf 15 Prozent.

Fry: Kaufpreis deutlich geringer

Brawn-Geschäftsführer Nick Fry, neben Brawn selbst einer von insgesamt fünf bisherigen Anteilseignern des ehemaligen Honda-Rennstalls, sagte "Bloomberg", der Kaufpreis sei deutlich geringer als die von Al-Qubaisi genannte Summe und an zukünftige Erfolge gekoppelt.

Mercedes dürfte seine Investition allerdings durch den Rückverkauf des bisherigen 40-Prozent-Anteils an McLaren innerhalb der nächsten zwei Jahre refinanzieren.

Dieses Paket wird auf einen Wert von bis zu 200 Millionen Euro geschätzt. Zudem erhält das Team als Konstrukteurs-Weltmeister noch geschätzte 60 Millionen Euro aus dem Prämientopf von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone.

Der deutsche Aspekt

Nach der Übernahme des Weltmeisterteams und angesichts des bevorstehenden Wechsels von Champion Jenson Button zu McLaren freuen sich die englischen Medien bereits auf ein klassisches Duell: England gegen Deutschland.

Während Button mit seinem Weltmeister-Vorgänger Lewis Hamilton bei McLaren ein rein englisches Duo bilden würde, ist bei Mercedes die deutsche Fahrerpaarung mit Nico Rosberg und Nick Heidfeld denkbar 149801(DIASHOW: Das Fahrerkarussell)

"Ich darf versprechen, dass der deutsche Aspekt Berücksichtigung finden soll", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug zur künftigen Fahrerbesetzung: "Wir arbeiten daran, und ich hoffe, dass wir bald auch was sehr Positives zu vermelden haben."

Haug stellte heraus, dass die Voraussetzungen bei Mercedes anders seien als bei Konkurrenten wie Honda, BMW oder Toyota, die innerhalb des letzten Jahres ausgestiegen sind: "Wir haben eine sehr, sehr lange Rennsporttradition, wir haben mehr Einnahmen für das Team als in der Vergangenheit, und die Formel 1 kostet künftig weniger."

Button vor Einigung mit McLaren

Weltmeister Jenson Button ist sich unterdessen laut der englischen Tageszeitung "The Guardian" mit McLaren über einen Dreijahresvertrag einig, der in den nächsten Tagen unterschrieben werden soll.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte nach der am Montag verkündeten Übernahme von Buttons bisherigem Team Brawn gesagt, dass Teamchef Ross Brawn weitere Gespräche mit dem Engländer führe.

Button hatte seit Saisonende mit Brawn um ein höheres Gehalt gepokert, das er nun bei McLaren offenbar erhält. Laut "Guardian" soll der Weltmeister pro Jahr rund 6, 75 Millionen Euro verdienen.

"Englisches Super-Team"

"Jenson Button ist drauf und dran, zusammen mit Lewis Hamilton ein englisches Super-Team auf die Beine zu stellen - nach einer Nacht, in der Brawn für 150 Millionen Pfund verkauft wurde", schrieb das Boulevard-Blatt "The Sun": "So könnte auf der Rennstrecke eine alte Sportrivalität aufleben: England gegen Deutschland."

Ähnlich sieht es der "Daily Express": "Es sieht ganz so aus, als käme in der nächsten Rennsaison das Duell Team Deutschland gegen Team Großbritannien, nachdem Mercedes Benz die Welteroberer von Brawn übernommen hat."

"Times": Alleskönner Brawn

Nach Meinung der Londoner "Times" ging es "bei diesem Besitzerwechsel einzig und allein um Ross Brawn". Mercedes habe die Chance erkannt, in ihn zu investieren und dafür McLaren kurzerhand fallen gelassen, schrieb die Zeitung: "Der taktvolle Manchester-United-Fan (Ross Brawn, d.Red.) ist in seiner Art, mit der er gleichermaßen die technischen und organisatorischen Herausforderungen meistert, einzigartig in der Formel 1."

In der Boxengasse gebe es "jede Menge kurzsichtige Ingenieure, die zwar die Geometrie eines Formel-1-Rennautos in- und auswendig kennen, aber nicht mal eine Hobbymannschaft für ein Wohltätigkeits-Fußballturnier zusammenstellen könnten. Und dann gibt es die Teammanager, die nicht verstehen, was ein schnelles Auto ausmacht, und die nur im Erbsenzählen geübt sind", schrieb die Times: "Brawn hat bewiesen, dass er ein Alleskönner ist."

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