vergrößernverkleinern
Das BMW-Sauber-Team fuhr von 2006 bis 2009 in der Formel 1 © imago

Angeblich ist der neue Investor Qadbak nur eine Scheinkonstruktion eines verurteilten Betrügers. Die Übernahme könnte platzen.

Von Sebastian Binder

München - Ist der BMW-Sauber-Rennstall Opfer eines Betrügers geworden? Die Gerüchte verdichten sich, dass hinter dem Investor Qadbak, der den Sauber-Rennstall übernehmen soll, ein gewisser Russell King steht.

Der Brite saß laut "Guardian" in den 1990ern zwei Jahre wegen Betrugs im Gefängnis. BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen ahnte davon offenbar nichts: "Ich kann dazu nichts sagen, denn ich kenne bislang nur die Medienberichte", sagte er gegenüber "Motorsport-Total.com".

Nach einem Bericht der Schweizer "Sonntagszeitung" soll Qadbak nur eine "leere Offshore-Hülle in einem undurchsichtigen Firmengeflecht" sein, die King gehört. Daher könne die Übernahme des Sauber-Rennstalls durch Qadbak nicht vollzogen werden.

Geflecht von Scheinfirmen?

King selbst fehlt das Geld, um BMW-Sauber zu kaufen, und anscheinend gibt es auch keine echte Bankgarantie, die für den Deal benötigt wird.

Offiziell hat jene Garantie die "Bahrain Capital International (BCI)" übernommen, doch laut Recherchen der "Sonntagszeitung" ist auch BCI nur ein Scheingeflecht von King. So wie Qadbak selbst. Sollte das der Fall sein, hätte sich Qadbak praktisch selbst die notwendige Garantie ausgestellt.

Gegründet wurde BCI von einem renommierten Züricher Treuhänder mit dem Hintergrund eines geplanten Milliardengeschäfts mit der Königsfamilie Bahrains. Tatsächlich ist dieses Geschäft wohl nie zustande gekommen, so dass BCI nur ein Name ohne jeden finanziellen Spielraum geblieben ist.

"In der Schweiz ansässige Stiftung"

Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssten sich sowohl Peter Sauber, als auch BMW unangenehmen Fragen stellen: Wie konnte übersehen werden, dass, trotz angeblich sorgfältiger Prüfung, Qadbak keinerlei Geldmittel besitzt? Und wie konnte die Verwicklung des dubiosen King nicht bemerkt werden?

Rückblick: Nachdem BMW seinen Ausstieg aus der Formel 1 verkündet hatte, suchte Sauber verzweifelt nach einem neuen Investor.

Nach zähem Ringen schien mit Qadbak der passende Financier gefunden zu sein. Dennoch machte sich schnell Skepsis breit, da nicht klar war, wer sich hinter dem Namen "Qadbak" eigentlich verbirgt.

Bereits damals wurde der Investor mit King in Verbindung gebracht, doch BMW erklärte auf Nachfrage von "Motorsport-Total.com", dass es sich bei Qadbak um eine "in der Schweiz ansässige Stiftung handele, die die Interessen von im Mittleren Osten und Europa ansässigen Familien vertrete."

King solle dagegen nicht mehr für sie tätig sein.

Fotos in Nordkorea

Offenbar eine Falschinformation: Qadbak übernahm auch den englischen Fußallklub Notts County. Die Lizenz sollte der Viertligist allerdings nur erhalten, wenn sich Qadbak von King trennen würde.

Die Beendigung der Zusammenarbeit wurde am 12. Oktober offiziell bekannt gegeben. Anfang November tauchte allerdings ein Gruppenfoto aus Nordkorea auf, auf dem neben Nathan Willett, angeblich Aufsichtsrat bei Qadbak, auch King zu sehen ist.

Die Verbindung zwischen King und Qadbak scheint also weiterhin zu bestehen.

40 Millionen Euro für Startlizenz?

Nach Angaben der "Sonntagszeitung" war Kings Kalkül, das notwendige Geld für den Einstieg bei Sauber durch die Aufnahme in das Formel-1-Starterfeld 2010 zu bekommen.

Wäre diese erfolgt, wäre wohl sofort Geld an Qadbak geflossen, laut "Motorsport-Total.com" bis zu 40 Millionen Euro, z. B. durch eine Beteiligung an den Fernseheinnahmen.

Das Problem daran ist, dass Sauber-Qadbak dafür die Startlizenz der FIA benötigt, die bislang noch nicht erteilt wurde. Die dubiosen Verwicklungen um Qadbak, die sich mittlerweile abzeichnen, könnten eine Erklärung für das Zögern des Automobilverbands sein.

Imageschaden für Sauber und BMW

Was das für die Zukunft des Sauber-Rennstalls bedeutet, ist derzeit noch unklar. Fest steht, dass die Hintermänner Qadbaks aufgedeckt werden müssen und die Liquidität der "Stiftung" überprüft werden muss.

Ansonsten könnte dies das Ende des Sauber-Rennstalls, einen weiteren Imageschaden für die Formel 1 und letztlich auch für BMW bedeuten.

Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel