vergrößernverkleinern
Viele Kehrtwendungen: Noch steht nicht fest, wieviele Teams in die Saison starten © imago

Die Probleme zweier Formel-1-Neulinge werden immer deutlicher. Bei Ferrari macht man sich über die prekäre Situation lustig.

Von Andreas Kloo

München - Seit Jahresanfang gibt es offiziell vier neue Teams in der Königsklasse. Doch nur zwei von ihnen gehören schon wirklich zur Formel-1-Familie. (DATENCENTER: Die Saison 2010)

Die Neulinge Virgin (Interview: Timo Glock) und Lotus drehten in der vergangenen Woche in Jerez zusammen mit den alteingesessenen Teams Testrunden (206253DIASHOW: Testbilanz: Raser, Pannen und gestresste Crews).

Die Rennställe USF1 und Campos hingegen besitzen zwar die FIA-Lizenz, aber ob sie wirklich in dieser Saison an den Start gehen werden, wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher.

USF1 bricht auseinander

Die Amerikaner haben bereits bei der FIA angefragt, wegen ihrer finanziellen Probleme die ersten vier Rennen auslassen zu dürfen. Ob der Verband die zulassen wird, ist allerdings noch fraglich. Und zuletzt soll angeblich der einzige Stammpilot, der Argentinier Jose Maria Lopez, einen Fluchtversuch zum Campos-Rennstall unternommen haben.

Ein anonymer Mitarbeiter des neuen Rennstalls gibt in einem "Motorsport-Total.com"-Interview Teamchef Ken Anderson die Schuld für die miserable Lage.180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010)

"USF1 bricht auseinander, weil Ken nicht dazu in der Lage ist, ein solches Projekt zu managen", lautet das vernichtende Urteil des Anonymus. Auch USF1-Hauptinvestor Chad Hurley bekam mittlerweile von der aussichtlosen Situation des Teams Wind und will sein Geld nun offenbar lieber anderswo investieren. Zuletzt soll er sogar Gespräche mit dem Team von Adrian Campos geführt haben. Eine Zusammenarbeit mit den Spaniern wird wohl dennoch nicht zustande kommen.

Schockierende Zustände

Dabei könnte das Team eine zusätzliche Finanzspritze gut gebrauchen. Mithilfe des früheren Force-India-Teamchefs Colin Kolles versucht Campos momentan doch noch den Start am 14. März in Bahrain zu realisieren. Doch der Neue zeigt sich geschockt von den Zuständen beim spanischen Team. "Sie hatten nichts, nur Chaos", wird Kolles zitiert.

Angeblich besäßen die Spanier momentan nur acht Software-Spezialisten zur Erstellung von Rennsimulationen und drei Renningenieure. Was die Fahrerbesetzung angeht, soll man sich mit Bruno Senna schon geeinigt haben. Aber noch nicht einmal ein Zulieferer für das Chassis ist vorhanden. Die Zeit läuft Kolles also davon.

Keine Reifen für Stefan GP

Dann ist da noch das serbische Stefan-Team, das bereits auf das Scheitern der anderen Neueinsteiger lauert, um als Ersatz kurzfristig in die Formel 1 einsteigen zu können. Doch auch dessen Teamchef Zoran Stefanovic sieht sich vor große Probleme gestellt.

Er hat zwar zwei Autos und mit Jacques Villeneuve und Kazuki Nakajima auch zwei Fahrer, aber keine Reifen. 180745(DIASHOW: Villeneuve-Comeback bei Stefan?)

Bridgestone will nur Teams mit Reifen ausstatten, die auch im Besitz einer FIA-Lizenz sind. Dies ist mit der FIA auch so abgestimmt.

Eine Lizenz erhält Stefan GP aber nur, wenn ein anderes Team seine Lizenz zurückgibt. Mangels Reifen musste Stefanovic nun seine für Donnerstag geplanten Testfahrten im portugiesischen Portimao absagen. "Wir hoffen auf eine baldige Klarstellung der Situation", meldet sich Stefanovic bei "autosport.com" zu Wort.

Ferrari spottet

Die aktuelle Situation ist für die Außendarstellung der "neuen Formel 1" äußerst unvorteilhaft. Zumal auch die Fans sich Klarheit in Frage wünschen, wer denn nun 2010 am Start ist und wer nicht.

Ein Rennstall allerdings amüsiert sich köstlich über das derzeit herrschende Chaos in der Königsklasse: Ferrari.

Die Italiener hatten sich vehement gegen die Öffnung der Formel 1 für kleinere Teams gewehrt und sogar mit der Gründung einer Piratenserie gedroht. Nun lachen sie sich über das drohende Scheitern der Formel1-Reform genüsslich ins Fäustchen.

"Da ist das Erbe des Heiligen Krieges, das der ehemalige Präsident der FIA geführt hat", heißt es in der Kolumne "Der Pferdeflüster" auf der Ferrari-Homepage.

Und weiter: "Das ist nun das Ergebnis: Zwei Teams (Lotus und Virgin, Anm. d. Red.) werden in die Meisterschaft hinken, ein drittes (Campos oder Stefan) wird von einer unsichtbaren Hand in den Ring gestoßen, und für das Vierte wäre es besser eine Vermisstenanzeige aufzugeben", lästerte der unbekannte Verfasser.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel