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Der Spanier Fernando Alonso wurde 2005 und 2006 mit Renault Weltmeister © getty

Die Tests sind beendet, die Formel-1-Welt fiebert dem Saisonauftakt entgegen. Sport1.de unterzieht die WM-Anwärter dem Formcheck.

Von Julian Meißner

München - Zehn Tage noch werden die Experten rund um den Globus über den Leistungsstand des Starterfeldes orakeln, bevor es am kommenden Freitag in der Wüste von Bahrain für die Teams beim ersten offiziellen Training der Saison ernst wird.

Nach dem Abschluss der Testfahrten in Barcelona ist nicht nur der Weltmeister davon überzeugt, dass es im Kampf ums Podium zunächst ausgesprochen eng zugehen dürfte (DATENCENTER: Die Saison 2010 im Überblick).

"Ich denke, es sind mehr als vier Teams an der Spitze", sagte Jenson Button, der mit Lewis Hamilton für McLaren an den Start gehen wird, gegenüber "Reuters": "Da sind wir, Ferrari, Mercedes und Red Bull. Aber Sauber und Force India sind nicht weit zurück, genauso Williams."

Am Sonntag ließen die Teams zum Testfinale die Muskeln spielen, fuhren schnelle Runden mit wenig Benzin. Dabei zeigte sich, wie hoch die Leistungsdichte tatsächlich ist: Die ersten acht Fahrer trennten nicht einmal eine halbe Sekunde (SERVICE: Alles Tests, alle Zeiten).

Haug: "Red Bull ist vorn"

Aus deutscher Sicht liegen die größten Hoffungen auf Vize-Weltmeister Sebastian Vettel mit Red Bull und natürlich Rekord-Champion Michael Schumacher im Mercedes-Silberpfeil. Auch wenn beide Teams mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, stehen die Chancen auf einen deutschen Weltmeister gut wie lange nicht mehr.

Norbert Haug schiebt die Favoritenrolle jedoch weit von seinem Mercedes-Team und sieht die Teams auch nicht auf Augenhöhe: "Ich glaube nicht, dass Gleichstand ist. Red Bull ist vorne", sagte Haug bei "ServusTV", schränkte aber ein: "Die Konkurrenzsituation ist enger denn je. So hart wie jetzt war es noch nie. Es ist alles am Limit."

Routinier Schumacher bringt die nebulöse Lage auf den Punkt: "Testen ist eine Sache, Rennfahren eine andere."

Sport1.de unterzieht die WM-Anwärter kurz vor Saisonstart dem Formcheck.

Ferrari:

Zu Beginn der vierstufigen Testphase war die Scuderia die klare Nummer eins, am Ende zog die Konkurrenz nach: Ferrari ist nach dem Seuchenjahr 2009 auf jeden Fall wieder voll da.

"Wir sind sowohl vom reinen Speed als auch von der Pace auf die Distanz in der Topriege dabei", sagt Teamchef Stefano Domenicali, dessen Fahrer in den 15 Testtagen die meisten Runden von allen absolvierten und so die Standfestigkeit des F10 unterstrichen.

Auch die Integration Fernando Alonsos scheint gelungen - mit ihm und dem genesenen Felipe Massa hat die Scuderia zwei echte Siegfahrer in ihren Reihen. Das rote Paket scheint momentan teuflisch gut zu sein.

Red Bull:

Die Vorbereitung beim Vize-Weltmeister in der Konstrukteurs-WM 2009 lief nicht ganz reibungslos, doch man steigerte sich. Erst verpasste Red Bull die Testphase in Valencia, dann hatte man mit der Zuverlässigkeit des RB6 zu kämpfen.

Immerhin gelangen Vettel und Mark Webber genau wie Ferrari und McLaren drei Bestzeiten. Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz erhöht jedenfalls den Druck auf sein Team: "Letztes Jahr wollten wir unter die Top Drei kommen, das haben wir erreicht. Dieses Jahr müssen wir um die WM kämpfen."

Vettel dämpfte die Erwartungen nach Abschluss der Tests, bei den auch für den Heppenheimer Ferrari den stärksten Eindruck hinterließ: "Dahinter wird es zwischen uns, McLaren und Mercedes eng. Ganz vorne sehe ich uns noch nicht."

McLaren-Mercedes:

Nach dem verkorksten Jahr 2009 mit nur zwei Siegen sind die Briten den Testergebnissen zufolge mit dem vom starken Mercedes-Motor ausgerüsteten MP4-25 wieder bei der Musik dabei. Dafür spricht nicht zuletzt die Bestzeit Hamiltons am Schlusstag und die Tatsache, dass sich der Brite auch vom Speed auf Longruns begeistert zeigte.

Die Fahrerkonstellation mit Jenson Button als zweitem Piloten ist ebenfalls sehr vielversprechend: Zwei Weltmeister bei McLaren gab es zuletzt 1989 mit Alain Prost und Ayrton Senna. Fraglich ist jedoch, ob der Mut Buttons, Hamilton herauszufordern, belohnt werden wird. Der Weltmeister von 2008 hat den Nummer-eins-Status im britischen Dream-Team und wird einen harten Brocken für seinen Nachfolger darstellen.

Ein Vorteil für Button ist, dass er einen sanfteren Fahrstil hat und damit den Reifenverschleiß der aufgrund hoher Benzinmengen schweren Autos in Grenzen halten sollte.

Mercedes GP:

Das Nachfolgeteam von Konstrukteurs-Weltmeister Brawn GP muss auf lange Sicht als heißer WM-Anwärter gelten, auch wenn es nach den Testergebnissen für die Crew um Superhirn Ross Brawn noch viel zu tun gibt.

"Wir sind ganz gut dabei, aber uns steht ein superharter Kampf bevor", fasst der Teamchef zusammen. Noch 2009 waren seine Boliden dem Rest des Feldes bei den vorsaisonalen Tests um die Ohren gefahren. Das sieht dieses Jahr anders aus: Für ganz vorne reichte es im MGP W01 für Routinier Schumacher noch gar nicht und für Jungspund Rosberg nur einmal und das wetterbegünstigt.

An den fahrerischen Qualitäten der beiden besteht dennoch kein Zweifel. Und die mit 19 Rennen extrem lange Saison dürfte der Mannschaft um Entwicklungs-Guru Brawn entgegenkommen (Schumis Warnruf: Keine schnellen Siege).

Force India / Williams / Sauber:

Keines der drei Teams wird um die WM fahren können, doch gerade beim Saisonstart könnte es die eine oder andere Überraschung geben.

Adrian Sutil (Interview) glänzte trotz geringer Testumfänge - Force India absolvierte insgesamt gerade einmal 4000 Kilometer - mit Top-Zeiten und zeigte sich äußerst zufrieden: "Vom Speed her ist das Auto konkurrenzfähig. Das müssen wir jetzt in Bahrain beweisen."

Ähnlich geht es Sauber nach der Trennung von BMW. Noch-Technikchef Willy Rampf sagt: "Wir haben unser Paket beisammen und sind bereit." Neben Shooting Star Kamui Kobayashi schicken die Schweizer Oldie Pedro de la Rosa ins Rennen 180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010).

Auch Williams mit Formel-1-Neuling Nico Hülkenberg und dem erfahrenen Neuzugang Rubens Barrichello ließ mit konstanten Platzierungen im oberen Mittelfeld aufhorchen. Hülkenberg durfte sich in Barcelona sogar eine Tagesbestzeit gutschreiben lassen.

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