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Michael Schumacher steht für die nächsten drei Jahre bei Mercedes unter Vertrag © getty

Entgegen jüngster Aussagen Schumachers peilt Mercedes GP schon beim Saisonauftakt den Sieg an. Button traut dem Braten nicht.

Von Julian Meißner

München - Es ist die Frage, die alle deutschen Motorsportfans gut eine Woche vor dem Saisonauftakt bewegt: Werden Michael Schumacher und Nico Rosberg mit ihrem "Nationalteam" Mercedes GP von Beginn an siegfähig sein?

Rekord-Weltmeister Schumacher hatte im Rahmen der Testfahrten in Spanien die Erwartungen gedämpft - Unkenrufe, die ihm seine Konkurrenten aber nicht so recht abnehmen (DATENCENTER: Die Saison 2010 im Überblick).

"Er sagt, dass er dort nicht gewinnen kann. Das glaube ich ihm nicht ganz", sagte Weltmeister Jenson Button in der "Bild" über das erste Rennen in Bahrain am kommenden Sonntag: "Er wird schnell sein, das hat man schon bei den Tests gesehen. Und dann bekommt sein Mercedes ja auch noch neue Teile, die ihn nach vorne bringen."

Sieg in Bahrain ist das Ziel

Neue Teile, in welche die komplette Silber-Crew große Hoffnungen setzt. "Bahrain", sagte Teamchef Ross Brawn nun auf der offiziellen Formel-1-Homepage auf die Frage, wann er von seinem Team erwarte, siegfähig zu sein. "Unser Ziel ist immer, das nächste Rennen zu gewinnen. Und das nächste Rennen ist Bahrain", so Brawn.

Womöglich hat die Mercedes-Mannschaft bei den Testfahrten, als man mit der Spitze des Feldes nur stellenweise mithalten konnte, geblufft (SERVICE: Alles Tests, alle Zeiten).

"Im Augenblick befinden wir uns nicht voll und ganz in der Position, in der wir gerne wären: So konkurrenzfähig zu sein, um den ersten Rennen um Siege kämpfen zu können", hatte Schumacher beim Testfinale in Barcelona gesagt (Schumis Warnruf: Keine schnellen Siege).

Zuckerbrot und Peitsche

Sein Fazit nach Abschluss der Trainingsphase hörte sich dann schon deutlich positiver an: "Wir waren häufig mit viel Benzin an Bord unterwegs, insofern spiegeln die Zeiten nicht immer das komplette Bild wieder."

Natürlich weiß ein alter Hase wie Schumacher, zu welchem Zeitpunkt man mit den richtigen Worten die letzten Reserven aus seinem Team herauskitzeln kann - und wann man den Ingenieuren eine Motivationshilfe zu geben hat.

Schumacher sagte zuletzt: "Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Bahrain, denn wir wissen auch, dass wir noch weitere Neuerungen am Auto haben werden. Die Aussichten für die ersten Rennen seien "durchaus sehr vernünftig".

Personalabbau mit Folgen

Brawn schränkte ein: "Wir sind nicht so gut vorbereitet wie ich es gerne hätte, aber wir kommen näher. Es war ein ziemlich schwieriger Winter."

Den Unterschied zwischen der alten Teamstärke von 700 Mann im Gegensatz zu den aktuellen 450 habe sich "in einigen Bereichen" bemerkbar gemacht.

"Aber ich bin einigermaßen zufrieden mit dem Auto. Es ist vielversprechend", so der Brite: "Wir müssen unser Entwicklungstempo aufrechterhalten, dann sollte es in Ordnung sein."

"Superhirn" Brawn wartet bis zum letzten Moment

Brawn, der Button im vergangenen Jahr zum Weltmeister machte, erklärt, warum man so lange mit dem Update wartet: "Wir haben bewusst entschieden, es noch nicht in Barcelona zu bringen, sondern bis zum letzten Moment zu warten." Man habe gelernt, abzuwägen und neue Teile einzuführen ohne sie getestet zu haben.

Mit Schrecken erinnert sich die Konkurrenz an den berüchtigten Doppel-Diffusor, mit dem Brawn GP in der Anfangsphase der Vorsaison das Feld aufmischte.

"Das ist äußerst wichtig, wenn man während der Saison keine Tests hat, da man die Upgrades während des Jahres zu den Rennen anbringt", sagte Brawn: "In Barcelona hatten wir kleine Teile, aber das Haupt-Upgrade wird in Bahrain kommen."

Red Bull und McLaren hatten schon in Barcelona vorgelegt und die nächste Entwicklungsstufe ihrer Boliden gezündet.

Rosberg vor der Woche der Wahrheit

Schumachers junger Kompagnon Rosberg erwartet durch die neuen Teile einen "Riesensprung". Dem Wiesbadener war am vorletzten Tag der Tests in Barcelona die einzige Bestzeit der Silberpfeile geglückt.

Für ihn wird das erste Rennen von entscheidender Bedeutung sein. Zum ersten Mal misst sich der Weltmeister-Sohn unter Wettbewerbsbedingungen mit dem erfolgreichsten Fahrer aller Zeiten - eine große Chance, aber eben auch ein harter Prüfstein.

Rosberg hat sich nach 70 Rennen für das traditionsreiche, aber zuletzt nicht siegfähige Williams-Team endlich ein Cockpit bei einer absoluten Top-Mannschaft erarbeitet 180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010).

Dem ungleich höheren Druck muss der 24-Jährige nun standhalten und aufpassen, dass er nicht schnell zur Nummer zwei degradiert wird.

Denn: Das Material der beiden wird - Upgrade hin oder her - identisch sein.

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