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Partner oder Rivalen? Fernando Alonso und Felipe Massa (r.) beim Ferrari-Launch © imago

Für Ferrari läuft im Moment alles nach Plan - doch das Verhältnis der Top-Piloten bietet Anlass für Konflikte. Das Team im Check.

Von Marc Ellerich

München - Im Moment ist die Welt bei Ferrari nicht rot - sie ist rosarot. Die Vorbereitung auf die neue Saison verlief perfekt, vielen gilt die Scuderia nach beeindruckenden Testfahrten noch vor dem ersten Rennen als erster Anwärter auf den Titel 180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010)

Auch die leitenden Angestellten des italienischen Traditionsrennstalls blicken - nur ein Jahr nach dem schlechtesten Saisonstart aller Zeiten - voller Optimismus auf den ersten Grand Prix des Jahres am kommenden Wochenende in Bahrain (DATENCENTER: Die Saison 2010 im Überblick).

"Großartige Arbeit"

"Das ist das beste Auto, das ich je hatte", schwärmte der spanische Neuankömmling Fernando Alonso in der Testphase vom F2010: "Es gibt keinen Grund pessimistisch zu sein. Klar ist, dass wir großartige Arbeit geleistet haben." (SERVICE: Alles Tests, alle Zeiten)

Etwas zurückhaltender gab sich Felipe Massa, der nach seinem schweren Unfall beim Ungarn-Grand-Prix wieder völlig genesen nach Manama reisen: "Ich stimme nicht mit all denen überein, die behaupten, dass wir die Stärksten sind. Ich denke, wir sind vorne mit dabei."

Doch auch der sonst eher defensive Teamchef Stefano Domenicali blickt zuversichtlich aufs erste Rennen: "Wir haben hart gearbeitet. Ich bin sicher, dass wir sowohl vom reinen Speed als auch von der Geschwindigkeit über die Distanz in der Topriege dabei sind." (Sport1.de-Check: Ein halbes Dutzend jagt die Roten)

"Er wusste es, ohne Zweifel"

Alles eitel Sonnenschein also bei den Roten. Wäre da nicht die unfriedliche Diskussion, die vor allem von spanischen Medien ins Team getragen wird.

Schon im vergangenen Herbst zogen erste dunkle Wolken auf: Zitate Massas machten die Runde, in denen der Brasilianer den Spanier der Mitwisserschaft in der Renault-"Crashgate"-Affäre bezichtigte.

"Er wusste es, ohne Zweifel. Er musste es wissen. Es geht gar nicht, dass er es nicht wusste. Da bin ich mir absolut sicher", soll Massa im Vorfeld des Brasilien-Grand-Prix in brasilianischen Medien zu Alonsos Rolle beim inszenierten Unfall von Nelson Piquet jr. 2008 in Singapur geäußert haben.

Massas Giftpfeile

Dann wiederum hieß es Massa, habe Alonso aufgefordert, härter an seiner Integration ins Team zu arbeiten.

Und schließlich machte der Satz des Vize-Weltmeisters von 2008 die Runde, er wolle 2010 den besten Piloten der Welt schlagen - womit der Rückkehrer und frühere Teamkollege Michael Schumacher gemeint war, nicht sein neuer Partner Alonso, seines Zeichens immerhin Doppel-Weltmeister.

Beide Ferrari-Piloten versuchten später, den Worten die Brisanz zu nehmen. Besonders Alonso, der vermeintliche Adressat der Giftpfeile, gab sich öffentlich betont gelassen: "Ich weiß gar nicht, worüber wir hier reden. Ich habe mich bei Ferrari auf Anhieb wohlgefühlt und bin aufs Wärmste willkommen geheißen worden."

"Die Paarung passt"

Und auch Massa gab sich alle Mühe kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Er habe sich bisher mit jedem seiner Teamkollegen gut verstanden, betonte der Mann aus Sao Paulo: "Ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass es auch zwischen mir und Fernando keine Schwierigkeiten geben wird. Wir arbeiten gut zusammen, und das ist alles, was zählt." Die Geschichten nennt er erfunden.

Der dreimalige Weltmeister, Formel-1-Legende Niki Lauda, sieht im Sport1.de-Interview ebenfalls keinen Anlass für Konflikte: "Die Paarung passt absolut."

Surer: Wie 2007

Doch nicht jeden überzeugt die demonstrativ nach außen getragene Friedfertigkeit der beiden WM-Favoriten.

Der TV-Experte und frühere Formel-1-Pilot Marc Surer etwa rechnet mit dem großen Knall.

Gegenüber "Motorsport-Total.com" sagte der Schweizer: "Für mich brodelt es da. Im Moment gibt es keinen Grund zum Streiten, weil jeder für sich seinen Job macht, aber wart mal ab. Ich würde mich sehr wundern, falls es da nicht zu Problemen kommen sollte."

Surer verweist auf Alonsos Start im McLaren-Team, der 2007 ähnlich verlaufen sei wie der bei Ferrari. Erst viele warme Worte, dann der offene Zwist mit seinem schnellen Teamkollegen Lewis Hamilton: "Genauso hat es bei McLaren angefangen: 'Das ist mein Team, das ist mein Auto, alles top!' Das Problem war dann beim ersten Rennen, als Hamilton vor ihm fuhr."

"Du A...loch"

Und dann ist da noch jener Dialog zwischen Massa und Alonso, der von den Beobachtern allgemein als Beginn einer innigen Feindschaft bewertet wird.

2007 gingen sich beide nach dem Europa-Grand-Prix auf dem Nürburgring verbal an die Gurgel. Fünf Runden vor Schluss raste der spätere Sieger Alonso an Massa vorbei und wurde von diesem gerammt. Anschließend warfen sich beide Piloten übelste Kraftausdrücke an den Kopf.

" Du A?loch" soll Massa den spanischen Rivalen in einem Wutanfall sogar tituliert haben.

Vergeben, vergessen, wir sind ein Team, beteuern beide drei Jahre später. Doch der ernsthafte Belastungstest im Rennen steht für die fragile Beziehung der beiden Ferrari-Stars noch aus. Bleiben in den ersten Grand Prix des Jahres bei einem der beiden - anders als erwartet - die Glanzleistungen aus, könnte es sein, dass sich dieser ziemlich schnell an die alte Rivalität erinnert.

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