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Team der Weltmeister: Jenson Button (r.) löste Lewis Hamilton (l.) als Champion ab © imago

Zwei Champions auf einmal geht das gut? Selbst der Teamchef rechnet mit Zwist zwischen Button und Hamilton. McLaren im Check.

Von Marc Ellerich

München - Michael Schumachers Comeback mit dem Mercedes-GP-Team ist die Personalie des Winters, welche die Formel-1-Fans weltweit in Hochstimmung versetzt . (210491DIASHOW: Schumis Fahrplan zum Comeback)

Doch kaum ein Wechsel hat in der Fachwelt ähnliche Diskussionen ausgelöst wie der des Weltmeisters Jenson Button, der - angeblich im Streit - das eine britische Team gegen das andere eintauschte. (Teamcheck Teil 1: Wie lange hält der Frieden bei Ferrari?)

Seit Buttons Abschied von Brawn GP zu McLaren im Herbst bekannt wurde, debattieren die Beobachter der höchsten PS-Liga Für und Wider des spektakulären Teamwechsels. (SERVICE: Alles Tests, alle Zeiten)

"Motivierter als je zuvor"

Warum nur, so lautete die meistgestellte Frage, die Button seither auf Schritt und Tritt begleitete, hat er sich das angetan: Die Rolle als Nummer 1 im Weltmeister-Team einzutauschen gegen ein erbittertes teaminternes Duell mit seinem rasend schnellen Weltmeister-Vorgänger Lewis Hamilton. Ein Duell, das Button nach Meinung vieler Kenner nicht gewinnen wird (DATENCENTER: Die Saison 2010 im Überblick).

Button selbst hat seine Entscheidung mehrfach begründet, zuletzt in einem Interview mit der "Welt am Sonntag". Er habe stets nach einem Titelgewinn sein Team oder die Rennserie gewechselt, behauptete der Champion in dem Gespräch - sein Schritt sei also nur mehr konsequent.

"Ich brauchte eine neue Herausforderung, bei Mercedes hätte ich die nötige Motivation nie mehr so gehabt. Bei McLaren bin ich nun motivierter als je zuvor." (Sport1.de-Check: Ein halbes Dutzend jagt die Roten)

Irvine: Absoluter Irrsinn

Dass er es beim britischen Traditionsteam nun mit einem furchteinflößenden Kollegen zu tun bekommen wird, versetzt Button nach eigenem Bekunden nicht in Panik.

"Natürlich weiß ich um Lewis' Können", formulierte er, "aber gerade das fordert mich heraus. Ich sehe das ganz sportlich. Er ist eine Herausforderung."

Eine deutlich zu große, wenn man Eddie Irvine glauben schenkt. Der frühere Formel-1-Playboy packte seine Zweifel in drastische Formulierungen.

"Jenson hat sich in die Höhle des Löwen begeben, ein absoluter Irrsinn von ihm", sagte der ehemalige Teamkollege von Michael Schumacher zu "ESPN": "Er glaubt, dass er einen Stich machen wird, das wird aber nicht der Fall sein. Ich glaube, Hamilton wird ihn killen. Es war die schlechteste Entscheidung, die er hätte fällen können."

"Das nenne ich Klasse"

In der zweiten Saisonhälfte 2009 habe Button nicht mehr mit seinem Teamkollegen Rubens Barrichello mithalten können, begründete Irvine sein Urteil. Und "schaut man sich Jensons Karriere an, stellt man fest: Er ist von Ralf Schumacher geschlagen worden, er ist von Giancarlo Fisichella geschlagen worden und so weiter. Es gab zu viele Rennen, wo er keine anständige Leistung abgeliefert hat."

Ganz anders Hamilton: "Lewis kam 2007 erstmals in die Formel 1 und hat auf Anhieb den zweifachen Weltmeister Fernando Alonso geschlagen, das nenne ich Klasse." 180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010)

Surer: Button ist beleidigt

Auch der dreimalige Weltmeister Niki Lauda sieht Button im Interview mit Sport1.de in einer schwierigen Konstellation bei McLaren: "Ob er sich verpokert hat, wird sich zeigen. Ich bin kein Hellseher. Aber mit Lewis wird er ein Problem bekommen. Der ist eine harte Nuss." (Formel-1-Legende Niki Lauda, sieht im Sport1.de-Interview)

Ähnlich formulierte es der frühere Schweizer Formel-1-Pilot und heutige TV-Experte Marc Surer. "Er ist beleidigt, weil die Leute sagen, dass er nur des guten Autos wegen Weltmeister geworden ist", analysierte Surer bei "Motorsport-Total.com": "Jetzt will er beweisen, dass er sogar Lewis schlagen kann. Dass er das zeigen will, spricht für ihn, aber wahrscheinlich geht der Schuss eher nach hinten los."

Button: Bin mit mir im Reinen

Die Tests vor der Saison scheinen die Kritiker in ihrem Urteil zu bestätigen. Gleich dreimal legte Hamilton an den 15 Testtagen in Jerez und Barcelona die schnellste Rundenzeit hin, Button gelang dies nur einmal.

Die vielen Zweifel lässt Button scheinbar ungerührt an sich abprallen. Sein Titelgewinn vom Vorjahr im - in der zweiten Hälfte der Saison unterlegenen Boliden - habe ihm gezeigt, "wo ich fahrerisch stehe. Dadurch bin ich mit mir im Reinen und muss niemandem mehr etwas beweisen".

"Wie wäre es mit Jenson?"

Aber was passiert, wenn der Weltmeister von Anfang an in Schwierigkeiten gerät und seinem Kollegen nicht zu folgen vermag? Blüht dann ein neuer Rosenkrieg bei den Silbernen, ein zweiter "Krieg der Sterne", so wie ihn Hamilton und Alonso 2007 erbittert vorführten?

In der frühen Phase der Saison betonten beide Piloten auffallen oft, wie gut sie miteinander auskämen. "Einmal wird Lewis vorne fahren, mal ich - das wird sich abwechseln, vermutlich das ganze Jahr über. Darüber sind wir uns beide im Klaren, wir finden das sportlich und aufregend", antwortete Button auf Fragen nach möglichen Konflikten. Irritationen seien durchaus möglich, "aber das gehört halt zum Geschäft", beteuerte er.

Und Hamilton gab an, dass schließlich er es gewesen sei, der sein Team erst auf Button aufmerksam gemacht habe: "Was viele nicht wissen: Ich habe Martin Whitmarsh (McLaren-Teamchef, d. Red.) angerufen und gefragt: 'Wie wäre es mit Jenson?'"

Whitmarsh rechnet mit Ärger

Auch Formel-1-Insider Gerhard Berger glaubt nicht, dass die beiden Briten sich einen öffentlichen Hauskrach leisten werden wie Alonso und Hamilton vor drei Jahren.

"Beide sind Weltmeister und extrem stark, aber beide sind von der Persönlichkeit her so, dass man davon ausgehen kann, dass das funktionieren wird", vermutete der Österreicher.

Einer hingegen traut dem öffentlich zur Schau gestellten Frieden der beiden Platzhirsche nicht. Ausgerechnet Teamchef Martin Whitmarsh ahnt, das auf ihn in der neuen Saison durchaus Ärger zukommen könnte: "An einem gewissen Punkt wird sich einer der beiden unwohl fühlen, weil er vom anderen geschlagen wird."

Und so wird es die große Kunst für den zweiten silbernen Rennstall im Feld sein, den Ehrgeiz seiner beiden Stars möglichst lange in die richtigen Bahnen zu lenken - am besten direkt auf den Titel zu.

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