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Schumacher gewann mit Brawn sieben WM-Titel - fünf mit Ferrari, zwei mit Benetton © getty

Mercedes und Michael Schumacher stapeln vor dem Auftakt tief, Willi Weber malt schwarz. Teil 4 des Sport1.de-Favoritenchecks.

Von Julian Meißner

München - Bescheidenheit ist eingekehrt beim "Nationalteam des Motorsports", wie Dieter Zetsche das im Januar aus der Taufe gehobene Team Mercedes GP nennt.

"Der Stern soll auf der globalen Bühne glänzen", hatte der Daimler-Chef in Stuttgart gefordert, als man mit Rekord-Weltmeister Michael Schumacher und Nico Rosberg die beiden Piloten präsentierte, die mit dem neuen Silberpfeil MGP W01 die Krone des Motorsports nach Deutschland holen sollen. Sprich: Siege müssen her für den Nachfolger des Weltmeisterteams um Superhirn Ross Brawn.

Auch auf einen erneuten Titelgewinn hat der siebenmalige Champion Schumacher im reifen Rennfahrer-Alter von 41 Jahren selbstverständlich ein Auge geworfen (Vorschau: Alle jagen Schumi).

Der 24-jährige Rosberg, der mit 70 Grands Prix weniger Rennen bestritten als Schumacher gewonnen hat, peilt zunächst an, erstmals in der Königsklasse ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.

Haug und Co. stapeln tief

Doch je näher der Saisonstart rückt, desto weniger forsch klingen die Stimmen aus dem silbernen Lager. Die Zuversicht scheint gewichen - sofern es sich nicht nur um Understatement handelt, um die Konkurrenz zu foppen.

Schumacher jedenfalls erklärte am Rande der Testfahrten, es werde eine Weile dauern, bis man um Siege mitkämpfen könne. Ganz vorne seien andere Teams (SERVICE: Alles Tests, alle Zeiten).

Mercedes-Sportchef Norbert Haug stapelt ebenfalls tief: "Wir machen uns den nötigen positiven Druck im Team, und wir wollen alle das eine: Rennen und Titel gewinnen. Dass dies in einer neuen Konstellation wie unserer nicht auf Anhieb klappen muss, weiß man, wenn man die enorme Wettbewerbsdichte der Formel 1 richtig einschätzt."

"Quick Nick" sieht Red Bull vorne

Testpilot Nick Heidfeld, der dritte Deutsche im Bunde, schiebt die Favoritenrolle unmittelbar vor dem Saisonauftakt ebenfalls der Konkurrenz zu (DATENCENTER: Die Saison 2010 im Überblick) .

"Der Red Bull ist eindeutig das beste Auto. Es ist schon fast erschreckend, wie einfach sich Sebastian Vettel und Mark Webber am Limit bewegen", sagte Heidfeld zu "auto, motor und sport". (Red Bull im Teamcheck: Kampf um die Nummer eins

Weber schlägt Alarm

Angst und Schrecken auch bei Schumacher? Willi Weber, langjähriger Begleiter des Kerpeners, jedenfalls schlägt Alarm.

Er sagte der "Sportbild" über Schumacher, der sich mittlerweile von seiner Pressesprecherin Sabine Kehm managen lässt: "Ich habe ihn noch kurz vor der Abreise nach Bahrain lange gesprochen. Ich habe ihn noch nie so angespannt, aggressiv und fast ratlos erlebt. So kenne ich ihn gar nicht."

Ecclestone schwant Böses

Und Weber ist nicht der einzige, der sich Sorgen um Schumacher macht.

Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone wird in der "Times" zitiert: "Im Moment wissen wir nicht, was Michael für ein Auto hat, und es sieht so aus, als könnte er nicht vorn dabei sein. Wir alle wissen, wie er ist, wenn die Dinge nicht so laufen, wie er möchte. Er könnte die Geduld verlieren, wenn er irgendwo im Mittelfeld feststeckt."

Dass Ecclestone gerne einmal zugunsten des Geschäfts dramatisiert, ist nicht neu. Fakt ist jedoch: Schumacher kann bei seinem sensationellen Comeback, das unter den größten der Sportgeschichte einzuordnen ist, sehr wohl verlieren.

"Nico hat nichts zu verlieren"

Sollte sich Rosberg als der stärkere Fahrer entpuppen, würde das deutliche Spuren am Denkmal des erfolgreichsten Fahrers aller Zeiten hinterlassen. Rosberg dagegen kann relativ befreit drauflos fahren.

Heidfeld, selbst in 167 Rennen zwölfmal auf dem Podium, sagt: "Nico hat gar nichts zu verlieren. Ist er schneller als Michael, ist er der Held. Ist Michael schneller, sehen die Leute das als normal an."

Rosberg sieht sich auf Augenhöhe

Rosberg selbst spricht von einer "super Zusammenarbeit" zwischen den ungleichen Partnern, die für ihren schwächelnden Boliden in Bahrain noch ein umfangreiches Update-Paket bekommen.

"Ich denke, dass ich von ihm schon etwas lernen kann", sagt Weltmeistersohn Rosberg über seinen illustren Teamkollegen: "Aber auch ich habe mittlerweile einige Jahre Erfahrung in der Formel 1, und Michael hat drei Jahre keine Formel-1-Rennen mehr bestritten, so können wir sicherlich unsere Erfahrung austauschen. Ich habe das Ziel, mit ihm im Rennen auf Augenhöhe zu fahren."

"Alle Gegner wollen eins"

Damit ist er angesichts des hochkarätigen Fahrerfelds mit Fernando Alonso (Ferrari), Lewis Hamilton (McLaren) und Sebastian Vettel (Red Bull) nicht alleine 180745(DIASHOW: Die Startliste 2010) .

Oder, wie es Ecclestone formuliert: "Es ist wie bei allen großen Comebacks der Sportgeschichte, beispielsweise das des legendären Muhammad Ali. Alle haben weltweit zugeschaut. Die eine Hälfte wollte, dass er gewinnt, die andere Hälfte, dass er schrecklich aufs Maul bekommt. Aber die Gegner wollten alle eins: den Größten vom Sockel stoßen und sich so selbst ein Denkmal setzen."

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