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Heikki Kovalainen absolvierte vor Bahrain 52 Grands Prix für Renault und McLaren © getty

Das Schlimmste wurde befürchtet für die drei neuen Teams Lotus, Virgin und Hispania. Sport1.de beleuchtet ihr erstes Saisonrennen.

Von Julian Meißner

München - Was war nicht geunkt worden über die Neulinge vor dem Saisonauftakt in Bahrain.

Als "Micky-Mouse-Teams" hatte Mark Webber, Vorsitzender der Pilotenvereinigung GPDA, die Rennställe USF1 (mittlerweile zurückgezogen), Stefan GP (nicht zugelassen) und Campos (nun Hispania) bezeichnet.

Alle drei hatten zu diesem Zeitpunkt keinen einzigen Testkilometer auf dem Konto.

Erst zehn Tage vor dem Rennen veröffentlichte der Automobil-Weltverband FIA die Startliste, mit dabei war als einziger der Wackelkandidaten das Hispania Racing Team (HRT).

Ihre Positionen auf dem Grid sicher hatten da bereits Rückkehrer Lotus und Timo Glocks Virgin Racing, das aus dem Manor-Team hervorging.

Wie haben sich die Neuen geschlagen? Sport1.de beleuchtet das erste Saisonrennen der drei Teams, die allesamt mit Cosworth-Motoren an den Start gehen.

Lotus

Im Gegensatz zu Virgin und Hispania brachte das Team mit dem großen Namen gleich beide Autos ins Ziel. Heikki Kovalainen wurde eine Runde hinter dem Sieger Fernando Alonso 15., Jarno Trulli hatte gegen Rennende mit einem Hydraulikproblem zu kämpfen und überquerte die Ziellinie an Position 17 als letzter gewerteter Fahrer (SERVICE: Das Rennergebnis) .

Dementsprechend gut war die Stimmung bei der unter malaysischer Flagge startenden Crew. Teamchef Tony Fernandes jubelte: "Ich kann meine Gefühle kaum in Worte fassen. Sechs Monate harte Arbeit, und beide Autos kommen ins Ziel: Das ist unglaublich! Es ist ein toller Beginn und mehr, als wir uns erträumen konnten."

Schon bei den Tests hatte sich Lotus als das konstanteste der neuen Teams erwiesen - in Bahrain gab es außerdem einen ganz besonderen Glücksbringer.

Fernandes, der als Geschäftsmann der Fluglinie AirAsia vorsitzt, berichtete: "Vor dem Rennen gab mir Clive Chapman die alte Lotus-Mütze von Colin Chapman und sagte: 'Wenn Ihr das erste Rennen gewinnt, musst Du sie so in die Luft werfen, wie es mein Vater immer gemacht hat.' Das war eine tolle Geste und bedeutet mir sehr viel."

Der britische Konstrukteur Chapman senior hatte das legendäre Team 1954 gegründet. Bis 1978 feierte man mit Fahrern wie Jim Clark und Graham Hill insgesamt 13 WM-Titel, ehe man sich nach Jahren der Erfolglosigkeit 1994 aus der Königsklasse zurückzog.

Virgin

Timo Glock (Getriebe) fiel in Runde 18, Lucas Di Grassi (Hydraulik) in Runde drei aus. Dennoch war das Team des britischen Milliardärs Richard Branson nicht unzufrieden. Denn im Qualfying hatte man sich mit Glocks Startposition 19 unter den Neulingen am besten platziert und hielt sich auch im Rennen vor der direkten Konkurrenz.

Zudem sah Nick Wirth durch den Rennspeed des VR-01 den Ansatz gerechtfertigt, das Chassis ohne Windkanal komplett am Computer entwickelt zu haben. "Wir verlassen unseren ersten GP enttäuscht, da wir keines der beiden Autos ins Ziel gebracht haben", sagte der Technische Direktor: "Wenigstens haben sich unsere Probleme aus den Wintertests nicht wiederholt."

In Spanien hatte Virgin aufgrund technischer Malaisen zusammengerechnet gerade einmal 1.500 Testkilometer absolviert.

"Am wichtigsten ist, dass wir nun wissen, dass unser Glaube an das reine CFD-Design (Computational Fluid Dynamics, Numerische Strömungssimulation, Anm. d. Red) berechtigt war", so Wirth, der stolz anfügte: "Wir haben bewiesen, dass wir ein konkurrenzfähiges Formel-1-Auto gebaut haben."

Hispania

Auch HRT kann mit einem großen Namen wuchern - doch das allein reicht noch lange nicht für eine zufriedenstellende Performance. Bruno Senna, 26-jähriger Neffe des legendären Ayrton, rollte nach 18 Runden mit einem Motorschaden aus. Für seinen Teamkollegen Karun Chandhok (Dreher) war schon nach zwei Runden Schluss. Der indische Bezahlfahrer war bis zum Qualifying keine einzige Runde gefahren.

Dass Hispania nach der Übernahme von Campos in Bahrain überhaupt zwei Boliden an den Start brachte, ist angesichts der Kürze der Zeit schon als Erfolg zu werten.

Senna sprach von einer "Erleichterung", so viele Runden abgespult zu haben.

"Ich hatte ein gutes Setup. Meine Ingenieure werden beim kommenden Rennen eine bessere Basis haben, auf der sie aufbauen können", sagte der Brasilianer.

Auch der deutsche Teamchef Colin Kolles, sturmerprobt durch seine Zeiten bei Midland und Spyker, äußerte sich positiv:

"Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist. Wir kehren mit einer Menge wichtiger Daten nach Hause zurück, um Fortschritte zu erzielen, wenn die Saison beim zweiten Grand Prix fortgesetzt wird. Hauptaugenmerk des Teams lag darauf, endlich mit beiden Autos auf der Strecke zu fahren."

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