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Unangenehmes Deja vu: Sebastian Vettel im Vorjahr beim Training in Melbourne © imago

Red Bull wirft Mercedes bei der Motoren-Entwicklung Wettbewerbsverzerrung vor. Dort ist man wenig begeistert. Die FIA reagiert.

Von Marc Ellerich

München - Es ist kein offener Zwist, eher eine Art "Kalter Krieg" - doch vom Ausgang der Streitigkeiten könnte letztlich sogar der WM-Titel von Sebastian Vettel abhängen.

Red Bull und Mercedes liefern sich seit Wochen eine Fehde, in die zuletzt auch der Automobil-Weltverband FIA eingreifen musste. Streitobjekt sind die Renault-Motoren, die den Red-Bull-Renner antreiben (Sport1.de-Teamcheck: Red Bull).

Die FIA hatte vor einigen Jahren beschlossen, dass die Teams ihre Aggregate aus Kostengründen auf dem Stand von 2007 einfrieren müssen - die unterschiedlichen Triebwerke sollten einander angeglichen und die Fortentwicklung der Motoren verboten sein. Ziel des Verbots war es, ein kostspieliges Wettrennen der Motoren-Hersteller zu unterbinden.

Neweys Attacke

Der Vorwurf von Red Bull lautete: Mercedes habe das Verbot bereits vor der vergangenen Saison clever unterlaufen, habe die Regeln offiziell zwar nicht gebrochen, aber sich nicht an den "Geist des Reglements" gehalten. (214240DIASHOW: Fahrerzeugnis des Bahrain-Grand-Prix).

"Fakt ist, dass der Mercedes-Motor im vergangenen Jahr einen ordentlichen Vorsprung auf den Rest des Feldes genossen hat", sagte Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey in einem Interview des "Observer": "In Bezug auf die Rundenzeit war dieser beträchtlich, einige Zehntelsekunden." (Sport1.de-Teamcheck: Mercedes GP)

Ungleiches Duell

2009 wurden die Rennwagen von McLaren-Mercedes, Force India und Brawn GP von Mercedes-Motoren angetrieben, Brawn-Pilot Jenson Button sicherte sich mit dem Antrieb der Deutschen schließlich den Weltmeister-Titel.

Vettel und sein Red-Bull-Team hingegen hatten vor allem in der ersten Saisonhälfte immer wieder mit Zuverlässigkeitsproblemen des Renault-Motors zu kämpfen.

Darauf bezog sich der Vorwurf von Newey, man habe im Vorjahr einen Kampf mit ungleichen Waffen geführt: "Mercedes entwickelte sehr intensiv, obwohl die Motoren eingefroren sein sollten, wohingegen viele andere, Renault insbesondere, sehr ehrlich waren und man sagte: 'Es ist ein eingefrorener Motor, wir werden nicht weiterentwickeln.' Und sie fielen zurück."

"Die wollten uns nicht"

Ein pikanter Aspekt ist, dass Red Bull in der Vorsaison mit Mercedes über eine Zusammenarbeit für 2010 verhandelte hatte, diese aber angeblich am Veto des Mercedes-Partners McLaren gescheitert war.

Bei Red Bull hinterließ der geplatzte Wechsel offenbar einigen Groll. Warum sonst hätte Motorsportchef Helmut Marko auf dem konzerneigenen TV-Kanal mit dem Satz nachtarocken sollen: "Die wollten uns nicht. Sie wussten genau, wenn wir diesen Motor auch noch drin haben, sehen sie uns gar nicht mehr - ohne überheblich zu sein"?

Erlaubnis der FIA

Nachdem zuletzt auch Teamchef Christian Horner den Weltverband zum Handeln aufgefordert hatte - "sonst gewinnen die Autos mit Mercedes-Motor am Ende alle Rennen - und das wäre nicht gut für die Formel 1" - wurde der Weltverband weich.

Renault erhielt die Erlaubnis am Triebwerk zu arbeiten. Zwar nur kosmetisch, denn es darf nur die Zuverlässigkeit des Motors verbessert werden, aber genau daran haperte es ja beim französischen Antrieb.

Mercedes: Hausaufgaben nicht gemacht

Bei Mercedes kommt der Beschluss naturgemäß nicht sehr gut an, die Stuttgarter sehen sich um die Früchte hervorragender Ingenieurskunst gebracht.

"Das ist so, als wenn man in der Schule seine Hausaufgaben nicht macht und darf die vermasselte Arbeit dann einfach noch mal schreiben", zitierte der Kölner "Express" einen Mercedes-Verantwortlichen.

Ansonsten hielten sich die Verantwortlichen der Silberpfeile auffallend zurück, vielleicht auch um die schönen Schlagzeilen über das Schumacher-Comeback nicht mit dem hässlichen Kleinkrieg mit dem WM-Rivalen zu beflecken.

Hamilton: Red Bull lächerlich schnell

Auch will man womöglich das - durch die fortgeschrittene Trennung vom britischen Partner ? verbesserte Verhältnis zur FIA nicht schon wieder einer Belastungsprobe unterziehen.

Geht es nach McLaren-Pilot Lewis Hamilton, hätte Red Bull den Motoren-Konflikt gar nicht erst anzetteln müssen. Der britische Ex-Weltmeister, der in Bahrain die Konkurrenz mit einer Spitzengeschwindigkeit von 314,8 km/h düpierte (Vettel: 301 km/h), sieht Vettels Renner meilenweit enteilt.

"Der Red Bull ist um so viel schneller als alle anderen Autos, dass es lächerlich ist", behauptete der Engländer: "Sie haben mit Abstand das schnellste Auto, und ich denke, dass sie meistens ziemlich weit vor uns sein werden."

In Bahrain aber hatte der Champion von 2008 als Dritter seinen McLaren vor Vettel (4.) geparkt. Den Deutschen hatte ein Motorenproblem den Sieg gekostet - wieder einmal.

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