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Damals war's der Regen: Sebastian Vettel nach dem Qualifying in Sao Paulo 2009 © imago

Nach seinem Aus in Australien setzt Sebastian Vettel sein Team unter Druck. Das Saisonziel gerate durch die Technik in Gefahr.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel hatte sich geirrt, das Ergebnis blieb dasselbe.

Nicht eine defekte Bremsscheibe, wie von Vettel vermutet, eine lockere Radmutter war Ursache für den unvermittelten Ausfall des in Führungen liegenden Deutschen beim Australien Grand Prix.

"Irgendwie hat sich die Radmutter gelöst", korrigierte Red-Bull-Teamchef Christian Horner laut "auto, motor und sport" einige Stunden nach dem Rennen Vettels erste Diagnose, ihm sei nach 26 von 58 Runden in Kurve 13 die Bremsscheibe geplatzt. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Red Bull stochert im Nebel

Dass diese Erkenntnis den arg geknickten Vettel ("Am liebsten würde ich jetzt ehrlich gesagt nach Hause fliegen") trösten wird, darf getrost bezweifelt werden.

Schlimmer noch aus Sicht des 22-Jährigen: Obwohl sein Arbeitgeber den Verursacher des abrupten Ko.-Schlags ausgemacht hatte, musste Horner zugeben, dass er und seine Ingenieure auch weiterhin im Nebel stochern.

"Wir wissen noch nicht, ob es ein Problem der Radmutter oder der Felge war. Bei 6000 Testkilometern ist nichts derartiges passiert", gab der Brite zu: "Vielleicht wurde das Rad beim Boxenstopp ein bisschen schräg aufgesetzt." (218418DIASHOW: Bilder des Rennens)

Vettel fordert Konzentration

Für den jungen Deutschen, der sich vor dieser Saison auch gegenüber Sport1.de den Titel beinahe schon ultimativ als Ziel gesetzt hat, sind das alles keine beruhigenden Nachrichten.

Schon vor dem Grand Prix Down Under hatte der Pole-Setter sein Team eindringlich zu höchster Konzentration aufgefordert.

Ein Fehler wie in der Sakhir-Wüste von Bahrain, wo Vettel ebenfalls in Führung liegend von technischen Problemen eingebremst wurde und er durch hohe Steuerkunst Platz vier rettete, dürfe sich keinesfalls wiederholen.

"Schon wieder ein Defekt"

Tat er auch nicht, dafür tauchte ein neues Problem auf. Und die tiefere Erkenntnis, die sich nach den neuerlichen Schwierigkeiten aufdrängt: Vettels RB6 ist zwar unheimlich schnell, aber mindestens ebenso unzuverlässig.

Die labile Technik seines Renners beginnt Vettel zunehmend zu nerven, seine Äußerungen nach dem Rennen zeugen von der wachsenden Ungeduld des ehrgeizigen 22-Jährigen.

"Schon wieder ein Defekt", fluchte der Heppenheimer nach dem turbulenten Grand Prix am Ende der Welt: "Ich könnte jetzt mit 50 Punkten dastehen statt mit zwölf." Nur Siebter ist Vettel nach dem Pannen-Wochenende in der Fahrerwertung. (VIDEO: Die Strecke von Melbourne)

Eindeutige Botschaft

Eigene Fehler - etwa eine zu aufreibende Fahrweise - schloss der Jungstar kategorisch aus: "Ich hatte das Rennen jederzeit unter Kontrolle. Von meiner Seite hätte ich nichts besser machen können."

Die Botschaft seiner Sätze ist eindeutig: Kriegt endlich die Technik in den Griff.

Vettel, so ist der Eindruck, macht sich in der Frühphase bereits ernsthafte Sorgen um sein WM-Projekt. "To finish first, you have to finish first", zitierte Vettel den ehemaligen McLaren-Teamchef Ron Dennis.

Knallharte Forderung

Er wolle niemandem einen Vorwurf machen, gab der Deutsche sich versöhnlich, doch seine Forderung ans Team ist knallhart: "Wir geben alle unser Bestes, und ich gebe niemandem die Schuld. Doch wir müssen das in den Griff kriegen. Wir brauchen ein solides Rennen und eine Zielankunft in Malaysia."

Es ist die eigentliche Frage, die hinter all den Worten steht: Kann der vom genialen Adrian Newey designte RB6 den hart geführten WM-Kampf erfolgreich bestehen?

Lauda: So kann er den Titel vergessen

Sebastian Vettel scheint jedenfalls bereits eine unangenehme Wiederholung der Vorsaison zu befürchten, als ihm sein Red-Bull-Bolide mehrfach einen Streich spielte - und er das WM-Duell mit dem Briten Jenson Button verlor.

"Wenn wir so weitermachen, haben wir für die zweite Saisonhälfte keine guten Karten in der Hand", orakelte der Youngster.

Gewohnt deutlich formulierte es der dreimalige Weltmeister Niki Lauda gegenüber "Bild": "So kann Red Bull den Titel vergessen."

Horner: Noch mehr anstrengen

Sein Team hat die Botschaft längst verstanden - und gibt sich schuldbewusst.

"Wir müssen uns einfach noch mehr anstrengen", sagte Horner nach dem Grand Prix, der für sein Team zum Desaster wurde, da auch Mark Webber seinen zweiten Startplatz verspielte und in seiner Heimat lediglich Neunter wurde.

"Es ist frustrierend", fügte Horner an: "Aber ich tröste mich damit, dass wir ein schnelles Auto haben und dass uns die nächste Strecke besser liegen sollte. Müssen wir halt in Malaysia gewinnen."

Klingt so leicht der Plan, und scheint für das Vettel-Team im Moment doch so schwierig.

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