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Robert Kubica kam von BMW-Sauber zu Renault © getty

Robert Kubica ist in der Formel 1 der Mann der Stunde. Mit einem erstaunlichen Rennen in Australien macht er seinem Team Mut.

Von Marc Ellerich

München - Robert Kubica hatte es nach eigener Aussage schon lange geahnt.

Zwei Monate vor dem Rennen in Australien habe er sich mit einem Kumpel über die bevorstehende Saison unterhalten und einen kühnen Tipp gewagt, berichtete Kubica in Melbourne: "Ich denke, es wird in Australien möglich sein, aufs Podium zu kommen."

Ein Satz, der heute immer noch kurios klingt. Der feine Unterschied: Robert Kubica ist in Australien in seinem Renault tatsächlich aufs Podium gerast. Er wurde Zweiter hinter dem McLaren-Weltmeister Jenson Button. (218418DIASHOW: Bilder des Rennens)

Kubica: Normal unmöglich

Was nach den Gesetzen der Königsklasse durchaus als sensationell bewertet werden darf, auch wenn sich eine gute Platzierung mit der Bestzeit im ersten Training und Platz neun im Qualifying angedeutet hatte.

Natürlich kennt auch Kubica die Grenzen seines Rennwagens. "Unter normalen Umständen sind wir nicht in der Lage, aufs Podium zu fahren", kommentierte der schnelle Pole, der im Vorjahr noch den Untergang des BMW-Sauber-Teams erlebt hatte, sein erstaunliches Resultat.

"Dieses seltsame Rennen"

Den zweiten Platz erklärte der Mann aus Krakau mit "diesem seltsamen Rennen" Down Under: "Wir waren noch nicht so schnell wie die Top-Autos, aber heute war ein gutes Beispiel dafür, dass man nie aufgeben darf und harte Arbeit manchmal belohnt wird."

Wegen des fehlenden Tempos seines Renault R30, der wegen seiner schwarz-gelben Lackierung in der Öffentlichkeit schnell den Namen "Biene Maja" weghatte, wurde das zweite Rennen des Jahres für Kubica eine einzige große Zitterpartie.

Gute Nerven

"Sobald ich versuchte, Druck zu machen und eine Runde drei oder vier Zehntelsekunden schneller war, war die folgende Runde vier Zehntelsekunden langsamer", berichtete Renaults Vorfahrer: "Also schlug ich ein Tempo an, von dem ich dachte, dass es ordentlich wäre. Ich habe versucht, das Auto ohne Fehler ins Ziel zu bekommen."

Seine Strategie ging ziemlich eindrucksvoll auf. Bis auf Button kam keiner der großen Namen am entschlossenen Kubica vorbei. Aber an einem schwachen Nervenkostüm würde sein leidenschaftlicher Positionskampf ohnehin nicht scheitern - mentale Stärke hat der frühere Teamkollege von Nick Heidfeld in der Vergangenheit bereits häufiger an den Tag gelegt.

Erster Sieg in Montreal

2007 lieferte Kubica in Montreal einen der spektakulärsten Unfälle der Formel-1-Geschichte. Doch was den Beobachtern den Atem raubte, hinterließ beim Polen vergleichsweise geringe Spuren - nicht körperlich, nicht seelisch. Nur mit Mühe und auf Anordnung der FIA-Ärzte konnte Kubica dazu gebracht werden, im nächsten Rennen zu pausieren.

Ironie der Geschichte: Ein Jahr später holte nicht der bei BMW wesentlich besser angesehene Heidfeld den ersten Sieg für das bayerisch-schweizerische Team, es war Kubica, der triumphierte - und das ausgerechnet an dem Ort, an dem er im Vorjahr so schwer verunglückt war.

Renault lauert

Nun also Platz zwei mit dem Team, das nur noch auf dem Papier Renault heißt, in Wirklichkeit aber einem luxemburgischen Finanzinvestor gehört. Dem Rennstall, bei dem Kubica nach dem Verkauf angeblich gar nicht mehr bleiben wollte.

Wie es nun weitergeht mit Kubica und dem Biene-Maja-Team?

Renault sieht sich in Lauerstellung hinter den Top-Teams, auch wenn der zweite Mann, der Russe Witali Petrow zum Erfolg derzeit noch nicht viel beitragen kann.

"Er ist ein echter Racer"

"Unser Auto ist mindestens so schnell, um sich hinter den vier Großen zu positionieren", sagte Teamchef Eric Boullier: "Aber sobald da vorne Chaos herrscht, werden wir die Chance nutzen, um zu punkten. Wir haben jetzt die Moral, um es besser zu machen."

Doch "Best-of-the-rest", das reicht Boullier und den Seinen nach dem ersten Etappen-Erfolg schon nicht mehr. "Platz fünf interessiert uns nicht. Man darf nie nachlassen, nie aufgeben. Wer den Willen hat und kontern kann, der ist der wahre Sieger."

Dass der große Plan mit Robert Kubica steht und fällt, ist den Franzosen ohnehin bewusst. "Robert ist ideal für uns", sagt der Teamchef: "Er ist ein echter Racer - wie Fernando Alonso."

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