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Ansturm in Gelb-Schwarz: Michael Schumacher wehrt sich gegen Witali Petrow © imago

Nach einem sensationellen Saisonstart ist das Renault-Team mutig geworden. In China will man Mercedes den Rang ablaufen.

Von Marc Ellerich

München - Renault ist das Team der Stunde in der Formel 1. Wohl kein Experte hätte vor der Saison einen Tipp auf das einstige Weltmeister-Team gewagt, das mittlerweile nur noch den Namen des französischen Autobauers trägt, aber eigentlich einem luxemburgischen Finanzinvestor gehört.

Doch der frühere BMW-Sauber-Pilot Robert Kubica hat dem vermeintlichen Underdog mit der Biene-Maja-Färbung mit furiosen Rennen einen sensationellen Saisonstart beschert.

In Australien parkte der schnelle Pole seinen R30 sensationell auf dem zweiten Platz, beim vergangenen Grand Prix in Malaysia wurde Kubica Vierter. Mit 30 Punkten liegt Renault auf dem fünften Platz in der Konstrukteurs-WM. (DATENCENTER: Der WM-Stand

Silberpfeile im Blick

Zwar kann Kubicas russischer Kollege Witali Petrow die Erwartungen noch nicht recht erfüllen, doch die Platzierungen des Mannes aus Krakau haben sein Team mutig gemacht.

Das Mittelfeld der Königsklasse wähnt man bereits hinter sich, für den China-Grand-Prix nimmt Renault sich bereits das erste der vier Top-Teams vor: Schon in Schanghai (2. Training, Fr. ab 8 Uhr LIVE), so lautet der Plan, soll der Angriff auf Mercedes GP kommen.

Vor dem Grand Prix auf dem hiesigen International Circuit machte Renaults Technischer Direktor James Allison auf der offiziellen Seite des Teams jedenfalls kein Hehl daraus, dass man die Silberpfeile beim vorerst letzten Asien-Rennen fest im Blick hat.

"Knapp vor uns"

"Wenn wir am Start an ihnen vorbeikommen, haben wir auch die Pace, um im Rennen vor ihnen zu bleiben", kündigte Allison an.

"Schon bald" könne der gelb-schwarz Renner den silbernen Boliden hinter sich lassen, vermutete er: "Im Moment liegen sie im Qualifying knapp vor uns, aber zumindest in Malaysia waren wir im Rennen schneller."

Um den Abstand auf die deutschen Stars Michael Schumacher und dem deutlich besser platzierten Nico Rosberg zu verkürzen, leistet Renault fieberhafte Entwicklungsarbeit, wie Allison einräumte. Die Aerodynamik-Entwicklung sei die höchste, die bei Renault jemals stattgefunden habe, "mindestens doppelt so schnell" wie im Vorjahr.

Schumi will antworten

"Wir haben von vornherein klargemacht, dass wir 2010 eine aggressive Entwicklungsstrategie verfolgen wollen", so der Ingenieur. In China werde man einen neuen Unterboden und einen neuen Frontflügel installieren: "Das allein reicht vielleicht nicht, um Mercedes im Qualifying zu schlagen, aber wir können den Abstand verkürzen."

Mercedes hat naturgemäß die besser platzierten Top-Teams im Blick und arbeitet ebenfalls hart daran, den Abstand auf Red Bull, Ferrari und McLaren zu verkürzen.

Vor allem Michael Schumacher will jenen, die nach den Plätzen sechs und zehn sowie einem Ausfall im letzten Grand Prix in Malaysia an seinen Fähigkeiten zweifeln, eine Antwort geben. (Hintergrund: Schumis Schonfrist läuft ab)

Brawn hofft auf Erfolgserlebnis

"Die letzten beiden Rennen waren nicht besonders glücklich", sagte Schumacher: "Aber die Dinge laufen dennoch nach Plan. Du kannst nur Schritt für Schritt besser werden, und ich denke, wir werden das schaffen." (INTERVIEW: "Bin voll im Plan")

An die Stätte des letzten seiner 91 Grand-Prix-Siege reist Schumacher voller Optimismus. "Ich bin zuversichtlich, dass wir die Fans nicht enttäuschen werden", kündigte er an: "Vielleicht spielen uns die Dinge in Schanghai ja in die Karten."

Sein Teamchef Ross Brawn wünscht dem siebenmaligen Weltmeister ein Erfolgserlebnis: "Es wäre besonders gut für Michael, wenn er ein sauberes Rennen hätte und den Fortschritt zeigen könnte, den er seit Saisonbeginn gemacht hat."

"Nicht schnell genug"

Schumacher werde mit jedem Rennen schneller, stellte das englische "Superhirn" fest, hätte diese Entwicklung bei den letzten beiden Grands Prix jedoch unverschuldet nicht vorführen können.

Gleichwohl müsse sein Team realistisch bleiben: "Wir sind im Moment nicht schnell genug, um vorne mitzumischen."

Trotz dieser Schwäche, nervös in den Rückspiegel blickt man bei Mercedes keinesfalls. Vielmehr hat Geschäftsführer Nick Fry eine Grußadresse an die Konkurrenz parat. "Wir haben ein vedammt starkes Team", sagte er "autosport.com": Wer uns unterschätzt, ist ziemlich dumm."

Einschüchtern dürfte das den gelb-schwarzen Rivalen in seinem Sturm und Drang wohl kaum.

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