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Nico Rosberg fuhr im Training in Schanghai die zweitschnellste Zeit © imago

Mercedes trainiert in Schanghai mit neuem Heckflügel und holt auf. Vettel fordert von seinem Team ebenfalls einen Aero-Trick.

Von Marc Ellerich

München - Die große Technik-Offensive der Silberpfeile, sie hat offenbar begonnen.

Beim Training zum China-Grand-Prix waren Michael Schumacher und Nico Rosberg erstmals mit einem neuen Heckflügel unterwegs, dem "Super-Spezial-Flügel", wie ihn Rosberg ironische nannte.

Und siehe an, der neue Flügel des Mercedes-Duos zeigte in Schanghai bereits Wirkung: Rosberg drang als bester Deutscher in die McLaren-Phalanx ein und schob sich zwischen den Tagesbesten Lewis Hamilton und dessen Weltmeister-Kollegen Jenson Button. Schumi folgte als Vierter dahinter - immerhin vor Malaysia-Sieger Sebastian Vettel. (SERVICE: Trainingsergebnis)

Schumacher zufrieden

Übersteigerte Erwartungen setzen die Silberpfeil-Stars laut Schumacher dennoch nicht ins neue Aero-Element - andererseits: "Wir würden ihn nicht benutzen, wenn er nicht etwas besser wäre. Er bringt uns natürlich keine Wunder, aber er hilft."

Schumi zeigte sich nach dem Training daher auch ziemlich zufrieden. "Die Trainingssessions liefen besser, als ich erwartet hatte", sagte der 41-Jährige: "Das Handling des Autos war ziemlich gut und es scheint, dass uns ein kleiner Fortschritt gelungen ist."

Vorbild McLaren

Sinn und Zweck des neuen Flügels ist jedoch ein anderer als eine verbesserte Kurvenlage, an der Schumacher und sein Team hart arbeiten. "Wir wollen damit wie der McLaren auf der Geraden schneller werden", sagte Teamchef Ross Brawn der "Bild".

Denn nicht nur Mercedes, auch die übrige Konkurrenz kämpft derzeit darum, den Tempo-Vorsprung aufzuholen, den das McLaren-Duo Hamilton und Button dank seines "F-Schacht-Systems" hat. Sauber hat eine ähnliche Lösung bereits im Auto, auch Ferrari experimentierte in Schanghai mit dem System. (F-Schacht: Die Konkurrenz zieht nach)

Um bis zu eine halbe Sekunde pro Runde soll der McLaren in China dank dieses Aerodynamik-Tricks schneller sein, hat die "Bild" ausgerechnet. Bei Mercedes soll der neue Flügel immerhin drei Stundenkilometer bringen, laut Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug "umgerechnet soviel wie 50 PS mehr".

Vettel: Gewaltiger Vorteil

Einen Vorteil, den sich auch Red-Bull-Star Sebastian Vettel nicht entgehen lassen will. Noch ist sein RB6 "ohne" unterwegs, aber der Sieger des Malaysia-Grand-Prix forderte sein Team auf, so schnell es geht Abhilfe zu schaffen.

"Du musst das haben", sagte Vettel in Schanghai: "Egal ob du im Mittelfeld bist oder in einem der besten Autos. Es ist auf die Rundenzeit bezogen ein gewaltiger Vorteil."

Der Deutsche schätzt den Vorteil auf fünf Zehntelsekunden pro Runde.

Button fährt davon

Vettel schilderte, wie sich die Fahrt ohne das F-Schacht-System hinter einem McLaren anfühlt: "Ich bin auf der Geraden hinter Jenson Button gefahren. Normalerweise hat man im Windschatten einen deutlichen Vorteil, aber dem war nicht so." Button sei ihm davongefahren.

Auch sei es schwierig, sich vor oder neben einem McLaren zu behaupten.

"Jeder ist unter Druck, es zu kopieren und mit etwas Ähnlichem zu kommen", berichtete Vettel deshalb und ließ keinen Zweifel, dass sein Team dies tun werde. Gleichzeitig wies der WM-Zweite auf die Probleme hin, welche die Nachahmung mit sich bringe: "Es ist sehr schwierig, McLaren hat das lange geplant."

"Noch eine lange Reise"

Vettel rechnet damit, dass Red Bull in Europa Anfang Mai mit einem neuen Aero-Flügel an den Start gehen könnte. Einen festen Termin gebe es allerdings nicht: "Wir arbeiten daran, wie alle anderen auch."

Die Konkurrenz von Mercedes darf sich also über einen kleinen Vorsprung gegenüber dem österreichischen WM-Rivalen freuen.

Überbewerten wollte Michael Schumacher das As im Technik-Poker allerdings nicht: "Es sieht so aus, als wenn wir ein bisschen näher rangerückt sind", sagte der siebenmalige Weltmeister: "Um aus eigener Kraft um Siege mitzufahren, reicht das aber noch nicht."

Und auch Brawn wiegelte ab: "Noch liegt eine lange Reise vor uns."

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