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Wer ist die Nummer eins? Felipe Massa (l.) und Fernando Alonso © imago

Mit einem überhart geführten Boxen-Manöver düpiert Fernando Alonso seinen Ferrari-Kollegen Massa. Der Beginn eines Stallkriegs?

Von Marc Ellerich

München - War das endgültig der Machtwechsel bei den Roten?

In Runde 19 des Rennens auf dem Shanghai International Circuit ereignete sich jene Szene, die Beobachter eines Tages womöglich als den Anfang des Niedergangs von Felipe Massa bei Ferrari bewerten werden.

Ohne Skrupel drängelte sich Fernando Alonso bei der Boxeneinfahrt an Felipe Massa vorbei.

Er selbst war bei dem ruppigen Manöver mit beiden Rädern im Gras, Massa drängte er fast ins Kiesbett.

Vordergründig ging es um die Frage, wer beim Boxenstopp als Erster abgefertigt werden würde. Aber das Signal, das der Spanier mit seiner Ellenbogen-Aktion in die Formel-1-Welt hinaus sendete, war eindeutig: Ich bin der Platzhirsch, ich bin die Nummer eins im Team.

Massa Miene spricht Bände

Dass der spanische Doppel-Weltmeister diese Rolle bei der Scuderia ab sofort unverfroren für sich reklamieren wird, war Massa natürlich klar.

Im Rennen fiel er nach der Machtprobe weiter zurück, seine Miene nach dem Grand Prix sprach Bände. (BERICHT: Doppelsieg von McLaren)

Dennoch bemühte sich der Brasilianer um des lieben Friedens Willen, die Angelegenheit nach dem Rennen, das er als abgeschlagener Neunter beendete, nicht hochzukochen: "Ich kam ausgangs der Haarnadel-Kurve auf eine Pfütze, und Fernando konnte neben mich ziehen. Vor der Linkskurve in die Boxen war er auf der besseren Spur." (226242Bilder des Rennens)

Alonso: Normales Manöver

Und Alonso war sich ohnehin keiner Schuld bewusst. "Wenn es nicht mein Teamkollege gewesen wäre, müsste man nicht allzu viel darüber reden", behauptete der Mann aus Oviedo: "Für mich war es ein normales Manöver. Es wird unsere Beziehung definitiv nicht beeinträchtigen."

Von Teamchef Stefano Domenicali, der laut "auto, motor und sport" bei dem Manöver an seinem Kommandostand geflucht haben soll, bekam Alonso später Rückendeckung. "Fernando ist eben ein Racer", kommentierte der Italiener die teaminterne Schlüsselszene.

Und Massa? Für ihn hielt Domenicali tröstende Worte bereit: "Felipe hat sich in dieser Situation sehr gut verhalten. Ich kann seine Gefühle nachvollziehen, das ist sicherlich nicht einfach für ihn."

Zweifel an Massas Form

Mitleid ist vermutlich das Letzte, was sich der WM-Zweite von 2008 wünscht. Der Brasilianer läuft trotz eines guten Saisonstarts - er selbst sprach vom besten seiner Karriere - Gefahr, bei Ferrari unter die Räder zu kommen.

Nach den Plätzen zwei und drei in den ersten Grands Prix zeigt der Pfeil mittlerweile nach unten: Siebter und Neunter war er zuletzt, in der WM rangiert er auf Platz sechs, drei Positionen hinter Alonso. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Und ob der Pilot aus Sao Paulo in einem hart geführten Stallduell wirklich bestehen kann, daran kommen manchem nach dem chinesischen Regenrennen erste Zweifel.

Massa, der im Vorjahr beim Ungarn-Grand-Prix von einer Stahlfeder am Kopf getroffen worden war und schwer verunglückte, sei womöglich nicht mehr der Alte, raunte der TV-Experte Marc Surer in seinem Live-Kommentar.

Der Arzt ist beeindruckt

So weit ist es vermutlich noch nicht gekommen. Massas Arzt Steve Olvey attestierte dem Ferrari-Star gegenüber "Motorsport-Total.com" eine vollständige Genesung, mehr noch: "Es war eine der beeindruckendsten, vielleicht sogar die schnellste Erholung von einer lebensbedrohlichen Kopfverletzung, die ich je miterlebt habe."

Ob Massas Form allerdings reicht, um Alonsos Wucht standzuhalten, wird sich zeigen. Aber womöglich ist das rote Stallduell ja nach dem verlorenen Manöver in der Box auch schon längst entschieden.

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