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Red Bull liegt in der Team-Wertung mit 73 Punkten auf Rang drei hinter Ferrari (90) © getty

Sebastian Vettel bleibt der Sprung an die Spitze der WM versagt - nicht das einzige Ärgernis beim China-Trip der Red-Bull-Crew.

Von Julian Meißner

München - Als wäre das Rennwochenende nicht trostlos genug gewesen.

Anstatt die erste Überseephase der Saison 2010 als neuer WM-Führender zu beenden und entspannt die Heimreise nach Europa anzutreten, hing Deutschlands Titelhoffnung Nummer eins Sebastian Vettel mit seinem Team aufgrund der Vulkan-Wolke in China fest.

Als Fünfter der Fahrer-WM.

Während der Heppenheimer seinen Ärger herunterschluckte ("Ich bin nicht frustriert"), fand sein Teamkollege deutliche Worte für die Performance der favorisierten Red-Bull-Crew im Reich der Mitte.

Webber: "Wurden verblasen"

"Wir waren nicht schnell genug, so einfach ist das", meinte Mark Webber zur "BBC" nach dem chaotischen Rennen, das Vettel und der Australier trotz der Startplätze eins und zwei nur auf den Rängen sechs und acht beendet hatten. "Wir wurden verblasen, es war ein sehr schwieriger Grand Prix für uns", sprach Webber Klartext.

"Man hätte heute noch viel mehr verlieren können. Die Punkte können noch ziemlich wichtig sein", gab sich Vettel dagegen versöhnlich. Doch der 22-Jährige musste anerkennen, dass weite Teile der Konkurrenz mit den wechselhaften Bedingungen wesentlich besser klar gekommen waren.

Schlecht gepokert

"Bei solchen Rennen ist es immer ein Poker", haderte Vettel mit der fehlenden Fortune: "Du darfst nicht zu viel Risiko eingehen, musst aber gleichzeitig auch versuchen, einen Vorteil auf die anderen Fahrer herauszuholen. Wir waren eben bezüglich dieses Pokers nicht so gut in Form."

Auch mit dem Fahrverhalten seines Dienstwagens war der Vize-Weltmeister nicht zufrieden. "Ich hatte mit dem Auto zu kämpfen", sagte Vettel.

Webber präzisierte: "Es waren wechselhafte Bedingungen, aber sie waren für alle gleich. Das Auto ist sehr empfindlich unter diesen Bedingungen. Das wissen wir, und das müssen wir verbessern."

Reifenproblem am RB6

Vettel büßte schon bei seinem schlechten Start zwei Positionen und musste als Spätfolge dessen an der Box hinter Webber warten.

"Das Leid des Zweiten", beklagte Vettel lakonisch: "Das hat sicher nicht geholfen, war aber war nicht die entscheidende Situation."

Es war also einer dieser Tage, an denen alles zusammenkam. Doch als Kardinalproblem entpuppte sich, dass die Reifen des Boliden RB6 beim ersten kühleren Grand Prix des Jahres nicht auf Temperatur kamen.

Horner bleibt gelassen

Christian Horner sah es positiv: "Beginnst du das Rennen von den Positionen eins und zwei, dann hast du natürlich etwas mehr zu verlieren als andere."

Der Red-Bull-Teamchef hat trotz der WM-Führung des McLaren-Piloten und China-Siegers Jenson Button einen Hauptrivalen in der WM ausgemacht: "Ferrari hat in Schanghai ebenfalls nicht gerade viele Punkte geholt. Offensichtlich gibt es in dieser Meisterschaft einige Aufs und Abs."

Seine Kampfansage: "Wir werden beim nächsten Rennen zurückschlagen."

Schnorchel für Spanien?

Der nächste Große Preis steigt am 9. Mai in Barcelona, sofern das immer noch währende Flugverbot die Profi-Logistiker der Königsklasse nicht vor unlösbare Aufgaben stellt.

Eventuell haben die Red-Bull-Boliden in Katalonien dann den berühmten Schnorchel, der den McLaren den höchsten Top-Speed verleiht, an Bord.

Horner bestätigte, dass man bei Red Bull an dem ominösen F-Schacht-System arbeitet, das von Mercedes und Ferrari schon in China getestet wurde.

Der Brite - übrigens einer der wenigen, der bereits einen Rückflug nach Europa erwischt hat - betonte aber, man wolle nicht vorschnell agieren. Sein Motto, passend zur Gesamtsituation: "Abwarten."

Das gilt auch für Vettel, dem nun weiter der Makel anhaftet, noch nie die WM angeführt zu haben. Den nächsten Angriff startet er in Barcelona.

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