vergrößernverkleinern
Michael Schumacher wird in Barcelona sein 255. Formel-1-Rennen bestreiten © getty

Mit runderneuertem Mercedes will Michael Schumacher in Barcelona zur Spitze aufschließen. "Superhirn" Ross Brawn gibt Fehler zu.

Von Julian Meißner

München - Auf dem Papier ist es das fünfte Saisonrennen, doch für die Formel-1-Teams stellt der Spanien-Grand-Prix am übernächsten Wochenende so etwas wie ein zweiter Saisonstart dar.

Nach vier Großen Preisen in Übersee und einer dreiwöchigen Pause zünden die Rennställe in Barcelona die ersten signifikanten Entwicklungsstufen an ihren Boliden.

Gerade bei Mercedes GP erhofft man sich angesichts der bislang fehlenden Siegfähigkeit aus eigener Kraft einen Leistungssprung.Nico Rosberg liegt zwar in der Fahrer-Weltmeisterschaft auf Rang zwei. Doch Star-Comebacker Michael Schumacher blieb mit seinen Resultaten hinter den Erwartungen zurück.

Untersteuern liegt Schumi nicht

Die Crux: Schumacher kommt nicht mit dem stark untersteuernden MGP-W01 klar. Offenbar resultiert das Problem mitunter daraus, dass sich die Ingenieure bezüglich der Auswirkungen der in diesem Jahr um 25 Millimeter schmaleren Vorderreifen vertan haben.

Durch die geringere Auflagefläche auf der Vorderachse wird der Effekt des Untersteuerns verstärkt, das Auto drängt also in Kurven über die Vorderräder aus der Kurve heraus.

Schumacher gefällt es jedoch eher, wenn Autos übersteuernd ausgelegt sind, also in Kurven mit dem Heck ausbrechen.

Problem bei der Gewichtsverteilung

In Spanien soll das nun mit einem verlängerten Radstand korrigiert werden. "Das Problem ist nicht der Radstand an sich, es ist die Gewichtsverteilung", präzisierte Teamchef und Entwicklungs-Guru Ross Brawn: "Als wir die Reifen testeten, haben wir realisiert, dass wir nicht die richtige Gewichtsverteilung haben."

Man sei nun "am Limit, was wir mit diesem Auto erreichen können." Klingt nach einer echten B-Version des Silberpfeils für Barcelona. Fest steht, dass es neben der Radstand-Änderung ein großes Aerodynamik-Paket geben wird - und auch das Chassis wird ausgetauscht. "Es ist kein komplett neues Chassis, sondern eines, das wir schon bei den Testfahrten benutzt haben", sagte Brawn.

Schaden am Chassis

Möglicherweise ist Schumachers Rückstand auch damit zu erklären, dass sein Auto nicht hundertprozentig in Schuss war.

Schumachers Chassis sei "bei den ersten Rennen beschädigt worden", sagte Brawn nach dem Saisonauftakt in Bahrain sowie den Grands Prix in Australien, Malaysia und China: "Wir hatten es so gut repariert, wie es uns während der Rennen möglich war. Aber jetzt sind wir zurück in der Fabrik und werden das Test-Chassis wieder einsetzen."

Schumacher werde es in Barcelona nutzen, sagte Brawn, unter dessen Regie der Kerpener mit Benetton und Ferrari all seine sieben WM-Titel gewann.

Schumacher braucht Zeit

Doch ob sich damit Schumachers Probleme schlagartig in Luft auflösen? Für die versammelte Expertenriege ist klar, dass der 41-Jährige keinesfalls das Fahren verlernt hat, aber Zeit braucht, sich an die neuen Bedingungen zu gewöhnen.

"Das Auto passt einfach nicht zu seinem Fahrstil. Man hat auf der Strecke gesehen, wie er mit Untersteuern zu kämpfen hat", sagt beispielsweise der 176-fache GP-Starter Jacques Laffite aus Frankreich: "Ich denke, in Barcelona wird es besser sein."

Häkkinen: "Es wird schwer"

Und der zweimalige Weltmeister Mika Häkkinen meinte in der "Bild am Sonntag" über seinen einstigen Rivalen: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass er dieses Jahr noch ein Rennen gewinnen wird."

Der "fliegende Finne relativierte allerdings: "Es wird schwer für ihn. Denn die Formel 1 gibt dir keine Zeit, kennt keine Gnade und erlaubt dir keine Entschuldigungen." Die Gründe für Schumachers maue Platzierung in der Fahrer-WM sieht Häkkinen bei "der neuen Technik der Autos, an den Reifen."

F-Schacht in Barcelona?

Erschwerend kommt hinzu, dass der einstige Marathon-Tester Schumacher aufgrund der Testbeschränkungen seine Qualitäten als Fleißarbeiter nicht auszuspielen vermag.

Als Zusatzjoker für die Silbernen könnte sich der ominöse F-Schacht erweisen, der vom britischen McLaren-Team entwickelte wurde und den die Konkurrenz um Mercedes, Ferrari und Red Bull nun fieberhaft zu kopieren versucht.

"Das McLaren-System, das vom Fahrer gesteuert wird, ist ziemlich kompliziert", erklärt Brawn, der seine Fahrer in Schanghai eine abgespeckte Version des Schnorchels testen ließ und den F-Schacht in Barcelona oder Istanbul zum Einsatz bringen will.

"Nicht so effektiv wie bei McLaren"

"Was wir in China hatten, war ein einfaches, passives System", so Brawn: "Es wird nicht vom Fahrer gesteuert und ist deshalb nicht so effektiv wie das von McLaren."

Jenson Button und Lewis Hamilton können die Luftzufuhr auf den Heckflügel offenbar regeln, indem sie mit dem Knie eine Öffnung innen im Chassis wahlweise schließen oder offen lassen.

"Es ist schwierig, es zum Funktionieren zu bringen, aber unsere Aerodynamiker arbeiten daran", so Brawn über das System, das den McLaren-Boliden MP4-25 den höchsten Top-Speed des Feldes verleiht.

Rosberg voller Demut

Dass Schumachers Probleme nicht allein auf das Auto zurückzuführen sind, beweist jedoch die Tatsache, dass er bisher seinem Teamkollegen hinterherfährt.

Rosberg war in 19 von 20 direkten Duellen schneller als der Rekord-Weltmeister, übt sich aber in Demut.

"Ich wäre schon glücklich, wenn ich auf seinem Level wäre", gab sich der Wiesbadener in der "Gazzetta dello Sport" ehrfürchtig: "Natürlich ist es schön, vor ihm zu sein, aber ich weiß nicht, wie lang das noch so bleiben wird. Ich hoffe, dass ich weiter mit ihm mithalten kann."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel