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Nr. 1 im Team: Nico Rosberg ist in der WM mit 50 Punkten Zweiter © imago

Ein großes Technik-Update soll Mercedes-Star Michael Schumacher ein besseres Auto bescheren. Was wird aus Shootingstar Rosberg?

Von Marc Ellerich

München - Ross Brawn muss derzeit viele Fragen beantworten, die einen sind freundlicher, die anderen sorgenvoll.

Der angenehme Teil seines Jobs als Mercedes-Teamchef ist es derzeit, die erstaunliche Form von Nico Rosberg zu erklären. Der junge Deutsche war es, der die Marke mit dem Stern in den ersten vier Grands Prix der Saison hell strahlen ließ - obwohl sein unausgereifter MGP-W01 dies nach menschlichem Ermessen eigentlich gar nicht hätte zulassen dürfen.

Brawn: "Sehr nah davor"

Im - gegenüber den Top-Marken Red Bull, McLaren und Ferrari - unterlegenen Mercedes bescherte Rosberg seinem Silberpfeil-Team zwei Podestplätze in Malaysia und China und rangiert derzeit auf Platz zwei der WM-Wertung. (229973DIASHOW: Rosberg überstrahlt erstes Viertel)

Wegen dieses fabelhaften Arbeitsnachweises sieht sein Vorgesetzter den jungen Deutschen nicht mehr weit entfernt vom ersten Rennsieg.

Schon auf dem Shanghai International Circuit sei Rosberg dazu in der Lage gewesen, habe den Erfolg aber durch einen einzigen Fehler unter den schwierigen Wettebedingungen zunichte gemacht, fasste sein Vorgesetzter das chinesische Rennwochenende zusammen.

Dennoch: "Er ist sehr nah davor, ein Rennen zu gewinnen", ahnt Brawn: "Die Dinge müssen nur zusammenpassen, aber das wird kommen, definitiv!"

"Michael ist entschlossen"

Michael Schumacher hingegen ist wesentlich weiter entfernt vom ersten Grand-Prix-Sieg nach seinem Comeback. Der deutsche Superstar hatte im ersten Viertel der Saison mit großen Problemen zu kämpfen. Vor allem das Auto will nicht so wie Schumacher will.

Mit zehn WM-Zählern rangiert Schumi derzeit auf WM-Platz neun, mit den Rivalen um den Titel kann er momentan nicht konkurrieren. Weshalb Brawn viele nervöse Fragen zu seinem langjährigen Weggefährten beantworten muss. Oder böse Bemerkungen kontern, wie die von Rennlegende Stirling Moss, der zuletzt behauptet hatte, Schumacher sei über seinen Zenit hinaus.

Ross Brawn lässt solche Spitzen natürlich nicht gelten. "Michael ist entschlossen, Erfolg zu haben", sagte der Brite in der englischen "Sun": "Er ist unglaublich ernsthaft bei der Sache, konkurrenzfähig, aber auch sehr strukturiert."

Und: Schumacher sei nicht der Typ, der in Panik verfalle, wenn die Dinge nicht so liefen. "Er analysiert, was los ist und denkt darüber nach."

Das Auto ist schuld

Das Ergebnis dieses Denkprozesses von Schumacher und seiner Mercedes-Crew ist mittlerweile hinlänglich bekannt: Das Auto, nicht Schumi ist schuld am Stotter-Start des siebenmaligen Champions.

"Schumacher braucht ein Auto, das schnell einlenkt und mit dem er spät in den Kurvenscheitelpunkt hineinbremsen kann, um früh herausbeschleunigen zu können. Darin war und ist er ein Perfektionist", analysierte Ex-Weltmeister Niki Lauda im Fachblatt "Motorsport aktuell".

"Er mag ein Auto, das gut reagiert und das sehr präzise ist", erläuterte Brawn.

Gewicht ins Heck

Die Silber-Marke setzt nun alle Hebel in Bewegung, um dem Vorzeigefahrer zum Europa-Start der Formel 1 in Barcelona am zweiten Mai-Wochenende einen Rennwagen nach seinen Wünschen hinstellen zu können. (HINTERGRUND: Brawns Plan für die Aufholjagd)

"Ich verspreche, dass wir Michael Schumacher mit einem Fahrzeug ausrüsten werden, mit dem er dort fahren kann, wo er hingehört", kündigte Motorsportchef Norbert Haug an.

Auch die Details der Generalüberholung sind mittlerweile bekannt: Die Vorderräder werden nach vorne geschoben, dadurch verschiebt sich die Gewichtsverteilung des Boliden in Richtung der Hinterachse. Das offenbar beschädigte Chassis wird gegen ein früheres Test-Chassis ausgetauscht. Auch das Aero-Paket wird aufgehübscht, den ominösen F-Schacht nach Möglichkeit inklusive.

Rosberg selbstbewusst

Alles für Schumi also, so könnte man das Mercedes-Motto plakativ zusammenfassen. Und was wird aus Rosberg, dem derzeitigen Vorfahrer der Traditionsmarke? Kommt der durch das umfassende Update am Ende zu kurz?

Rosberg kam im ersten Saisonviertel mit dem stark untersteuernden Auto wesentlich besser zurecht, als sein 17 Jahre älterer Kollege, seine 50 WM-Punkte sind der Beweis dafür. Befürchtungen, dass die Renovierung des MGP-W01 auf seine Kosten gehen könnte, äußert der diplomatische Rosberg jedoch nicht, jedenfalls nicht öffentlich.

"Das kommt auch mir zugute", behauptete der 24-jährige Shootingstar, der bis dato keine Probleme hatte, seinen Fahrstil dem Auto anzupassen. Erfolg macht sehr selbstbewusst.

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