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Pedro de la Rosa stieg 1999 beim Arrows-Team in die Formel 1 ein © getty

Der BMW-Nachfolger Sauber hat einen echten Horrorstart in die Formel-1-Saison hinter sich. Und Geldsorgen erschweren die Lage.

Von Marc Ellerich

München - Ernüchterung ist noch ein ziemlich schwacher Begriff für den augenblicklichen Gemütszustand der Verantwortlichen im Sauber-Rennstall.

Das Schweizer Team, das 2009 noch als BMW-Sauber firmierte und nach dem Ausstieg des Münchner Herstellers und großem Hickhack verspätet die Lizenz für die Saison erhielt, hat einen echten Horrorstart hinter sich.

Nach vier Rennen liegt der Rennstall ohne jeden Punkt in der WM hoffnungslos abgeschlagen zurück. Statt sich mit Konkurrenten wie Renault oder Force India um Mittelplätze zu balgen, ist man im Niemandsland der Formel 1 gestrandet. So schlecht wie in diesem Jahr begann man zuletzt 1996. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Und man muss noch ein wenig gründlicher in die Startbilanz blicken, um nachzuvollziehen, weshalb Teamchef Peter Sauber Zeitungsreportern jüngst von Schlafproblemen berichtete.

Schnelle Winterzeiten

Satte sieben Mal stellten seine Piloten Pedro de la Rosa und Kamui Kobayashi den Sauber C29 vorzeitig ab. Drei Motorschäden, zwei Hydraulikfehler, zwei Crashs in der ersten Runde, katastrophaler kann ein Formel-1-Jahr kaum beginnen. (229973DIASHOW: Gewinner und Verlierer)

Dabei kündigten die Resultate der Wintertests scheinbar goldene Zeiten für Sauber an, Experten witterten nach schnellen Rundenzeiten einen echten Geheimtipp. Und nun? Ist das Schauspiel auf den winterlichen Rennbahnen als großer Bluff enttarnt.

1,9 Sekunden zur Spitze

Mit leicht betanktem Auto konnte Sauber der Konkurrenz scheinbar mühelos folgen. "Wenn wir die Rundenzeiten um die Benzinmengen im Tank bereinigen, haben wir ein realistisches Bild", offenbarte nun de la Rosa den billigen Taschenspielertrick.

Inzwischen ist Ernstfall, und dem Team fehlen mit vollem Tank bis zu 1,9 Sekunden auf die Spitze, und das ist längst nicht das einzige Problem, das Sauber derzeit den Atem raubt.

Denn die große Winter-Show der Sauber-Crew hatte möglicherweise einen ganz anderen Hintergrund als die Konkurrenz oder das Publikum zu beeindrucken: Nach wie vor steht Saubers Rennstall ohne Hauptsponsor dar, nach wie vor gilt, was der Schweizer vor dem Saisonstart über die Suche nach potenziellen Geldgebern sagte: "Es ist eine schwierige Zeit, um Sponsoren zu finden, besonders große Sponsoren."

Sorgen bei de la Rosa

Zwar beteuerte Sauber stets, mit dem derzeitigen Budget könne sein Team die Saison überstehen, doch offenbar überkommen seinen fahrenden Angestellten de la Rosa Zweifel. "Mit jedem Tag wird es schwieriger Geldgeber für 2010 zu finden", sagte der Spanier der Schweizer Zeitung "Blick": "Doch ohne Finanziers ist es kaum möglich, das Auto normal weiterzuentwickeln."

In diesem Zusammenhang machen Gerüchte die Runde, die von einer Ablösung de la Rosas munkeln. Der Venezolaner Pastor Maldonado oder der Italiener Luca Filippi könnten das Cockpit des früheren McLaren-Testpiloten übernehmen und - wichtiger noch - die leeren Kassen mit vielen schönen Sponsoren-Millionen neu füllen.

"Ein sehr gelungenes Auto"

Die Geldsorgen sind das eine, das andere ist die Anfälligkeit der Ferrari-Aggregate, die dem neuen Technikchef James Key die Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Doch - Überraschung - der Nachfolger des BMW-Mannes Willy Rampf hält die Lage offenbar gar nicht mal für so verfahren.

"Derzeit gibt es ein Mittelfeld, das von Renault und Force India angeführt wird. Es gibt keinen Grund, wieso wir den Rückstand nicht aufholen sollten", verkündete Key, der sich in China erstmals selbst ein Bild gemacht hatte: "Es wird vielleicht einige Zeit dauern, aber wir können das schaffen. Und dann nehmen wir die vier Top-Teams in Angriff."

Das Auto sei nicht so missraten, wie es sich im Moment darstelle, behauptete der Engländer weiter, im Gegenteil: "Es ist ein sehr gelungenes Auto." Er glaube nicht, dass derzeit etwas völlig schief.

Keys Psycho-Offensive

Mit Zuverlässigkeit, Aerodynamik und dem fehlenden Tempo auf den Geraden, will sich Key nach eigenen Worten zunächst am meisten befassen.

Forsche Töne alles in allem, angesichts des Desaster-Starts des schneeweißen Teams. Doch beim Spanier de la Rosa hat die Psycho-Offensive seines Vorgesetzten vor seinem Heimrennen offenbar schon verfangen.

"Wir müssen einfach an unsere Fähigkeiten glauben", betonte er vor dem Quasi-Neustart der PS-Liga auf dem Circuit de Catalunya und schob einen frommen Wunsch hinterher: "Und das Glück dürfte uns bei den Rennen auch mal begleiten."

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