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Kopf-an-Kopf-Rennen: Mark Webber (l.) und Sebastian Vettel haben je 78 WM-Punkte © imago

Es ist ein spektakuläres Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Mark Webber und Sebastian Vettel. Das Team profitiert vom harten Duell.

Von Marc Ellerich

München - Die Legende fand warme Worte für den Nachfolger. "Mark kann Weltmeister werden, keinen Zweifel", urteilte Jack Brabham über seinen australischen Landsmann, Monaco-Sieger Mark Webber.

"Mark hat keinen einzigen Fehler gemacht", lobte der 84 Jahre alte Champion der Jahre 1959, 1960 und 1966 die Siegfahrt des Red-Bull-Piloten an der französischen Riviera: "Es war sehr, sehr gut."

Brabhams Lob war etwas besonderes, die Rennlegende war der erste Australier, der in Monte Carlo siegte.

"In einer eigenen Welt"

Doch es war nicht die einzige Hymne, die auf den Teamkollegen Sebastian Vettels gesungen wurde, nachdem er in Monte Carlo seinen zweiten Grand-Prix-Sieg binnen acht Tagen eingefahren hatte - in der Woche zuvor hatte Webber den Europa-Auftakt der Königsklasse in Barcelona dominiert. (237749DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

"Er fuhr in einer eigenen Welt", gratulierte der drittplatzierte Robert Kubica. "Er fährt besser denn je", hatte McLaren-Star Lewis Hamilton beobachtet, und auch Frank Williams, früherer Arbeitgeber des Australiers, geizte nicht mit Lob: "Da seht ihr den wahren Webber."

Auch von Teamchef Christian Horner kamen Komplimente: "Mark Webber hatte die Woche seines Lebens."

Webber vorsichtig

Anerkennung also allerorten. Webber selbst schwebte nach seinem Triumphzug durch die schmalen Straßen der Glamour-Metropole auf Wolke sieben. "Das ist der schönste Tag in meinem Leben. Ich habe jede Sekunde des Rennens genossen", jubelte er nach seinem Erfolg, der ihm zugleich die Führung in der WM-Wertung bescherte. Er liegt mit je 78 Punkten gleichauf mit seinem Teamkollegen Sebastian Vettel, der aber einen Sieg weniger auf dem Konto hat. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Überbewerten wollte der Mann aus Queanbeyan seine derzeitige Erfolgstrecke nicht, nicht einmal von einem Lauf wollte Webber sprechen.

"Vor zwei Rennen hat alles noch anders ausgesehen" sagte der 33-Jährige gegenüber "Motorsport aktuell": "Das kann wieder passieren. Wer weiß, wie die WM nach Kanada aussieht?"

Vier verschiedene Sieger

So kann man es sehen, denn nach einem Drittel der diesjährigen Saison gibt es im Elitezirkel des Motorsports nicht viele Sicherheiten, nur die eine, dass es bisher keine Garantien gibt. Webber ist neben Weltmeister Jenson Button der einzige Pilot, der bisher zwei Rennen gewinnen konnte, die ersten sechs Grands Prix haben vier verschiedene Sieger erlebt.

Und selbst das Webber/Vettel-Team hat die überlegene Kraft des RB6 bisher nicht vollends nutzen können. "Eigentlich sollten wir in der WM schon 30 Punkte vorne liegen", kommentierte der Red-Bull-Motorsport-Beauftragte Helmut Marko den bisherigen Saisonverlauf.

Auch Webber blieb vorsichtig, was die Titelchancen seines Teams angeht: "Ich glaube nicht, dass das eine Sache zwischen zwei Leuten wird", sagte er in Monte Carlo.

Glück und Pech

Und vielleicht sind die Unwägbarkeiten während der ersten Rennen auch der Grund, weshalb der 33-Jährige in der Ursachenforschung für seinen Höhenflug nicht allzu sehr ins Detail ging. "Ich habe nichts anderes gemacht, als zuvor", verriet er nach dem Monaco-Rennen: "Bei mir hat es wegen des Wetters und anderer Dinge zu Beginn der Saison nicht so gut geklappt. In den Rennen war ich schnell, aber die Ergebnisse kamen nicht so."

Wie eng Glück und Pech in dieser Saison beieinander liegen, weiß mittlerweile auch Webbers Kollege Vettel, der in den ersten Grands Prix als Pole-Setter von technischen Tücken seines nachtblauen Renners eingebremst wurde.

Und während zuletzt die Formkurve des Australiers empor schnellte, musste der junge Deutsche für seine vorderen Platzierungen zuletzt schwere arbeiten. In Australien rettete Vettel seinen dritten Platz trotz versagender Bremsen ins Ziel, in Monte Carlo wurde er Zweiter - beide Male hinter seinem Kollegen, den er schon im Griff zu haben glaubte.

Webber auf der Liste

Dass er den Teamkollegen, den er im Vorjahr als Vize-Weltmeister noch um 14,5 Punkte hinter sich gelassen hatte, besser nicht voreilig von seiner Liste der WM-Rivalen streichen sollte, das hat Vettel längst begriffen.

Inzwischen klammert er sich an die Hoffnung, dass sich die Dinge ebenso schnell wieder zu seinen Gunsten ändern können. "Es ist eine lange Saison, und es geht nicht darum, was du in ein oder zwei Rennen machst", meinte er in Monaco.

Vertragsgespräche mit Webber und Vettel

In Vettels Team muss man sich über derlei Dinge nicht den Kopf zerbrechen, dort blickt man hochzufrieden auf den spektakulären Zweikampf seiner beiden Piloten.

"Ich bin sehr zufrieden mit der Balance und der Dynamik im Team", sagte Horner gegenüber "autosport.com": "Da gibt es nichts, das wir verändern müssen."

Am Fahrergespann erst recht nicht, wie sein österreichisches Gegenüber, Helmut Marko, in einem APA-Interview mit Blick auf die Personalplanungen des Rennstalls verriet: "Unser Wunsch ist es, mit Webber und Vettel weiterzumachen. Die Gespräche laufen." Horner würde dem Australier gerne einen Einjahres-Vertrag anbieten und rechnet für die kommenden Wochen offenbar nicht mit langwierigen Verhandlungen.

Und dass man gar Vettel an ein Top-Team wie Ferrari verlieren könnte, fürchtet man bei Red Bull nicht. "Warum sollte er dort hingehen zu einem Alonso, wo es ihm bei uns mehr als gut geht", fragte Marko. (Alonso sagt Vettel Titel voraus)

"Fast nicht zu bremsen"

So wird es - wenn es nach dem österreichischen Rennstall geht - bei der derzeitigen Win-Win-Situation bleiben. "Ein Vettel oder ein Webber wären ohne den Widerpart im Team nicht dort, wo sie jetzt stehen", behauptete der Red-Bull-Funktionär.

Vor allem den Jüngeren sieht er durch seinen älteren Kollegen enorm angespornt. "Wenn jemand schneller ist als er, ist das für ihn das Ärgste. Er ist fast nicht einzubremsen", bemerkte Marko und fügte hinzu: "Wenn er einmal seinen ersten Titel hat, wird er alles entspannter angehen."

Mark Webber dürfte das allerdings etwas anders sehen. Geht es nach ihm, wird sich der deutsche Kollege mit der Entspannung etwas länger gedulden müssen.

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