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Nico Rosberg liegt mit 56 Punkten auf WM-Platz acht © imago

Wird Nico Rosberg gegenüber Mercedes-Star Michael Schumacher benachteiligt? Der Monaco-Grand-Prix sorgt für Spekulationen.

Von Marc Ellerich

München - Einen Brandherd hat Mercedes GP so schnell es ging ausgetreten.

In der Überhol-Affäre beim Grand Prix in Monte Carlo mit der anschließenden Zeitstrafe gegen Michael Schumacher hat der Rennstall nun doch auf die zunächst angekündigte Berufung beim Weltverband verzichtet.

"Im Sinne des Sports erachten wir diese Entscheidung für richtig", begründete Motorsportchef Norbert Haug am Dienstag den Entschluss seines Teams: "Ergebnisse lange nachzuverhandeln, ist in diesem Fall nicht zielführend." Mercedes GP hat den Fall damit weitgehend geräuschlos erledigt, ehe er für weitere Aufregung sorgen konnte. 13336(DIASHOW: Die größten Formel-1-Aufreger)

Schumi schimpft

Doch ein anderes Thema werden die Silbernen aus Stuttgart-Untertürkheim so schnell nicht los. Mit Argusaugen beobachtet die interessierte Öffentlichkeit das Binnenklima beim deutschen "Nationalteam".

Denn während des Renn-Wochenendes an der französischen Riviera gab es im vorab ohnehin als fragil eingeschätzten Verhältnis zwischen Superstar Michael Schumacher und dem Kronprinzen Nico Rosberg erstmals atmosphärische Störungen.

Schumacher sah sich samstags im Qualifying vom jüngeren Teamkollegen um eine bessere Platzierung gebracht und machte seinem Ärger öffentlich Luft.

"Keine gute Leistung"

Rosberg entschuldigte sich bei Schumacher umgehend für die Behinderung, und auch Teamchef Ross Brawn versuchte, seinen langjährigen Weggefährten zu besänftigen: "Als Team haben wir in Q3 keine gute Leistung gebracht. Wir haben es verschissen."

Der Rekord-Weltmeister zeigte sich versöhnlich, doch am Sonntag im Rennen zog er mit einem spektakulären Startmanöver am vor ihm platzierten Rosberg vorbei.

Damit nicht genug, sieht sich Mercedes seit dem Europa-Start der Formel 1 in Barcelona mit der unbeweisbaren Behauptung konfrontiert, man habe den silbernen Renner nach den Asien-Rennen ausschließlich nach dem Geschmack Schumachers umgebaut. Dieser hatte in den ersten Grands Prix keine sonderlich gute Figur abgegeben.

Als Beleg werten die Verschwörungstheoretiker den jähen Niedergang Rosbergs, der mit dem renovierten Auto binnen nur zwei Grands Prix von WM-Platz zwei auf die achte Position zurückgefallen war. (DATENCENTER: Der Monaco-GP)

Rosberg dementiert

Es half bisher wenig, dass Rosberg derlei Unterstellungen nach Kräften zurückweist. "Auch wenn Michael Schumacher es wollte, könnte Ross Brawn (Mercedes-Teamchef, d. Red.) gar kein Auto bauen, das ausschließlich auf ihn abgestimmt wäre. Es würde immer auch zu mir passen. Michael und ich haben den gleichen Fahrstil."

Doch so schnell werden die Gerüchte nicht verstummen, denn nach dem sechsten Rennen des Jahres machten bereits die nächsten Spekulationen die Runde. Rosberg sei absichtlich viel zu spät zum Reifenwechsel an die Box beordert worden, die Renntaktik auf Schumacher zugeschnitten gewesen.

Kühner Wechselplan

Dass derlei Vorwürfe unfair sind und sein Team dem jungen Deutschen mit einem kühnen Wechselplan zum großen Sprung nach vorne verhelfen wollte, hat das Fachportal "auto, motor und sport" durch einen detaillierten Rundenvergleich nachgewiesen.

Hätte die Taktik geklappt, wäre der als Sechster gestartete Rosberg bei günstigem Rennverlauf auf Platz vier vorgestoßen. Der einzige Haken: Ein Motorschaden von Sauber-Pilot Kamui Kobayashi, der Rosbergs Verfolger zuvor lange aufgehalten hatte, zerstörte in Runde 27 den schönen Mercedes-Plan.

Den Verschwörungstheorien rund um das silberne Renommier-Team dürfte dieser simple Grund den Boden wohl kaum entziehen.

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