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Mark Webber und Sebastian Vettel sind seit 2009 Teamkollegen bei Red Bull © getty

Der Australier ist zur dominierenden Kraft der Formel 1 aufgestiegen. Nur Vettel dürfte ihn in Istanbul bremsen können.

Von Martin Hoffmann

München - Mark Webber war nie jemand, auf den sich in der Formel 1 viel Aufmerksamkeit richtete.

Als künftiger Weltmeister, zu denen viele junge Fahrer vorschnell ausgerufen worden waren, galt er nie.

Auch als Red Bull sich zum Titelkandidaten entwickelte, nahmen viele ihn immer noch nicht ernst. Sahen ihn als einen Erfüllungsgehilfen, eine Art Barrichello 2.0 für den aufstrebenden Sebastian Vettel 241414(DIASHOW: Schumis Teamkollegen). Als Teamkollegen auf Abruf, der immer wieder Gegenstand von Ablöse-Spekulationen war.

Das hat sich radikal geändert nach seinen beeindruckenden Siegen in Barcelona und Monaco.

Stewart sieht Weltmeister-Format

Alle Welt blickt nun auf den Spätzünder, der seit Monte Carlo erstmals die WM-Wertung anführt, zum ersten australischen Weltmeister seit Alan Jones 1980 werden kann - und zum Albtraum für den mit 78 Zählern punktgleichen Vettel (DATENCENTER: WM-Stand).

Zu den Experten, die in Webber Weltmeister-Format sehen, hat sich vor dem Türkei-Grand-Prix (Training, Fr. ab 9 Uhr live im TICKER und im TV auf SPORT1) auch der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart gesellt.

"Mark hat eine sehr lange Lehrzeit hinter sich, in der er nicht als kommender Champion anerkannt wurde", meint der Schotte gegenüber "Reuters": "Nun hat er in einem offensichtlich sehr guten Auto die Reife, genau das passieren zu lassen - und zwar auf sehr überzeugende Weise."

"Einen Gang höher geschaltet"

Über die Frage, woher Webbers aktuelle Galaform kommt, wird viel gerätselt.

Er selbst führt vieles auf ein besseres Gefühl, das er für den Red-Bull-Renner bekommen hat, zurück. Er habe "in Sachen Vertrauen in das Auto einen Gang höher geschaltet", meinte Webber in Monaco.

Außenstehende spekulieren, ob Webber davon profitiert, dass ihn in dieser Saison die Folgen seines schweren Mountainbike-Unfalls 2008 nicht mehr bei der Vorbereitung behindert haben - und er die Stärke des Autos und seine eigene so besser zur Geltung bringen kann.

Immer wieder von Vettel kopiert

Dazu gehört sein ausgeprägtes Verständnis für den Boliden, das sich schon daran ablesen lässt, dass der vom Fahrstil ähnlich veranlagte Vettel in der Hälfte der bisherigen Rennen Webbers Einstellungen übernommen hat.

Das große Plus Webbers ist die Erfahrung des 33-Jährigen, den Stewart im "besten Alter für einen Rennfahrer" sieht.

Diese Erfahrung zeigt sich auch bei Webbers abgeklärtem Umgang mit dem plötzlichen Trubel um seine Person.

"Das Blatt kann sich schnell wenden"

"Vor zwei Rennen war ich noch Achter", erinnert er die allzu Euphorischen: "Jenson Button führte vor Monaco und ist jetzt nur noch Vierter. Das Blatt kann sich schnell wenden." Man habe auch in der vergangenen Saison gesehen, "wie schnell man die anfängliche Überlegenheit wieder verspielen kann".

Genauso unaufgeregt beantwortet er Fragen zu seiner Zukunft: "Ich habe gerade zwei Rennen hintereinander gewonnen und schon fragen mich die Leute, für wen ich nächstes Jahr fahren werde", wunderte er sich in der "Mail on Sunday".

Wobei Webber, dessen Vertrag zum Jahresende ausläuft, auch klug genug ist, sich nicht festzulegen.

Nach den üblichen Beteuerungen, wie wohl er sich bei Red Bull fühle, schiebt er auch hinterher: "Man weiß nie, was im nächsten Moment um die Ecke kommt."

Vettel muss "einen Trend stoppen"

Gerade jetzt ist Webbers Verhandlungsposition gut - und nach Istanbul könnte sie noch besser sein, so stark wie er und sein Team derzeit sind.

"Red Bull fährt in einer eigenen Welt", meint Rekordweltmeister Michael Schumacher bewundernd vor dem Grand Prix.

Er ist sich mit so ziemlich allen Beobachtern einig, dass die Red Bulls das Rennen dominieren werden. Webbers Siegesserie zu beenden, kann unter normalen Umständen nur Vettel schaffen.

Die große deutsche Formel-1-Hoffnung müsse "einen Trend stoppen", fordert Jacques Schulz im SPORT1-Power-Ranking.

Neue Erfahrung für Vettel

Ein Trend, der besonders in Monaco beunruhigte: Obwohl Vettel dort nicht wie so oft von technischen Problemen geplagt wurde, musste er hinterher offen zugeben, dass er "nicht mithalten" hatte können.

Trotzdem: Als schärfsten Rivalen sieht auch Webber "meinen Teamkollegen Sebastian Vettel".

Der aktuelle Punktegleichstand bietet den Stoff für einen heißen Zweikampf - einen rein sportlichen bislang.

Webber heizt den Konkurrenzkampf vor dem Rennen nur mit einer freundlichen Spitze gegen Vettel an: "Er hatte im vergangenen Jahr einige sensationelle Momente - ich hoffe, es sind diesmal ein paar weniger."

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