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Fernando Alonso kam vor der Saison nach zwei Jahren bei Renault zu Ferrari © getty

Nach der Schlappe von Istanbul beschwert sich Alonso. Die Scuderia entwickelte in die falsche Richtung. Ein Alt-Star ist entsetzt.

Von Julian Meißner

München - Ferrari ist am Tiefpunkt angekommen, zumindest vorläufig.

"Das war unsere bislang schwächste Leistung in dieser Saison", klagte Felipe Massa nach der enttäuschenden Performance der Roten beim Rennen in der Türkei: "Wir waren am gesamten Wochenende nicht konkurrenzfähig und hatten in jeder Session zu kämpfen - speziell in der Qualifikation."

Massa schaffte es im Gegensatz zu seinem Teamkollegen am Samstag unter die Top Ten, im Rennen sprangen die Plätze sieben und acht für den Brasilianer und Doppelweltmeister Fernando Alonso heraus.

Eindeutig zu wenig für die Ansprüche der Scuderia, die nach dem verkorksten Jahr 2009 eigentlich mit Alonso als neuem Zugpferd wieder ganz vorne angreifen wollte.

Der Spanier schlägt nun Alarm: "Wir sind auf dem Level von Renault. Das ist definitiv nicht ausreichend."

Doppelsieg, dann lange nichts

Dabei hatte die Saison mit dem Doppelsieg in Bahrain so vielversprechend begonnen. Doch im Entwicklungsrennen mit der Konkurrenz von Red Bull und McLaren hatte Ferrari schnell das Nachsehen.

Stillstand bedeutet bekanntlich Rückschritt, gerade im Ingenieurs-Wettrennen der Königsklasse.

Mansell: "Große Enttäuschung"

Für Ex-Champion Nigel Mansell, der 1989 und 1990 für die Scuderia 31 Rennen bestritt, war der Absturz in dieser Form nicht abzusehen.

"Es ist für mich die größte Überraschung der Saison, dass sich Ferrari eher rückwärts entwickelt", sagte der Brite: "Sie haben bestimmt nicht viel falsch gemacht, aber die Entwicklung war eben langsamer als die der anderen Teams. Sie treten auf der Stelle. Die Fortschritte von Red Bull und McLaren sind hingegen phänomenal."

Mansell spricht von einer "großen Enttäuschung für die Fans und für die gesamte Formel 1."

Entwicklung in die falsche Richtung

Dabei zeichnet der Punktestand noch ein vergleichsweise freundliches Bild. Auf Rang drei in der Team-WM fehlen Ferrari 25 Zähler auf Red Bull, 26 auf McLaren, und der Vorsprung auf Mercedes GP ist komfortabel. Alonso liegt in der Fahrerwertung nur 14 Zähler hinter Spitzenreiter Mark Webber.

Doch der Leader im Traditionsrennstall macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. "Der F10 hat sich seit China kaum weiterentwickelt", formuliert er klare Kritik am Team.

Hintergrund des Dilemmas: Die Entwicklungsarbeit am F-Schacht hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht und dabei zu viele Ressourcen verschlungen.

B-Version erst in Valencia

"Außer in Bahrain waren wir stets in der Defensive, konnten nie angreifen", beschwert sich Alonso mit wehmütigem Blick auf den perfekten Saisonstart, als er den italienischen Hoffnungen auf den Start in eine neue Ära bei den Roten neue Nahrung gab.

Den laut Alonso "erheblichen Rückstand" auf die beiden Spitzenteams wird man wohl auch am Wochenende in Kanada zu sehen bekommen.

Erst beim darauf folgenden Europa-Grand-Prix in Valencia will Ferrari eine komplett überarbeitete B-Version des F10 an den Start bringen.

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