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Mark Webber (l.) und Sebastian Vettel holten 2010 bislang einen Punkt weniger als McLaren © getty

Der Friedensgipfel nach dem Unfall von Istanbul entschärft die Lage bei Red Bull nur wenig. Es droht ein offener Matchkampf.

Von Julian Meißner

München - Die heile Welt im Gute-Laune-Team Red Bull hat erheblich gelitten durch den größten anzunehmenden Unfall.

Nachdem sich die beiden Stallgefährten Sebastian Vettel und Mark Webber in Istanbul gegenseitig 243334in die Parade fuhren und einen sicheren Doppelsieg wegwarfen, ist nichts mehr wie es war beim Top-Favoriten auf die Weltmeisterschaft.

Auch wenn sich die beiden Rivalen bei einem Friedensgipfel am Firmensitz in Milton Keynes offiziell versöhnten und vor dem anstehenden Rennen in Kanada einen Schlussstrich unter die desaströse Episode setzten, hat sich das Verhältnis der zwei WM-Kandidaten (93:78 Punkte für Webber) zu einem Pulverfass entwickelt.

Bei der nächsten Annäherung Vettels und Webbers auf der Strecke werden die Szenen von Istanbul sofort wieder präsent sein: das beinharte Duell, der Crash, Vettels eindeutige Gesten gegen den Teamkollegen.

Berger attackiert Webber

Gerhard Berger glaubt, in einer ähnlichen Situation würde der Australier künftig lieber zurückziehen, schließlich habe er den Crash verursacht.

"Webber muss sich als Schuldiger der Kollision fühlen", sagte der Formel-1-Insider und einstige Vettel-Förderer in der "Sportbild": "Vettel kam viel schneller aus der Kurve heraus, hatte Überschuss und war vor der nächsten Kurve klar vorne. Sie gehörte Vettel. Webber hätte ihm als Teamkollegen Platz machen müssen."

Chefs auf Vettels Seite

Ähnlich hatten die Machthaber im Team die Situation beurteilt. Teamchef Christian Horner sowie Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko - die rechte Hand von Marken-Patron Dietrich Mateschitz - schlugen sich auf die Seite des Youngsters, ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

Berger erhebt deutliche Vorwürfe gegen Webber: "Er fuhr so, als wäre Sebastian nicht sein Teamkollege, sondern von einem anderen Team. Das geht aber nicht!"

Piloten pro Webber

Im Fahrerlager herrschte in der Türkei eine andere Meinung vor. Das Gros der Piloten plädierte in der Analyse des peinlichen Unfalls pro Webber, natürlich nicht ohne Hintergedanken.

Der 33-Jährige aus Queanbeyan, mittlerweile WM-Spitzenreiter, startete als Außenseiter in die Saison, Vettel als Favorit. Wenn sich die beiden gegenseitig Punkte wegnehmen, und das in solch spektakulärer Weise, kann das der Konkurrenz natürlich gerade recht sein.

Imagepflege mit dem Youngster

Viele Experten vertreten die Ansicht, Sympathieträger Vettel sei die heimliche Nummer eins im reichen Rennstall mit dem juvenilen Image. Nicht unbedingt aus sportlichen Gründen, sondern, weil er sich als freundlicher Jungspund mit Perspektive besser verkaufen lässt als der souveräne, aber biedere Webber.

"Es gibt keine Stallorder", behauptet jedoch Berger: "Die brauchen die auch gar nicht. Der Schnellere soll gewinnen."

Vettel wehrt sich ebenfalls gegen die Einschätzung, er sei der Liebling im Team: "Das denke ich nicht", sagte er in der "BBC": "Und wir haben natürlich intern geklärt, dass kein Fahrer, weder Mark noch ich, in irgendeiner Weise bevorzugt wird. Wir gehen raus und versuchen rauszufinden, wer der Bessere ist. So, wie es sein sollte."

Vettel gehört die Zukunft

Welche Wertschätzungen die beiden von den Bossen erfahren, machen jedoch die jeweiligen vertraglichen Situationen deutlich. Während Webbers auslaufender Vertrag am Montag um ein Jahr bis 2011 verlängert wurde, will man Vettel, dessen Kontrakt bis 2012 läuft, händeringend langfristig an die Marke mit den zwei aufeinander zu stürmenden Bullen binden.

Gespräche über einen Deal bis 2015 sollen angeblich in vollem Gange sein.

Horner als Vermittler gefragt

Vertragswerk hin oder her: Der Puls am Kommandostand dürfte beim Teamchef und seiner Boxencrew künftig jedenfalls gehörig in die Höhe schnellen, sollten sich Vettel und Webber auf der Piste näher kommen.

Horner ist es, der den Ehrgeiz seiner Piloten in geordnete Bahnen lenken muss. Keine leichte Aufgabe für den mit 36 Jahren jüngsten Formel-1-Teamchef.

Formel-1-Legende Jackie Stewart ist sich nicht sicher, ob er ihr gewachsen ist: "Ein Fahrerduo zu managen, erfordert höchste Sensibilität. Die erreichst du erst mit den Jahren."

Vettel plant Attacke

Die nächste Chance auf ein zünftiges Miteinander bietet sich den Streithähnen vom Bosporus beim Großen Preis von Kanada in Montreal (Freies Training, Freitag, 16 LIVE im TICKER und im TV auf SPORT1).

Auf der puren Power-Strecke sind die McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button in ihren schnellen MP4-25 die Nuss, die Vettel zu knacken hat - nicht zu vergessen die Konkurrenz im eigenen Haus. Vettels Plan: "Ich werde wieder voll angreifen."

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