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In ist, wer drin ist: Die 24 Piloten der Saison 2010 © getty

Sommerzeit ist in der Formel 1 Wechselzeit. In diesem Jahr bleibt die Gerüchteküche aber kalt. Zwei Piloten gelten als Verlierer.

Von Marc Ellerich

München - Der Sommer kommt und mit ihm beginnt in der Formel 1 traditionell die sogenannte "unsinnige Jahreszeit".

Wenn draußen die Temperaturen steigen, nimmt üblicherweise auch in der Gerüchteküche der Königsklasse die Hitze zu. Keine Nachricht über einen möglichen Fahrerwechsel ist zu absurd, um nicht gemeldet zu werden. Es ist lustig, es ist spannend, es ist "Silly Season". (Kohl-Kolumne: Rosberg hat sich keinen Gefallen getan)

Beispiel gefällig? Nach einem Bericht der italienischen Zeitung "Autosprint" hat Renault ein Auge auf Neo-Rallye-Pilot Kimi Räikkönen geworfen, um ihn Robert Kubica zur Seite zu stellen. Was dann wieder den frühzeitigen Abschied des derzeitigen zweiten Renault-Mannes Witali Petrow bedeuten würde.

Und sollte der Räikkönen-Deal nicht klappen (vielleicht weil der ständig beteuert, er habe viel Spaß an der Querfeldein-Fahrerei), wäre da ja noch Adrian Sutil. Und so weiter und so fort.

Fahrermarkt festgezurrt

Leider wird das lustige Spektakel in diesem Sommer wohl ausfallen. Der Grund: Selten zuvor war der Fahrermarkt derart festgezurrt wie in diesem Jahr.

Die letzten Figuren wurden aus dem Spiel genommen, indem Red Bull den Kontrakt mit Mark Webber trotz oder eben gerade wegen des Unfalls mit Sebastian Vettel in Istanbul um ein Jahr verlängerte und Ferrari die Spekulationen um Felipe Massa mit einem neuen Vertrag beendete. (Ferrari kündigt "aggressiven Schub" an)

"Die besten fünf Teams werden im kommenden Jahr wohl dieselben Fahrerpaarungen haben", stellte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug fest, der offenbar gut ohne den Wechsel-Zirkus leben kann. "Für die Formel 1 ist das gut. Wir werden noch gute Rennen sehen."

Zufriedene Teamchefs

Auch andere Funktionäre hegen durchaus Sympathie für die neue Verlässlichkeit im Elitezirkel des Motorsports. "So können wir uns auf andere Sachen konzentrieren", sagte McLarens Teamchef Martin Whitmarsh.

Die Konstanz in den Personalplanungen der Rennställe bringt allerdings auch "Verlierer" hervor. So gelten zwei Shootingstars des Motorenzirkels vorläufig als ausgebootet: der polnische Renault-Antreiber Robert Kubica und der deutsche Force-India-Pilot Adrian Sutil, der auch schon gegenüber SPORT1 seinen Ambitionen auf ein Top-Cockpit äußerte.

"Denke nicht ans nächste Jahr"

Nun ist weder Kubica noch Sutil so alt, um sich nicht ein Jahr in Geduld üben zu können. "Ich denke nicht an das nächste Jahr", antwortete etwa der schnelle Mann aus Krakau auf Wechselspekulationen: "Es wird irgendwann der Punkt kommen, an dem ich eine Entscheidung treffen muss. Derzeit aber bin ich beschäftigt genug, an das Auto und die Rennen zu denken."

Er fühle sich wohl bei dem einstmals französischen Team, das nun in den Händen eines luxemburgischen Finanzinvestors liegt, fügte Kubica hinzu und wies auf ein weiteres Argument für eine längere Zusammenarbeit hin: "Hier können sich das Team und ich gemeinsam aufbauen, das ist eine großartige Befriedigung."

Zumal Kubicas Biene-Maja-Auto in den Händen des Polen bisher durchaus für bemerkenswerte Resultate gut war und das Potenzial des Renault noch nicht ausgereizt scheint.

Keine Alternativen

Und Sutil? Ist mit dem VJM-03 bisher bei fünf von acht Rennen in die Punkte gefahren. Ein Team, das ihm bessere Chancen bietet, als Force India, ist derzeit nicht in Sicht. Williams und Sauber sind keine ernsthaften Alternativen, Renault (Petrow) vielleicht.

"Ich will hier erfolgreich sein", sagte Sutil folgerichtig: "Solange es jedes Jahr einen Schritt weitergeht, bin ich sehr zufrieden. Was danach kommt muss man sehen."

Den Gedanken an einen Wechsel zu einem Spitzenteam hat er noch nicht aufgegeben: "Man muss sehen, wie lange Michael Schumacher wirklich fährt", sagte er der Münchner "tz": "Und man muss sehen, was Red Bull passiert."

Das war allerdings bevor der österreichische Rennstall sich wenige Wochen später die Webber-Tür zuschlug - und die "Silly Season" 2010 ihr jähes Ende fand.

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