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Kein Blick für die Schönheiten des Landes: Ferrari muss aufholen © imago

Montezemolos Plan: Um noch eine Chance in der WM zu haben, bündelt Ferrari mit neuem Auto und fester Hackordnung seine Kräfte.

Von Marc Ellerich

München - Ferrari setzt im engen WM-Rennen offenbar alles auf eine Karte: Fernando Alonso ist das Ass, das im Titelkampf stechen soll, wie "Motorsport aktuell" berichtet.

Zudem werde beim Europa-Grand-Prix in Valencia eine generalüberholte B-Version des F10 an den Start gebracht. (Kampf um jede Millisekunde - Formel 1 rüstet auf)

Die italienische Scuderia bündelt zur Halbzeit der Saison ihre Kräfte, um die Chance auf die Weltmeisterschaft zu wahren. Unter dem Schlagwort "Progretto uno", "Projekt eins, fasste die Zeitung "Gazzetta dello Sport" die Pläne der Roten zusammen. (Ferrari kündigt aggressiven Schub an)

Di Montezemolos Plan

Initiator des Plans soll kein anderer als der Ferrari-Vorsitzende Luca di Montezemolo gewesen sein. Ein von "Motorsport aktuell" anonym zitiertes Team-Mitglied bezeichnete die Anweisung Montezemolos als letzten Versuch Ferraris, die Saison als Weltmeister zu beenden.

Dazu zählt wohl auch die Verpflichtung des früheren McLaren-Chefingenieurs Pat Fry ab Juli. Bei den Roten wird er stellvertretender Technikchef unter seinem Vorgesetzten Aldo Costa.

Die Blicke werden sich dennoch hauptsächlich auf Fernando Alonso richten - und das nicht nur bei dessen zweitem Heimspiel in diesem Jahr.

Traum vom Titel

Der Spanier soll den Traum vom Titel wahrmachen. Dem Brasilianer Felipe Massa kommt demnach nur noch die Rolle als Nummer zwei zu. Gerüchten zufolge habe der WM-Zweite von 2008 diese untergeordnete Position auch zugunsten einer Vertragsverlängerung bis Ende 2011 akzeptiert.

Eine Bestätigung seitens des Teams gab es für die Hackordnung, die sich zuvor längst auf der Rennstrecke abgezeichnet hatte, nicht. 27 Punkte trennen Alonso, mit 94 WM-Zählern auf Platz vier der Fahrerwertung und den achtplatzierten Massa. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Alonso: Stehen uns im Weg

Vor dem neunten Grand Prix richtete der Spanier, der den Auftakt-Grand-Prix in Bahrain vor Massa gewonnen, sich dann aber im weiteren Saisonverlauf keinesfalls fehlerfrei präsentiert hatte, deutliche Worte an sein Team.

"Auf unserem WM-Kurs stehen wir uns zu oft selbst im Weg", sagte er: "In der Türkei standen wir als Team komplett neben den Schuhen."

Den vergangenen Grand Prix in Kanada beendete Alonso dann allerdings als Dritter und bewertete den Podiumsplatz als Mutmacher: "Das war definitiv ein Schritt nach vorne. Wir sind wirklich nah dran." (BERICHT: Doppelsieg für McLaren)

"Beträchtliche Updates"

Damit Ferrari seine Rivalen überholen kann, soll dem Piloten aus Oviedo ein komplett runderneuerter Ferrari an die Hand gegeben werden.

"Beträchtliche Updates", kündigte Teamchef Stefano Domenicali an. So wollen die Italiener das Auspuff-System von Red Bull kopieren, das mittlerweile als Schlüssel zum hohen Tempo des Vettel-Rennstalls begriffen wird. Bis zu vier Zehntelsekunden pro Runde soll dies laut einem Bericht der spanischen Zeitung "As" bringen.

Am Heck des roten Boliden werde es weitere Veränderungen geben, die dann zusätzliche Fortschritte ermöglichten, hieß es zudem.

Domenicali übt Selbstkritik

Die intensive Arbeit am F-Schacht, der den Autos mehr Top-Speed auf den Geraden verleiht, bewertet man bei der Scuderia inzwischen offenbar kritisch. Von "Verzögerungen in anderen Bereichen" sprach Domenicali mit Blick auf das Aero-System.

Von dem Rückschlag werde man sich aber nicht entmutigen lassen, kündigte der Italiener an. "Das wäre nicht angebracht, denn noch liegen zwei Drittel der Saison vor uns. Wir senken nun sicherlich nicht unser Haupt und blasen Trübsal. Das können Leute tun, die ihre Ziele nicht erreichen."

2011 im Blick

Auf Ferrari treffe das gewiss nicht zu. "Gemeinsam wollen wir zeigen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind", sagte Domenicali und kündigte einen "aggressiven Schub" an.

Dennoch gibt es teamintern offenbar erste Zweifel. Scheitere Ferrari in den kommenden Grands Prix mit seinem Projekt eins, werde die Energie ab sofort in die Entwicklung des Ferraris für 2011 gesteckt, behauptete die anonyme Quelle bei "Motorsport aktuell".

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