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Wenn Mandy nicht mag: Sebastian Vettel kämpft in diesem Jahr oft mit seinem RB6 © getty

Keine Panik? Vor dem Europa-Grand-Prix in Valencia muss Red Bull wieder einmal Bedenken zum anfälligen Vettel-Renner zerstreuen.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel hätte Grund genug, einigermaßen optimistisch in den Europa-Grand-Prix in Valencia zu gehen. (Red Bull will von Trendwende nichts wissen)

Sein Red-Bull-Renner soll beim spanischen Grand Prix nun endgültig mit dem ominösen F-Schacht an den Start gehen, dem Aerodynamik-Trick, der vor allem die silberne Konkurrenz von McLaren auf den langen Geraden deutlich schneller macht.

"Unser Technik-Chef Adrian Newey war nicht in Kanada, um dem System den letzten Schliff zu verpassen", berichtete Vettel in den vergangenen Tagen.

F-Schacht am Red Bull

Mit dem Luftschlitz am Heckflügel wollen Vettel und sein Team das englische Weltmeister-Gespann Lewis Hamilton von der Überholspur der Formel 1 verdrängen. Mit zwei Doppelsiegen in Serie hat das McLaren-Duo souverän die Führung in der Konstrukteurs-WM inne, und - wichtiger noch - Vettels australischen Teamkollegen Webber von der Spitze der Fahrerwertung verdrängt. (Hamilton elektrisiert: "Ultimative Herausforderung")

Webber liegt sechs Punkte hinter dem führenden Hamilton auf dem dritten Platz. Vettel fehlen als Fünftem bereits 19 Punkte.

Womit man bei den Hiobsbotschaften aus der Technik-Abteilung der österreichischen Bullen wäre.

Vettels Seuchen-Saison

Leider ist Vettels Saison, die erklärtermaßen mit dem Weltmeister-Titel enden soll, bisher alles andere als unfallfrei verlaufen. Vor der nahenden Halbzeit muss man von einem echten Seuchenjahr für den ambitionierten Heppenheimer sprechen.

Vettel Ausfallbilanz übertrifft seine Siegstatistik 2010 um Längen. Zwischen dem Zündkerzen-Schaden, der den deutschen Pole-Setter beim Auftakt-Grand-Prix in Bahrain den sicher geglaubten Sieg kostete und den Getriebe-Problemen beim letzten Rennen in Montreal liegen vier weitere technische Fehler: Mal war es eine verlorene Radmutter, dann Brems- und Balanceprobleme, ein gebrochenes Chassis oder ein zerstörter Stabilisator.

Dem steht bisher Vettels einziger Sieg in Malaysia gegenüber. Je nach Rechenart fehlen dem 22-Jährigen in der WM bis zu 93 Punkte.

Öffentliche Bedenken

Dennoch sagte Vettel nach dem Kanada-Rennen tapfer, es gebe "keinen Grund zur Panik". Er erwarte sich für das Europa-Rennen in Spanien "einen Schritt nach vorne". (VETTEL-INTERVIEW: "Noch ein Fragezeichen")

Der wäre auch dringend nötig, um seine Chance in der WM zu wahren. Doch vor dem neunten Grand Prix des Jahres hat sein Team schon wieder alle Hände voll zu tun, um öffentliche Bedenken zu zerstreuen.

Teamchef Christian Horner spielte die Getriebeprobleme herunter, die Vettel auf dem Circuit Gilles Villeneuve von Montreal den Schwung für eine bessere Platzierung als Rang vier genommen hatten.

"Dass wir das Getriebe wechseln müssen, erscheint derzeit eher unwahrscheinlich", erklärte Horner gegenüber "autosport.com".

"Kein grundsätzliches Problem"

Ein Getriebewechsel, wie ihn Webber in Montreal hatte vornehmen müssen, wäre für Vettel äußerste unangenehm. Der Australier wurde in Kanada entsprechend dem Reglement um fünf Startplätze nach hinten versetzt. Dasselbe Schicksal würde in Valencia auch Vettel ereilen.

Womit seine Siegchance auf dem nicht unbedingt als Red-Bull-Strecke geltenden Kurs fast schon dahin wäre. Doch die Probleme an Vettels und Webbers seien verschiedener Natur, betonte sein Vorgesetzter.

Vettel hatte nach dem fatalen Red-Bull-Crash in der Türkei mit einem neuen Getriebe-Zyklus begonnen. Bereits nach einem Rennen tauchen schon wieder Fragen auf. Wohl vor allem deshalb sah sich Horner gegenüber "Auto Bild" zu der Aussage veranlasst: "Wir haben kein grundsätzliches Problem mit dem Auto."

"Unglaubliches Pech"

Womit er vermutlich Recht hat. Es sieht eher danach aus, als ob Red Bull viele Brandherde auszutreten hätte. Hat man ein Problem im Griff, taucht unerwartet bereits das nächste auf. Was nicht einmal Horner leugnet. "Ja, wir hatten Defekte. Aber jeden Fehler nur einmal. Wir sind allen Marotten auf den Grund gegangen", sagte er: "Es ist einfach unglaubliches Pech, was besonders Sebastian in diesem Jahr alles wiederfährt."

Schon vor dem dritten Grand Prix des Jahres in Malaysia, den Vettel gewann, versuchte Red Bulls Motorsport-Beauftragter Helmut Marko gegenüber SPORT1 die Bedenken zu zerstreuen, der RB6 sei zu fragil konstruiert.

"Wir müssen da nur durch, irgendwann hört das auf", sagte der Österreicher - und wurde im weiteren Saisonverlauf enttäuscht.

Auch Vettel hat sich bisher vor den Design-Guru Newey gestellt. Die Autos seien nun mal "am absoluten Limit" konstruiert: "Da kann mal was kaputt gehen."

Doch zugleich warnte er sein Team: "Jeder weiß, dass man mit zu vielen Defekten keine Weltmeisterschaft gewinnen kann."

Kanada als Mutmacher

Was dem jungen Deutschen und seinem Team für Valencia Mut machen dürfte, ist dass der Red Bull von der reinen Geschwindigkeit auf der McLaren-Strecke in Montreal gut mithalten konnte.

"Wenn wir hier schnell sind, sollte es keine Rennen mehr geben, vor denen wir uns fürchten müssen", hatte Horner den wichtigen Test in Übersee eingeordnet.

Was wohl stimmt. Fürchten müssen sie bei Red Bull vielmehr den nächsten technischen K.o. des blauen Renners.

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