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Für Michael Schumacher (r.) und Nico Rosberg wurde der Europa-GP zur großen Enttäuschung © getty

Valencia sollte ein großer Schritt werden für die Silberpfeile, es wurde ein Desaster. Hinter den Kulissen laufen die Planungen.

Valencia - Michael Schumacher ist ratlos, Nico Rosberg fehlt das Vertrauen, und nicht einmal "Superhirn" Ross Brawn hat die rettende Idee: Die Silberpfeile von Mercedes stochern im Nebel.

Mit den Plätzen 12 und 15 für Rosberg und Schumacher im Qualifying in Valencia hat das Weltmeisterteam des Vorjahres einen Tiefpunkt in einer durchwachsenen Saison erreicht.

Im Rennen setzte sich die Krise fort: Schumacher landete nach drei Reifenwechseln auf dem enttäuschenden 15. Platz, Rosberg erhielt als Zehnter nur deshalb noch einen WM-Punkt, weil er nachträglich nach Zeitstrafen gegen Konkurrenten um zwei Plätze vorrückte.

"Die Reifen harmonieren nicht mit dem Auto. Die anderen werden schneller, wenn sie die weichen Reifen aufziehen, aber wir nicht", sagte Schumacher. Eine Erklärung für das Problem findet das Team aber momentan nicht.

Rosberg fehlt das Vertrauen

"Warum wir im Qualifying nicht schneller sind, ist uns noch ein Rätsel", sagte Schumacher, der mit einem 15. Startplatz "natürlich nicht glücklich" ist.

"Du kannst kein Vertrauen aufbauen, weil das Auto merkwürdige Dinge macht", erklärte Rosberg, für den es bitter ist, sogar von Ex-Arbeitgeber Williams und Toro Rosso abgehängt zu werden.

"Wenn du so lange im Geschäft bist, weißt du, dass du solche Tage und Phasen erleben wirst. Du kannst nicht immer vorne sein, aber gerade in Zeiten wie diesen musst du deine Stärken zeigen, die richtigen Entscheidungen treffen", sagte Brawn.

Der Brite gab aber zu: "Es sind schon Schmerzen, denen wir im Moment ausgesetzt sind. Aber wenn du mit diesem Schmerz nicht umgehen kannst, solltest du nicht in diesem Geschäft sein."

Bekannte Erfahrungen

Gemeinsam mit Schumacher hatte Brawn einst ähnliche Erfahrungen bei Ferrari gemacht, bevor das Dream Team später von Titel zu Titel fuhr.

"Wir sind Kämpfer! Ich bin schon lange genug dabei, und ich hatte schon schlimmere Schmerzen. Das alles gehört zum Prozess dazu und irgendwie bereitet es sogar Freude", sagte Schumacher und versuchte, Optimismus zu verbreiten: "Aber sobald es Fortschritte gibt, und die werden kommen, da bin ich mir sicher, wird die Belohnung umso schöner sein."

Kubica als Ersatz?

Bis dahin muss Schumacher aber nicht nur mit hämischer Kritik früherer Weggefährten, sondern auch mit Spekulationen über seine Zukunft leben.

Eine italienische Internetseite berichtete, dass der 41-Jährige möglicherweise am Saisonende wieder aufhören könnte und Mercedes schon bei Renault-Pilot Robert Kubica angefragt hätte.

"Wir hatten keinen Kontakt zu Kubica. Im letzten Jahr, als wir noch Brawn waren, da hatte ich mal mit ihm gesprochen", sagte dazu Ross Brawn.

Schumachers "Dreijahresprogramm"

Schumacher selbst beschäftigt sich mit solchen Spekulationen nicht. "Ich denke nicht von Rennen zu Rennen und hoffe auf ein gutes Einzelergebnis, sondern ich sehe das als Dreijahresprogramm", sagte er.

Natürlich habe man gehofft, schon in diesem Jahr näher dran zu sein, aber das sei halt nicht der Fall. Jetzt müsse man die Gründe dafür herausarbeiten: "Dafür sind wir hier."

"Ein potenzielles Siegerauto"

Eigentlich habe das Auto ja Potenzial, wenn es im Rennen mit viel Benzin unterwegs sei, sagte Schumacher: "In Kanada war Nico phasenweise der schnellste Mann auf der Strecke, wenn er freie Fahrt hatte. Das zeigt mir, dass das Auto ein potenzielles Siegerauto ist, wenn bestimmte Umstände eintreten."

Rosberg, der am Sonntag 25 Jahre alt wurde, sieht das ähnlich. Wenn das Reifen-Rätsel gelöst sei, könne man in diesem Jahr noch Rennen gewinnen.

Haug hat Hoffnung

Auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug hat die Hoffnung nicht aufgegeben. "Es ist nicht richtig, dass wir keine Fortschritte gemacht hätten, aber andere haben auch Fortschritte gemacht", sagte Haug und verwies auf die letzte Saison.

"Mit McLaren waren wir da mal 18., jetzt führen sie die WM an", sagte er vor dem Rennen in Valencia. Man sei motiviert, das Problem auszusortieren. "Und wir werden es aussortieren", versprach er.

Neuer Designer von Ferrari?

Die Frage ist nur, wann. Experten munkeln schon seit längerem, man konzentriere sich bereits jetzt voll auf die Saison 2011, auch wenn man das in der Öffentlichkeit natürlich nicht zugeben kann.

Mit den Pirelli-Reifen kommt im nächsten Jahr ein neuer Faktor zum Tragen, der offenbar schon fleißig studiert wird.

Nach Informationen der "Bild" will man zudem Chefdesigner Nikolas Tombazis von Ferrari weglocken - der Grieche kennt Brawn und Schumacher aus vergangenen Tagen.

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